Funktioniert Bildung ohne Religionsunterricht?

Podiusmdiskussion - Auf der diesjährigen Bildungsmesse Didacta in Köln waren auch die evangelische und katholische Kirche vertreten. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion unter dem Titel „Religion bildet- Kompetenzen entwickeln, Glauben entdecken, Dialog fördern“, zu dem die Kirchen eingeladen hatten, diskutierten am vergangenen Donnerstag der Präsident des Kirchenamtes der EKD Dr. Hermann Barth, der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker, der Professor für allgemeine und historische Erziehungswissenschaft Dr. Volker Ladenthin und die Präsidentin des nordrheinwestfälischen Landtags Regina van Dinther.


Foto: Inja Hagen / Tim Wendorff  -  v.l.: Ladenthin, van Dinther, Becker, Moderatorin, Barth

So sprach die Prominenz aus Bildungswesen, Politik und Kirche über Fragen wie „Was tun, wenn die Kompetenz der Lehrenden, nämlich die Glaubwürdigkeit erschüttert ist?“, „Wieso ist jeder zweite Schüler nicht ausbildungsbereit?“, „Wie will die Kirche sich in Bildung einbringen?“ und „ Funktioniert Bildung ohne Reigionsunterricht?“  Die Moderation übernahm Gisela Steinhauer vom WDR2.

„Ohne Glaubwürdigkeit gibt es kein Erreichen bei den Kindern“, erklärte Erzbischof Becker. Ohne Glaubwürdigkeit und Ehrlichkeit solle gleich der Mund gehalten werden. Eine Lehre auf sachlicher, jedoch nicht versachlichten Ebene sei die Devise. So auch EKD Kircheamtspräsident Barth, der darüber hinaus anmerkte, dass gerade der Sexualunterricht kein Erfolgskapitel sei. Die Gesellschaft müsse eine liebevolle Sprache in Bezug auf die Sexualität, eine Gabe Gottes, finden: „Keine Gossensprache und keine hoch wissenschaftliche Sprache.“

Ladenthin erklärte, dass sich nicht nur die Sprache der Kinder in den letzten Jahren geändert habe. In den 50er Jahren wollten die Schüler heraus aus den damaligen Verhältnissen. Das Lernen und Aneignen von Wissen hätte für die Schüler einen schlüssigen Sinn gemacht. Heute sei für die meisten nicht mehr klar wozu sie ein bestimmtes Fach lernen müssten. Außerdem wäre ein kognitiver Druck erkennbar: „Alle hören dauernd was sie nicht können“. Dadurch ließe sich die hohe Rate an nicht ausbildungsbereiten Schülern erklären. Ladenthin fordert „mehr Autonomie für Lehrer“, damit „die Trainingsanstalten“ wieder zu Schulen würden und Reaktionen wie Amokläufe wieder ausblieben.

Die Landtagspräsidentin und Mutter van Dinther sieht den Lösungsansatz in der Familie. Die Kinder sollten genommen werden wie sie sind. Die Welt und ihre Chancen seien bunt. Spürten die Kinder die bedingungslose Liebe seitens der Eltern, so bliebe auch die Angst vor Schule und vor Lehrern aus. Desweiteren machten schlechte Erfahrungen mit Lehrern für das Leben stark.

Barth hingegen plädierte für Religionsunterricht sowie evangelische bzw. katholische Schulen. Diese hätten einen „besonderen Weg“ und seien Vorbild. Die Schule solle Lernfeld für ein respektvolles und achtungsvolles Miteinander sein, in dem angemessenes Reden über gegebene Konfliktfelder möglich ist. Der Religionsunterricht solle den Schülern diese Werte vermitteln.
Becker verweist auf den Bedarf entsprechender Hilfe für Religionslehrende an Schulen, die oft bei Lebenssinnfragen überfordert seien. Die Kirche solle dafür bereitstehen und Stütze sein.

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