Käßmann: Moscheen sind Teil unserer Wirklichkeit

Religionsfreiheit - Der vor wenigen Wochen gewählte Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat sich am heutigen Donnerstag in der Französischen Friedrichstadtkirche am Gendarmenmarkt zu Berlin offiziell der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischöfin Margot Käßmann, stellte in ihrer Rede zum Fest vor Gästen aus Politik und Gesellschaft die Religionsfreiheit in den Mittelpunkt. Sie erinnerte unter anderem an verfolgte Christen in anderen Ländern. Aus diesem Grund kündigte sie einen "Tag für verfolgte Christen" im nächsten Jahr an.

Auf Initiative einiger rechtsnationaler Politiker gab es am vergangenen Sonntag eine Volksamstimmung in der Schweiz. Dabei hatten 57,5 Prozent der Schweizer für ein Bauverbot für Minarette in der Verfassung gestimmt. Käßmann betonte, dass es einen offenen Dialog brauche, in dem die Ängste vor dem Islam ernst genommen werden. Zugleich müsse deutlich sein, dass das Recht einer freien Religionsausübung für alle gelte. "Moschen sind Teil unserer Wirklichkeit.", sagte sie.

Käßmann erinnerte aber auch Menschen, die als Anhänger religiöser Minderheiten auch heute unter massiver Bedrängnis ständen. Sie hob hervor, dass die weltweit am stärksten verfolgte Religionsgruppe die Christen seien. „In Deutschland ist uns das oft nicht bewusst. Aber wer Christen in Indien besucht oder in Indonesien, wer Berichte hört von der Lage in Pakistan oder dem Irak, dem wird bewusst, wie hoch das Gut der Freiheit in unserem Land ist.“ Die Ratsvorsitzende kündigte an, dass im kommenden Jahr 2010 am Sonntag Reminiszere (28. Februar) die Gliedkirchen der EKD erstmals einen „Tag der verfolgten Christen“ begehen werden.

Außerdem würdigte Margot Käßmann ausdrücklich die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes in Sachen Sonntagsschutz vom vergangenen Dienstag: „Der 1. Dezember war ein guter Tag“, so die Ratsvorsitzende. Der berühmte Satz des Philosophen Descartes „Ich denke, also bin ich“ der die Aufklärung einleitete, lasse sich nicht umfunktionieren in den Satz: „Ich konsumiere, also bin ich.“ Das Urteil, so Käßmann, bestärke die Kirchen darin, den Sonntag „offensiv als Tag der Arbeitsruhe, der Besinnung und des Gottesdienstes zu bewahren“. Sie hoffe, dass die Länderparlamente dieser „Wegweisung des Bundesverfassungsgerichts bei künftigen Entscheidungen beherzt folgen werden“.

Unterstzüung bekam Käßmann in Sachen Ladenschluss von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die in ihrer Rede das Urteil des Bundesverfassungsgerichts ebenfals positiv würdigte. Der Sonntagsschutz verweise auf die langen Linien und Traditionen, "aus denen wir Kraft schöpfen", so Merkel.