Festakt in Leipzig: Köhler fordert mehr Geld für Universitäten

Universitätsjubiläum - Auf 600 Jahre Lehre, Forschung und Studium blickte die Festgemeinde an der Universität Leipzig am Mittwoch in einem Festakt mit Bundespräsident Horst Köhler zurück. Konzerte, eine Ausstellung und ein Lesenachmittag sind darüber hinaus Teil eines ganzen Festprogramms. Neben Persönlichkeiten wie Goethe, Lessing und Nietzsche, die an der Leipziger alma mater studierten, schloss auch Bundeskanzlerin Angela Merkel ihr Physikstudium in Leipzig ab. Gegenwärtig studieren rund 29 000 Studenten in 96 Studiengängen an den 150 Instituten der Universität.

Bildquelle: Pressestelle der Universität Leipzig

Beim Festakt, zu dem 800 Gäste in das noch im Bau befindliche Paulinum kamen, reagierte Bundespräsident Horst Köhler auch auf die Studierendenproteste der vergangenen Wochen: "Das deutsche Hochschulsystem befindet sich im Umbau. Die Notwendigkeit dieses Umbaus ist unbestritten: zu lange Studienzeiten, zu viele Abbrecher, zu schlechte Studienbedingungen, zu wenig Unterstützungsangebote, zu wenig Chancengerechtigkeit." Weiterhin kritisierte er: "Deutschlands Aufwendungen für den Hochschulbereich sind seit Jahren unterdurchschnittlich"

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich unterstrich sein "Nein" zu Studiengebühren und einem offenen Zugang zu Bildung: "Studiengebühren gibt es deshalb in Sachsen nicht - und wird es auch in Zukunft nicht geben." Die Hochschulen seien jedoch aufgerufen, Bachelor und Master weiter zu optimieren. Die Politik wolle und dürfe hierbei den Fakultäten nicht hineinreden.

Der Sprecher des StudentInnenRates, Simon Schultz von Dratzig beklagte, dass die Universität im Jubiläumsjahr die Chance einer kritischen Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte vor allem zu Zeiten der NS-Diktatur und während der DDR versäumt habe. "Es ist betrüblich, dass die Möglichkeiten zur Schaffung einer reflektierenden Erinnerungskultur, die ein Jubiläum und die schon vorhandenen akademische Aufarbeitung bieten, ausgeschlagen werden", so der StuRa-Sprecher. "Viel wichtiger wäre, erst recht unter einem wissenschaftlichen Anspruch, eine kritische und vor allem öffentliche Aufarbeitung aller Geschehnisse des vergangenen Säkulums und vor allem der eigenen Involvierung in Taten und Untaten."

Bereits vor einigen Wochen feierten die Studierenden 20 Jahre StudentInnenrat an der Universität Leipzig. Gegründet wurde der StuRa am 9. November 1989.