Mut zum Waschbecken - eine Replik zu "Das Kreuz mit dem Kreuz"

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Die Sache mit dem Waschbecken. Man kann Müller vermutlich zunächst nicht so ernst nehmen, wenn er die Waschgelegenheit als Symbol anstelle des Kreuzes um den Hals tragen möchte. Das Kreuz verwerfen, vergessen was uns Christen wohl am Wichtigsten scheint? Sünden als Misthaufen lieben lernen, wie Fliege es darstellt? Versuche, vom Kreuz zu retten, was noch zu retten ist. Die Identität der Christen. Denn bitte was wären wir sonst? Ohne das Kreuz, da könnte die Kirche vermutlich dicht machen.
Elvis ist tot, Jesus lebt!
Ist das denn wirklich so? Ich bin da stark am zweifeln. Wenn ich die „Waschbeckenworte“ Müllers höre, dann muss auch ich im ersten Augenblick schmunzeln. Mehr aber wegen der Genialität. Wieso sollte die Waschschüssel nicht die Lösung des Lebens sein? Teils ist sie ja schon in der Kirche vorhanden in Form des Taufbeckens. Sie ist nur noch nicht sehr bunt und freudeaustrahlend. Ich vermute, dass einem Müller und einem Fliege nicht der Kreuzestod zu unangenehm, zu schwierig wurde. Die beiden erfahrenen Theologen haben da durchaus tiefer gedacht.
Kreuzestheologie. Opfer. Sünde. Schuld. Darum geht es der christlichen Kirche, darüber definiert sie sich hauptsächlich. „Jesus ist für uns gestorben, hallelujah!“, „Und die Hirten kehrten zurück, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie es ihnen gesagt worden war.“- denn Jesus würde auch für sie sterben. Ein Kind wird geboren um zu sterben, genauso wie die Kälbchen direkt nach der Geburt der Mutter entzogen werden, zur Schlachtbank geführt damit wir satt werden können und McDonalds einen Euro mehr verdient. Hallelujah! Das Kälbchen hatte kein Leben länger als wenige Wochen auf Spaltböden. Jesus schon. Heute vergessen viele indem sie die Parole „Elvis ist tot, Jesus lebt!“ auf ihre T-Shirts schmieren, dass Jesus bereits gelebt hat!
Das Waschbecken ist die Lösung! Denn was bedeutet der Tod schon gegen Jesu Botschaft von Nächstenliebe? Die er seinen Freunden mit der Fußwaschung symbolisiert? Ist der Tod Konkurrent zu der Tatsache, dass Jesus mit Sünder Zachäus speiste, Aussätzige anfasste und am Sabbat heilte?
„Ich bin Schuld, dass Jesus tot ist.“
Das was Müller kritisiert, mit seiner Aussage, ist dieser sture Blick auf das Kreuz. Wenn die Kinder fragen, während sie die Bilderbibel durchblättern: „Mama, warum ist der da festgenagelt?“ so kommt nicht selten: „ Weil er auch für Deine Sünden gestorben ist.“ Ich kenne eine Frau, die als Kind nicht mehr schlafen konnte und geweint hat, weil sie dachte: „Ich bin Schuld, dass Jesus tot ist.“
Ist es das? Ist das die Liebe von der wir alle reden sollen? Nichtmal als Moralpredigt, gerne verkauft als den liebenden Gott, den Mann mit Rauschebart. Manchmal auch verpackt im „König von Narnia“, in „Harry Potter“. Schöne Geschichten, Kassenschlager. Aber Jesus sollte kein Science Fiction sein und auch kein Kassenschlager. So läuft es aber leider heute allzusehr in der Kirche. Gib mir Dein Bekenntnis, dass Du Jesusanhänger bist, erkenne dass er für dich gestorben ist und Du bekommst das Himmelreich und darfst dich „Christ“ nennen. Dass sich deshalb einige von der Kirche abwenden, sie nicht mehr für voll nehmen und sich von Gott trennen, also zu Sündern mutieren, ist wohl nicht verwunderlich.
Fürchte Dich nicht davor Mensch zu sein.
Wieso kann das Ganze nicht real gesehen werden? Kann man den historischen nicht mit dem kerygmatischen Jesus verbinden? Jesus lebte. Gab sich mit den damaligen Sündern ab. Hielt zu ihnen, zu denen, die aus der Gesellschaft ausgeschlossen wurden. Das wären heute nicht nur die Mobbingopfer und die Obdachlosen, nein, das wären heute vor allem auch die Verbrecher, die Mörder, die Kindesmisshändler! Keine Sorge, da rebelliert auch etwas in mir. Damals rebellierte es in der Obrigkeit. In der Konkurrenz. Und in denen, die sich in ihrer Religion so sicher waren, deren Tempel plötzlich zerstört wurden. Sie sahen nicht, dass auch der Verbrecher und der Mörder vom Leben gezeichnet und geschunden waren. Jesus hat es gesehen. Und er hat sich auf ihre Seite gestellt. Bis in den Tod. Kurz vorher hätte er sie im Stich lassen können um sich zu retten. Er hat es nicht getan. Göttliche Vorbestimmung? Ein Weg, damit Gott uns die Sünden vergeben kann? Nein: Liebe. Vertrauen. Gott ist kein blutrünztiger Schlachter, der erst seinen Sohn opfern muss um uns vergeben zu können. Der in uns allen Sünder sieht, die eigentlich in die Hölle gehören. Und dieses Opfer brauchen, weil der ach so allmächtige Gott ihnen erst dann vergeben kann. Rache-Gericht, gut-böse. Das sind menschliche Begriffe. Der Mensch braucht diese. Es sind keine göttliche Begriffe. Gott ist der Liebende, der Freund.. Gott sieht aber in uns den Menschen. Den Menschen wie es auch Jesus war. Jesus hat das gelebt, daran geglaubt, daran festgehalten. Bis in den Tod. Er hat die Sünder geliebt, weil sie Menschen sind. Genauso wie Fliege seinen Misthaufen liebt. Was daraus wächst? Was aus dieser Sündhaftigkeit wachsen kann? Die Erkenntnis Mensch zu sein. Ein Mensch von Gott geliebt, ein Mensch der, weil er seiner eigenen Sünden bewusst ist, anderer Sünden vergeben kann. Und die Auferstehung? Ist es nicht wunderbar, wie von ihr berichtet wird? Da ist etwas in den Menschen auferstanden. Da ist den Menschen aufgegangen, dass Jesus recht hatte, dass er furchtlos in dem war, was er tat. „Fürchte Dich nicht“. Fürchte Dich nicht davor Mensch zu sein. Eine Sünderin bin ich dennoch. Von irgendwem bestimmt ausgestoßen, wie damals die Aussätzigen. Genau wie mein Nachbar, der sich letztens von Gott getrennt hat. Das Leben Jesu zeigt dennoch, dass wir geliebt sind. Und niemals verloren oder fallen gelassen, weil Gott sich nicht von uns trennt.
Waschbecken vs. Kreuz
Wenn wir mehr Kirchengänger wollen, vielleicht sollte dann in erster Linie vom Waschbecken, vom Leben Jesu und von der gegenseitigen Zuwendung die Rede sein. Sehr wohl, damit ist alles gesagt!
Und wenn Herr Henkel uns jetzt vorschlägt ein modernes Waschbecken in die Kirche zu stellen, warum dann nicht ein modernes Kreuz:
Wenn Jesus erst vor zwei Stunden des Todes verurteilt worden wäre, und jetzt in diesem Moment hingerichtet...würden wir uns nächste Woche einen elektrischen Stuhl um den Hals hängen?
Oder nehmen wir ein aus Holz geschnitztes Oval, mit einer feinen Mulde darin und einem Steinchen als Wassertropfen?

Nun 'mal den Ball flach halten...
Eine interessante Diskussion. Sehr schön mit dem Pro- und Contra-Artikel. Aber nun mal ehrlich: worüber reden wir hier? Meiner Meinung geraten in dieser Diskussion verschiedene Themen durcheinander, die theologisch doch erst einmal schärfer von einander abgetrennt werden sollten. Geht es uns um eine Corporate Identity der Kirche(n)? Geht es uns um die theologische Bedeutung des Kreuzes/Waschbeckens? Geht es uns um die Satisfaktionlehre Anselmscher Provenienz? Oder geht es uns um ein "Leben Jesu" 2.0?
Viel möchte ich gar nicht dazu sagen - vor allem nicht die Einzelaspekte in extenso beleuchten. Troztdem einige Hinweise: Im (ehem. lateinischen) Westen dominiert das Kreuz als das christliche Erkennungsmerkmal schlechthin. Die Orthodoxie kennt diese Tradition eher weniger - dort ist die Christus-Ikone das christliche Zeichen schlechthin. Kreuze gibt es dort auch, nur nicht an so prominenter Stelle. Zur Bedeutung des Todes Jesu: wer vertritt denn heute noch die (krasse) Opfertheologie á la Anselm (außer ein paar verwirrte evangelikale Kreise)? Ist in der paulinischen Theologie der Opfergedanke intendiert? Tübingen sagt Ja, Berlin sagt klar Nein! Den Liebesbegriff hat schon vor langer Zeit Abaelard in die Diskussion um den Tod Jesu eingeführt (und dieser Gedanke wurde von Ritschl wieder aufgenommen). Außerdem zum "Leben Jesu": persönlich stört mich, dass Frau Hagen nur im Präteritum geschrieben hat (er hat gelebt, er hat geliebt etc.). Hier ist deutlich zu Fragen: wo bleibt die Transzendenz in der Bedeutung des Lebens Jesu? Hat sein Leben nach dem Tod noch eine Beduetung? Oder muss die Auferstehung als ein psychologisches Phänomen gedeutet werden (er ist für mich/in mir auferstanden)? Wenn ja, dann müssen wir auch über viele "Dogmen" neu nachdenken und vor allem die ökumenischen Implikationen dazu bedenken.
Ansonsten würde ich mir wünschen, das Thema differenzierter zu betrachten - auch wenn es in dieser Form so schön "catchy" ist :-)
Wofür dann überhaupt sterben?
Wenn der Tod Jesu keine höhere Bedeutung hat, wie ich dem Text entnehme,
weil er in keinster Weise Sühnetod ist,
dann frage ich mich wofür Jesus überhaupt am Kreuz gestorben ist?
Todessehnsucht? Lebensmüdigkeit?
Schließlich hätte er ja unbestritten die Möglichkeit gehabt seinen Tod zu verhindern.
Jesus hätte durch seinen Tod niemanden geschützt, niemandem geholfen,
dafür aber zahllose Menschen in tiefe Traurigkeit gestürzt. Wozu das Ganze?
Die Antworten, die mir der Text gibt, sind: Liebe und Vertrauen!
Einen sinnlosen, qualvollen Tod mit Liebe und Vertrauen zu erklären erscheint mir zynisch.
Man sollte schließlich meinen, dass es andere Möglichkeiten gibt dies zu zeigen.
Und wenn es am Ende doch so sein sollte, was tun wir dann noch hier?
Halten wir es doch mit Paulus, der sagt:
„Ich habe Lust abzuscheiden und bei Christus zu sein, was auch viel besser wäre“
Naja, Fakt ist, dass Jesus an einem Kreuz gestorben ist und
dass dieses Kreuz nicht ohne Grund zu einem Symbol christlicher Glaubensüberzeugung geworden ist.
Als solches lässt es sich nicht einfach austauschen, weder durch ein Waschbecken (so schön das mit der Nächstenliebe auch ist),
noch durch "Buddy Jesus", den kumpelhaften Jesus, der dich gern hat.
Das Leben Jesu ohnen seinen Kreuzestod wäre nichts weiter als eine spannende Biographie
einer beeindruckenden Persönlichkeit mit interessanten Denkansätzen.
Wem das reicht, der ist vermutlich mit Gandhi, Mutter Theresa oder Mandela besser bedient,
allein schon, weil die Quellenlage eindeutiger ist.
Mir reicht das nicht und deshalb halte ich es, bis auf Weiteres, mit dem geschätzten Herrn Henkel.
Das Kreuz ist nicht egal! Antwort "Wofür dann überhaupt sterben"
Ich sage mit dem "Waschbecken" auch nicht, dass mir persönlich das Kreuz egal sei. Aber eben auch nicht NUR das Kreuz wichtig und als DAS Ereignis schlechthin, sondern eben GENAUSO das Leben Jesu beleuchtet werden MUSS. Dafür steht meiner Meinung auch das Waschbecken. Der letzte Satz sollte auch nicht wörtlich genommen werden, sondern ist ein Denkanstoß darüber, ob nicht Jesu Leben noch weiter ins Interesse gerückt werden sollte, gerade auch hinsichtlich seiner Todesart.Natürlich hat sein Tod eine Bedeutung, und auch seine Todesart, das habe ich ja auch geschrieben. Es war nicht irgendeine Todesart, sondern die Grausamste, mit der Verbrecher hingerichtet worden sind. Dass man das nicht mit einem Achselzucken hinnimmt, leuchtet ein. Das tut hier aber auch keiner. ich wehre mich einfach gegen die Platte Aussage, dass Gott das so gemacht hat, damit er uns irgendwelche Sünden vergeben KANN. Das heißt nicht, dass Jesu Tod an mir vorüberzieht. Aber genauso wie sein Tod mit der Auferstehung in Zusammenhang gebracht werden muss, muss auch sein Leben mit dem Tod in Zusammenhang gebracht werden. Das habe ich versucht zu erklären. Und ich widerspreche nichteinmal in allem dem Herrn Henkel, sondern seine Gedanken leuchten mir ein und in Vielem stimme ich mit ihm überein. Manch Anderes wollte ich vertiefen, in Anderem widersprechen und wieder Anderes neu aufführen in diesem Zusammenhang. Und ich möchte damit sagen, dass Müller und Fliege keine flachen Theologen sind, sondern sich etwas dabei denken. Und zum Waschbecken: Eventuell hat Müller auch nur dieses Wort gesagt, weil er darauf hinweisen will, dass es auch noch andere zentrale Themen gibt und weil er ein Symbol suchte für diejenige die in allem und überall Symbole brauchen. Nach dem Motto: Dumme Frage, dumme Antwort. Auch dies ist durchaus möglich.