Rezension: Inception - der Film des Jahres!?

Seit dem 29. Juli läuft der mit Spannung erwartete und Vorschusslorbeeren überhäufte Film "Inception" von Regisseur und Drehbuchautor Christopher Nolan in den deutschen Kinos. Schon vor seiner Veröffentlichung als Film des Jahres deklariert, muss man sich zwangsläufig die Frage stellen, ob der Film wirklich so gut ist, wie erhofft, oder ob das vermeintliche Meisterwerk doch wieder nur ein durchschnittlicher Sommerblockbuster mit berdurchschnittlicher Besetzung ist.

Mittels Extraction, einer kriminellen Technik, die auf dem mentalen Einbruch in die Traumwelt von Menschen basiert, kann eine kleine Gruppe von Verbrechern Zugriff auf geheime Informationen erhalten. Dom Cobb, ein sogenannter Extractor, hat diese Kunst zur Perfektion gebracht, scheitert jedoch aufgrund einer persönlichen mentalen Instabilität, über die an dieser Stelle nicht mehr verraten werden soll, an einem besonders wichtigen Auftrag. Zusammen mit seinen Komplizen ist er gezwungen zu fliehen.Sein letztes Opfer, ein reicher japanischer Geschäftsmann, hat jedoch andere Pläne und engagiert Cobb und dessen Team für ein schier unmögliches Unterfangen. Anstatt eine Information zu stehlen, soll die Truppe eine Idee in den Kopf ihres Opfers pflanzen, eine sogenannte Inception. Trotz anfänglicher Bedenken macht sich die Gruppe um Extractor Cobb, Architektin Ariadne, Organisator Arthur, Fälscher Eames und Apotheker Yusuf an die Arbeit. Doch das Opfer ist vorbereitet, der Auftraggeber besteht auf seine Teilnahme an der Unternehmung und Cobbs wahre Intentionen treten erst langsam zu Tage. Die Probleme verdichten sich und dann ist da noch Cobbs Frau Mal....

Eine Inhaltsangabe komplizierter, als die Bauanleitung für einen Durchlauferhitzer. Christopher Nolan fordert sein Publikum zur geistigen Hochleistung heraus, nur wer 148 Minuten lang volle Konzentration an den Tag legt, kann verstehen, worum es in Inception geht. Doch Nolan ist nicht ungnädig: Er nimmt sich eine ganze Stunde Zeit, um den Zuschauer in seine Gedankenwelt einzuführen und er vermag zu überzeugen. Eindeutig inspiriert durch den Realitätskonflikt von Matrix, die Bondfilme mit Roger Moore und Sean Connery, die spannungsreiche Erzählweise Alfred Hitchcocks und so ziemlich alles von Stanley Kubrick, gelingt Nolan, was nur wenigen Regisseuren vergönnt ist: der perfekte Film.

Wer sich erst einmal auf Inception eingelassen hat, versteht die Brillanz, mit der Nolan seinen Film durchstrukturiert hat, erkennt die unheimliche Überzeugungskraft seiner Spielregeln. Alles erscheint vollkommen plausibel, so als wären Extraction und Inception Teil unseres alltäglichen Lebens. Unterstützt wird er dabei durch einen fantastischen Cast:
Leonardo di Caprio, als problembelasteter Dom Cobb, liefert eine lebendige Perfomance ab und beweist erneut, dass er mehr als in der Lage ist einen Film dieses Kalibers zu tragen. Joseph Gordon-Levitt, Cilian Murphy, Ken Watanabe, Sir Michael Caine und Tom Hardy beherrschen ihr Handwerk und halten diCaprio den Rücken frei. Ellen Page glänzt als Architektin und Verbündete des Kinozuschauers, sagt ihr Blick doch ein ums andere Mal: "Versteh ich nicht, macht aber nichts, mitspielen kann ich trotzdem". Der heimliche, unheimliche und überragende Star des Films ist und bleibt aber Marion Cotillard als Cobbs Ehefrau Mal.Die Art und Weise mit der sie Wut, Trauer, Liebe, Verzweiflung, Sehnsucht und die komplette restliche Palette möglicher menschlicher Gefühlslagen virtuos gegeneinander ausspielt, reserviert ihr ohne jeden Zweifel einen Platz unter den Nominierten für die beste weibliche Hauptrolle der Oscars 2011.

Christopher Nolan wird die Ehre einer Oscarnominierung vermutlich sogar dreifach zuteil werden.Als Regisseur, Autor und Produzent werden Regie-, Drehbuch- und "Bester Film"-Nominierung wohl verdientermaßen unumgänglich sein, darüber hinaus dürfen sich Hans Zimmer (Musik/7 Nominierungen - 1 Sieg) und Wally Pfister (Kamera/3 Nominierungen) berechtigte Hoffnungen auf einen (weiteren) "Goldjungen" machen.

Doch selbst, wenn es am Ende unwahrscheinlicherweise nichts mit den Nominierungen für die diversen Filmpreise wird, steht eines fest: "Inception" ist jede Sekunde das Meisterwerk, das sich so viele Filmfans lange gewünscht haben. Der Sog, den dieser Film ausübt, ist unvergleichlich und allerhöchstens Stanley Kubrick's Überfilm "2001: A Space Odyssee" kommt dem nahe, was Nolan in filmischer Hinsicht mit Inception erreicht hat. Gleichzeitig trumpft der Film mit Plot und Besetzung derart auf, dass er selbst als Kammerspiel jeden Thriller der letzten 20 Jahre in den Schatten stellen würde.

Ein wahrer Meilenstein der Filmgeschichte.

Wertung: 98%
( 9.1/10 - imdb.com; 10/10 - filmstarts.de; 10/10 - filmcritic.com; 10/10 eigene Wertung)