Ethikrat plädiert für Abschaffung der Babyklappen


Babyklappen - Bundesweit gibt es derzeit knapp 80 Babyklappen, 130 Krankenhäuser bieten die anonyme Geburt an. Dies sind Einrichtungen für Mütter, die in Notlagen stecken und keinen Ausweg wissen – Mütter, denen aber auch der Mut fehlt in eine öffentliche Hilfseinrichtung zu gehen und um Hilfe zu bitten. Vielleicht, weil sie sich generell mit einem so kleinen, hilfslosen und doch sehr anspruchsvollen Menschen überfordert fühlen. 

Nun hat sich der Deutsche Ethikrat vergangenen Donnerstag in Berlin für die Abschaffung dieser Einrichtungen ausgesprochen, sie „sind ethisch und rechtlich problematisch“. Jeder Mensch habe ein Recht darauf, seine Wurzeln zu kennen. Schätzungen zu Folge sind seit der Einführung dieser Angebote 1999 knapp 500 Kinder auf diesem Weg zur Welt gekommen und deren Herkunft damit dauerhaft unbekannt.

Der Rat schlug vor, die bestehenden legalen Hilfsangebote mehr in die Gedächtnisse der Schwangeren und Mütter zu bringen, über sie zu informieren und das Vertrauen in sie zu stärken. Als Zwischenlösung könne man sich vorstellen, per Gesetz eine vertrauliche Kindesabgabe mit vorübergehender anonymer Meldung zu ermöglichen – allerdings sollten die Kinder nach spätestens einem Jahr unter dem Namen der leiblichen Mutter gemeldet sein.

EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann, die auch Schirmherrin des Netzwerk Mirjam ist, ein Projekt, welches schwangeren Frauen, Müttern und Familien in besonderen Notlagen, niedrigschwellig und unbürokratisch Hilfe und Unterstützung anbietet, sprach sich gegen eine Abschaffung der Babyklappen aus. „Die Erfahrung zeigt, dass beim Wegfall dieser Möglichkeiten, ein Kreis nicht erreichbarer Hilfebedürftiger verbleibt“, so Käßmann. 

Auch der neue Präsident des Zentralkomitees deutscher Katholiken Alois Glück sprach sich gegen die Abschaffung der Einrichtungen zur anonymen Geburt aus. Die Einrichtungen „helfen, das Leben von Kindern zu retten, bieten Frauen einen sicheren Rahmen und einen geschützten Raum für die Entbindung. In vielen Fällen tragen sie dazu bei, dass die Mütter sich nach der Geburt für ein Leben mit ihrem Kind entscheiden. […] Auf diese Möglichkeit können wir um der Frauen und ihrer Kinder willen nicht verzichten.“