Herta Müller prangert an oder Wenn’s um die Wurst geht!


Vorwurf gegen Kirchentag - Wir haben uns alle mit ihr gefreut! Völlig überraschend wird Herta Müller, der rumänisch-deutschen Schriftstellerin in diesem Jahr der Literaturnobelpreis verliehen. In ihren Büchern, in denen sie „die Verstummten zum Wort zu erweckt“, wie es Ilja Trojanow so schön beschrieben hat, schreibt sie über die Erlebnisse der Vertriebenen während des 2.Weltkrieges und leistet damit einen ungeheuren Beitrag zur Aufarbeitung dieser schrecklichen Erfahrungen.

Das sah auch die Stiftung Zentrum gegen Vertreibungen so und verlieh ihr den Franz-Werfel-Menschenrechtspreis.
Herta Müller bedankte sich mit einer Rede und einer Lesung aus ihrem Buch. In diese Dankesrede ließ sie Kritik an der EKD bzw. am deutschen evangelischen  Kirchentag 1989 (DEKT) einfließen.


Bild: Dontworry / de.wikipedia.org

Sie bezieht sich in ihrer Rede auf die Abschrift eines Telefonats, die ihr von Unbekannten zugespielt worden sei. Diese enthalte ein Gespräch zwischen dem evangelischen Bischof in Rumänien, Albert Klein (1910-1990), und dem schaumburg-lippischen Bischof Joachim Heubach.
Aus diesem Gespräch soll hervorgehen, dass Herta Müller gemeinsam mit ihrem damaligen Ehemann auf Drängen der evangelischen Kirche Rumäniens vom Kirchentag 1989 ausgeladen wurde.
Die rumänische Kirche habe die Einladung als eine "Einmischung in die inneren Angelegenheiten Rumäniens" bezeichnet, die zu schweren Belastungen zwischen den beiden Kirchen führen würde, wenn nicht gar zu einem Abbruch der Zusammenarbeit. Daraufhin hätte sich die EKD dem Druck gebeugt und Herta Müller ausgeladen, mit der fadenscheinigen Begründung sie seien katholisch und nicht evangelisch.

Inzwischen hat sich die EKD zu den Vorwürfen geäußert- man müsse die Vorwürfe prüfen, heißt es aus Hannover.
Für Menschen die mit den Strukturen innerhalb der evangelischen Kirche ein wenig vertraut sind, stellt sich natürlich die Frage, warum die EKD sich zu diesen Fragen äußern soll und nicht der Trägerverein des Kirchentags aus dem Jahr 1989.
Wie dem auch sei, die EKD ermittelt und einige Kirchentagsorganisatoren melden sich zu Wort.
Es sei sehr unwahrscheinlich, dass Herta Müller ausgeladen worden sei, denn der DEKT habe sich schon immer gegen äußere Einflüsse gewehrt. Außerdem sei der Kirchentag 1989 sehr politisch und unbequem gewesen.
Andere Stimmen sagen, es sei heutzutage nicht mehr zu ermitteln, wie der Vorgang genau gewesen sei- einige behaupten sogar sie könnten sich nicht mehr erinnern.

Ein wenig unbehaglich wird einem schon, wenn man die Stellungnahmen liest und darin von rumänischen Geheimdiensten die Rede ist. Das kann doch gar nicht alles so koscher sein. Es bleibt abzuwarten, was die EKD bei der Prüfung der Ergebnisse herausfindet-
Wir bleiben am Thema dran. 

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