"Ihnen stehen alle Türen offen" - SETh und EKD im Dialog

SETh Vollversammlung - Am zweiten Tag der Tagung besuchte Oberkirchenrat Joachim Ochel, Referent für theologische und kirchliche Ausbildungen sowie Hochschulfragen, die Delegierten in Halle (Saale) und beantwortete Fragen zu den Themen Modularisierung, Personalpolitik der EKD und zu der Stellungnahme des Wissenschaftsrats.

"Ihnen stehen alle Türen offen. Die Aussichten sind glänzend für die derzeitigen Studierenden" - Diese mutmachenden Aussagen standen am Ende der Diskussion zwischen OKR Ochel und den Delegierten des SETh. Dies führte erwartungsgemäß zu strahlenden, wenn auch leicht ungläubigen Gesichtern. Zweiflern an den rosigen Aussichten hielt Ochel Zahlen entgegen, die demographischen Wandel, Kirchenaustritte und Fusionen einzelner Kirchengemeinden schon mit eingerechnet hatten. Demnach braucht die Kirche pro Jahr 350 Absolventen. Wenn man das mit 420 Einschreibungen für das kirchliche Examen pro Jahr vergleicht, sieht es in der Tat sehr gut aus für die angehenden Pfarrer.

Wie halten wir's mit der Modularisierung?

Das Thema Modularisierung des Pfarramtsstudiengangs beschäftigt den SETh schon eine ganze Weile. Das Meinungsspektrum reichte in der Vergangenheit von der Aktion "Mobilisierung gegen Modularisierung" bis hin zu der Ansicht, dass es eine einheitliche Rahmenstudienordnung geben müsse, um Unübersichtlichkeit zu vermeiden. Mittlerweile ist die Modularisierung auf vielen Ebenen beschlossene Sache und vielerorts bereits sogar umgesetzt. Die EKD steht der Reform, wie sie sich im Bereich der Theologie entwickelt hat, insgesamt positiv gegenüber.

Gegenüber der Kultusministerkonferenz vertreten die Kirchen die Position, auf Modulabschlussprüfungen zu verzichten, auch wenn sie damit viele Landeshochschulgesetze schlicht ignorieren. Stattdessen sollen die Zwischenprüfung und das Examen am Ende des Studiums beibehalten werden, um eine doppelte Prüfungsbelastung und ein Dauerprüfungsgeschehen zu verhindern. Dies ermögliche ein Studium, das Freude bereite und fähige Pfarrer hervorbringe, denn es gebe "nichts Langweiligeres, als PfarrerInnen, die nach dem Vikariat mit der Theologie gebrochen haben".

Den Bedenken der Delegierten, dass durch unterschiedliche Prüfungsordnungen ein Wechsel des Studienortes erschwert würde, entgegnete Ochel, es sei realistisch, sich an "Wechselphasen" zu gewöhnen, nämlich nach der Zwischenprüfung und nach dem Hauptstudium. Allerdings gebe es auch eine bereits beschlossene Ordnung, die das Wechseln zu anderen Zeiten ermögliche. Im Vergleich zu anderen Studiengängen seien die Bedingungen zu wechseln im Theologiestudium immer noch besonders gut. OKR Ochel sieht insgesamt also viele Chancen im Prozess der Modularisierung, da mehr Struktur im Studium allen Studierenden zugute komme. Wer sich nämlich schon im Grundstudium wirkliches Grundwissen angeeignet habe, erspare sich im Examen viel Lernaufwand.

Und wie gehts weiter in der Personalpolitik?

Freudige Gesichter gab es auch beim Thema "Öffnung der landeskirchlichen Listen". Von Seiten der EKD wird vorangetrieben, die landeskirchlichen Strukturen weiter zu öffnen und durchlässiger zu gestalten. Allerdings gilt: "Alles kann, nichts muss". Es bleibt also dabei, dass die Landeskirchen die Entscheidung, wen sie auf ihre Liste setzen, weiterhin selbst treffen können. Trotzdem zeichne sich ab, dass man über kurz oder lang nicht mehr mit seiner Landeskirche "verheiratet" sei und es in Zukunft leichter werde, die Landeskirche noch zu wechseln.
Wichtig für alle Studierenden sei außerdem, sich rechtzeitig zu informieren, wie die Personalpolitik der einzelnen Landeskirchen aussieht, um sich dann direkt an die Ausbildungsreferenten zu wenden.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Haltung der EKD zu den sogenannten Eignungstests und Assessmentcentern, die es in einigen Landeskirchen mittlerweile gibt. Es sei nicht die Aufgabe der Landeskirchen den Studenten möglichst früh eine Eignung, bzw. Nichteignung zu attestieren. Vielmehr müsse die Mündigkeit und Eigenverantwortlichkeit der Studenten gestärkt werden.