Hauptsache bequem


Sie fordern mehr Demokratie in der Universität, bessere Studienbedingungen und eine Überarbeitung der Bachelor und Master Studiengänge. Doch es braucht mehr als ein paar linke Aktivisten. Ein Kommentar.

Dass Lehrpläne zu dicht gepackt sind und die Umsetzung der in Bologna vereinbarten Standards dilettantisch ist, dem widersprechen mittlerweile nicht einmal mehr Hochschulleitungen und Bildungspolitiker. Die Hochschulen beklagen ihre Unterfinanzierung, weil das Thema Bildung von vielen Kabinetten nach wie vor stiefmütterlich behandelt würde. Die Politik schiebt den schwarzen Peter zurück: Wer hat denn diese phantasielosen und hochgradig verschulten Studiengänge eingerichtet, die jetzt beklagt werden? Doch die Fakultätskommissionen selbst, nicht die Ministerien. Schuld hat jeder und keiner, das ist bequem. 

Im Sommer zogen deshalb zu Recht Zehntausende auf die Straße. Der Ärger darüber, dass die Probleme, wenn überhaupt, erst dann gelöst sein werden, wenn die meisten von ihnen die Hochschule schon beendet haben, ist groß. Doch der Protest im Juni war erfolgreich. Niemand leugnet die Probleme mehr. Jetzt wäre es nötig, dass Studierende und Professoren gemeinsam weitere Schritte machen, um die Reform des deutschen Hochschulsystems noch zu retten.Der Protest geht aber weiter - zumindest mit einigen wenigen, die mit spektakulären Besetzungen von Hörsälen und anderen Universitätsräumen eine große Welle in Gang setzten wollen. Einige scheinen an einem weiterkommen gar nicht interessiert und baden in Fundamentalkritik. Auch das ist bequem.


Nur wenige folgen dem Aufruf zum Protest.


Die Mehrheit der Studierenden steht, da braucht man sich nichts vor machen, nicht hinter hinter den Aktionen der Aktivisten, die als Hobbyrevolutionäre mehr abschrecken als begeistern. In Mainz haben Studierende einen Raum in der alten Mensa besetzt. Als die Presse kam mussten erst Leute fürs Foto herangeschafft werden: Nur zwei Besetzer waren gerade da. Viele gehen auf Distanz anstatt gemeinsam nach für alle tragbaren Protestformen zu suchen. Viele haben sich mit den Problemen arrangiert und wollen in Ruhe studieren - auch das ist schließlich bequemer so.


Für ein Weiterkommen, müssen die Hochschulen deutlich machen, dass auch kurzfristig Veränderungen möglich sind. Hier und jetzt und nicht erst für die kommende Generation von HochschulabsolventInnen.Die Masse der Studierenden muss darüber hinaus selbstbewusster werden und braucht sich nicht bevormunden zu lassen, weder von radikalen BesetzerInnen, für die Protest ein Lebenskonzept ist, noch von Studienordnungen, in denen der Stoff von vier Jahren in drei Jahre gepresst wurde, weil viele deutsche Hochschulproffessoren der Meinung waren, dass das deutsche Abitur doch mindestens so anspruchsvoll sei, wie ein amerikanisches College.  

Mehr Informationen

Homepage des Bildungsstreiks
Auftakt zum "heißen Herbst"
Studenten protestieren friedlich weiter
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