Kirchentag nimmt Stellung

Neue Erkenntnisse - Wie der Kirchentag nach Sichtung der Akten von 1989 bekannt gibt, wurde Herta Müller nicht ausgeladen. Was klingt wie eine Klärung des Streites, macht es in Wahrheit viel komplizierter und undurchsichtiger.

Herta Müllers Kritik am Kirchentag, der sie 1989 auf rumänischen Druck ausgeladen habe, führte zu einigem Widerspruch in den evangelischen Reihen:
Der politisch engagierten Kirchentagsbewegung Duckmäusertum zu unterstellen, ist eine gewagte Anschuldigung.
Der Kirchentag versprach Aufklärung und sichtete die Akten.


Plakat des DEKT in Berlin 1989.

Um zu verstehen, was dabei ans Licht gekommen ist, braucht man Kenntnisse der rumänischen Kirche und Bevölkerung.

In Rumänien lebt eine deutschsprachige Bevölkerung, die sich aus unterschiedlichen Minderheiten zusammensetzt. Herta Müller und ihr damaliger Ehemann Richard Wagner gehören zu den Banater Schwaben.
Zum Podium Rumänien, um das sich der Streit dreht, war nur das Ehepaar Müller/Wagner eingeladen. Die evangelische Kirche in Rumänien erhob dagegen Einwände. Durch die Teilnahme von Müller und Wagner gäbe es eine ungerechte Überrepräsentierung von Banater Schwaben. Der evangelischen Kirche in Rumänien gehören nämlich hauptsächlich Siebenbürgener Sachsen an, die mit ihren Interessen auch vertreten sein wollten.

Auf diesen Einwand hin, bat der Kirchentag Richard Wagner von einer Teilnahme abzusehen, bekräftigte aber ausdrücklich die Einladung an Herta Müller. Diese habe daraufhin allerdings abgesagt und so habe die Veranstaltung ohne die beiden stattgefunden.

Diese Erklärung klingt plausibel und irgendwie passend zum Kirchentag. Bloß keine Interessensgruppe übervorteilen- dafür laden die Organisatoren selbst Podiumsteilnehmer kurzerhand wieder aus. Sie wollen politisch korrekt, aber trotzdem unbequem sein. Weltverbesserer eben! Dieses Bild ist stimmig.

Aber warum meint Herta Müller es nötig zu haben ihre eigene Preisverleihung wegen so einem Vorfall, der immerhin schon zwanzig Jahre her ist stören zu müssen? Welche Motive hatte sie dabei? Und ist es wirklich nur reine Provokation gewesen?

Dafür spricht ein kleines Schmankerl am Schluss- Herta Müller wirkte auf dem Kirchentag 1989 mit, beim "Forum: Flüchtlinge und Einwanderer".