Eine neue Theologie im letzten Atemzug?

Kreuzestheologie - Zu einem Gastvortrag kam Klaus Peter Jörns am Mittwoch, dem 20. Januar 2010 an die kirchliche Hochschule nach Wuppertal. Prof. Dr. (em.) Bertold Klappert hatte im Rahmen seiner Vorlesung „Theologie des Kreuzes“ Jörns eingeladen.

Heute gilt es früh im Hörsaal 1 zu sein, denn es hängen auch noch Plakate für die ohnehin schon voll besetzte Vorlesung aus. Dann der Schock: im Audimax stehen nur drei Tischreihen und die sind bei meinem Eintreffen schon mehrheitlich von den Seniorstudierenden besetzt. Kein Platz mehr frei. Mist! Zum Glück setzt sich der AStA ein und spricht den Rektor auf das Problem an. Der fordert die Senis dann dazu auf, für die Studierenden, die es nötiger haben mitzuschreiben, die Plätze an den Tischen frei zu machen. „Wir wollen auch mitschreiben!“ motzt es zurück und nur sehr wenige Senioren räumen tatsächlich das Feld. Aber ich habe nun einen Platz und es geht los.

Leben oder Tod?

Die Deutung der Hinrichtung Jesu als Sühneopfer solle verabschiedet werden, so Jörns; er könne aber nachvollziehen, dass es schwierig ist von Dogmen Abschied zu nehmen, von denen man sein ganzes Leben begleitet wurde und die auch liturgisch immer prägend waren.

Die Bibel könne nicht mehr nur aus der Bibel ausgelegt werden, sondern müsse auch mit dem ausgelegt werden, was für unsere Kultur prägend ist. Jörns orientiert sich an der Wahrnehmung. Jesu Leben selber war Botschaft und spricht für sich, oftmals würde aber nur von seinem Tod und seiner Auferstehung gesprochen. Interpretation des Todes Jesu habe die Verkündigung Jesu auf den Kopf gestellt.

Botschaft des Lebens Jesu als Lebensgabe Gottes

Vergebung zwischen Menschen ist die Grundstruktur des Reiches Gottes (vgl. Vaterunser). Die unbedingte Liebe Gottes zeige sich in der Vergebung, sagt Klaus Peter Jörns. Auslegung des Todes Jesu als Sühneopfer mache die Verkündigung Jesu kaputt. Die Sünde der Welt sei die Ablehnung Christi. Der Gedanke der Sühne passe nicht zu dem Mahl, wie Jesus sie mit den Jüngern gefeiert habe. Sie galt als Feier der Lebensgaben Gottes. Die Tradition des Blutes passe nicht zur Verkündigung Jesu, so Jörns, denn Jesus habe die Vergebung schon lange vor seinem Tod in das Alltagsleben eingebunden.

Kritische Rückfragen

In der anschließenden Diskussion wurde Jörns' Hermeneutik kritisiert und infrage gestellt, da sie sich mit dem sola scriptura beißt. Weil der paulinische Korpus mit seiner Zentrierung auf Tod und Auferstehung falsche Akzente setzt, sind die paulinischen Briefe für die Theologie von Jörns nicht elementar wichtig. Was ist aber dann mit der Rechtfertigungslehre? Antwort Jörns: Die Rechtfertigungslehre basiert auf Gnade, wer Liebe hat, braucht keine Gnade mehr, weil Gnade nicht an die Liebe heranreicht. Aus dem Ausschluss der Stellen, in denen das Blut des Bundes zur Sprache kommt, aus den Einsetzungsworten des Abendmahls folge, dass Jesus keine Bundestheologie habe und diese erst später hinzugefügt wurde. „Warum sollte Jesus praktisch in seinem letzten Atemzug eine neue Theologie entfalten wollen, vorher hat er auch nicht darüber gesprochen.“, so Jörns wörtlich.

Live und in Farbe

„Es war wirklich ein gutes Erlebnis Klaus Peter Jörns einmal live und in Farbe zu sehen und zu hören, nachdem ich schon so viel (meist kritisches) über ihn gehört hatte.“, kommentierte eine Studentin nach der Veranstaltung Jörns Gastbvortrag, „Er stellt die richtigen Fragen, aber zieht daraus die falsche Konsequenzen.“ Insgesamt zeigte sich Jörns als guter Redner in der Sache. Auf die kritischen Fragen der Diskussion hingegen antwortete er oft ausweichend. „Das war Schade, denn ich glaube es hätte größere Früchte für alle Anwesenden gebracht, wenn er auch in der Diskussion klar Stellung bezogen hätte.“, kommentierte eine Hörerin die Veranstaltung.