Köhlers Rücktritt hat auch kirchenpolitische Bedeutung

Horst Köhler ist zurückgetreten. Hintergrund sind seine jüngsten Äußerungen zum Afghanistan-Einsatz: Die harte Kritik an seinen Worten lasse den notwendigen Respekt vor seinem Amt vermissen. In den Medien findet er dafür wenig Unterstützung: Von "Fahnenflucht" ist da die Rede. Anderswo schreibt man etwas von einem "beschämenden Abgang". Viele Bürger hingegen, so heute.de, stünden hinter dem scheidenenden Bundespräsidenten und könnten seine Entscheidung nachvollziehen.
Ein Ökumenischer Verlust
Pastor Renke Brahms, Mitautor des Kirchenworts zur deutschen Afghanistan-Politik, bezeichnet in einem Interview auf evangelisch.de, Köhler "als einen überzeugten Christenmenschen" und kommt zu dem Schluss: "Auch ökumenisch ist seine Entscheidung ein echter Verlust." Martin Dutzmann, leitender Militärgeistlicher der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sowie Landessuperintendent der Lippischen Landeskirche in Detmold, schreibt: "Für die evangelische Kirche ist der Bundespräsident mehr als ein verlässlicher Gesprächspartner, er ist zugleich Gemeindemitglied, verständnisvoller Freund und Förderer."
Nachfolgedebatte
Spätestens am 30. Juni muss das Amt des Bundespräsidenten bzw. der Bundespräsidentin dem Grundgesetz zufolge wieder besetzt sein - 30 Tage nach dem Rücktritt von Horst Köhler. Schon kurz nach Köhlers Statement fielen die ersten Namen möglicher Kandidaten. So brachte der neue niedersächsische SPD-Vorsitzende Olaf Lies Margot Käßmann als mögliche Nachfolgerin des zurückgetretenen Bundespräsidenten ins Spiel. "Nun ist es an der Zeit, dass jemand, der die Sorgen und Nöte der Menschen fest im Blick hat, wie zum Beispiel Margot Käßmann, dieses Amt ausfüllt", sagte Lies am Montag in Hannover. Auch im Internet tummelten sich die Meinungen. Auf facebook wurde ebenfalls kräftig Meinungen kund getan. Dort sprudelten Gruppen und Fanseiten wie "Raab zum Bundespräsidenten machen" oder "Käßmann for president" hervor. Von Käßmann selbst gab es dazu kein Statement.
Nach Informationen von tagesschau.de zeichnete sich am Dienstagabend bereits eine Einigung des Kabinetts auf Arbeitsministerin Ursula von der Leyen ab, die von Kanzlerin Angela Merkel präferiert wird. Allerdings muss das FDP-Präsidium dem Vorschlag noch zustimmen, das im Laufe des Abends tagt. Die FDP tendiert demnach bislang zu Finanzminister Wolfgang Schäuble.

Das wird spannend...
30 Tage Zeit sind ganz schön wenig für so eine schwierige Entscheidung.
Allerdings muss ich sagen, dass allein die Tatsache, dass Margot Käßmann vorgeschlagen ist, mir ein breites Grinsen auf das Gesicht setzt...Herrlich. So schnell ändert sich die politische Gemengelage.
Was sind das bitte für Präferenzen der Regierung?
Ich dachte immer, der Bundespräsident soll das Land repräsentieren - und als Vorbild, nach innen wie nach außen, dienen. Wie kann man da Ursula von der Leyen vorschlagen, die sich einen Dreck um die Bürger und demokratische Prinzipien schert? Wer nicht weiß, was ich meine, der lese zum Beispiel diesen Beitrag. Zu Herrn Schäuble brauch ich glaube ich auch nicht viel zu sagen, nur vielleicht soviel: Im Jahr 2006 habe ich mich im Urlaub mit einem Kroaten unterhalten, der in den 80ern in Deutschland gearbeitet hatte. Er fragte mich, ob es denn den Schäuble noch gäbe, und als ich ihm erzählte, dass er Innenminister sei, sagte er: Oh nein, das ist nicht gut für Deutschland.
Margot Käßmann halte ich - bei allem Respekt - ebenfalls für keinen ernstzunehmenden Vorschlag, da sie ja selbst ihr letztes öffentliche Amt niedergelegt hat, weil sie "[...] nicht mit der notwendigen Autorität im Amt bleiben [...]" konnte.
Ich persönlich würde im Moment Norbert Lammert präferieren, da er gezeigt hat, dass seine eigene Meinung nicht einem falschen Fraktionszwang opfert, sondern dazu steht.
Leider, leider
Ich finde auch allein den Gedanken, dass sie vorgeschlagen wird, und in allen Umfragen führt sehr interessant, es sagt was über Deutschland und über sie.
http://www.stern.de/politik/deutschland/wahl-des-bundespraesidenten-sehnsucht-nach-margot-kaessmann-1571052.html
Hat sich ja jetzt
eh zerschlagen.
Der gute Herr Wulff wirds... Tja- so kanns gehen.
Schwierige Wahl
Ich denke nicht, dass die Sache mit Wulff völlig klar ist. Mit Joachim Gauck haben SPD und Grüne einen hervorragenden Gegenkandidaten aufgestellt, der viel Beachtung über alle politischen Lager hinweg findet. Schade ist nur, dass die Linke sich diesem Gegenvorschlag nicht angeschlossen hat... Und für die Kirche würde das bedeuten: zwar keine Bischöfin, aber einen ehemaligen Pfarrer im höhsten Staatsamt ;-)
Klar ist in diesem Moment nur: die Bundesversammlung am 30. Juni wird sehr spannend werden!