Die Reform der Reform
In einer gemeinsamen Erklärung riefen Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und Kultusministerkonferenz (KMK) die Studierenden auf, ihre Proteste zu beenden. Die beschlossenen Änderungen entsprächen den Forderungen vieler Studierender und gewähren die Sicherstellung von Qualität und "Studierbarkeit" der neuen Studiengänge. Die Arbeitsbelastung der Studierenden solle auf "realistisches und vertretbares Maß" reduziert werden. Die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Margret Wintermantel, bekräftigte ihr Angebot zum Dialog mit den Studierenden. "Wir brauchen auch die Erfahrungen der Studenten", sagte sie.
Konkret spricht man nun von einer 32- bis 39-Stunden-Woche einschließlich aller Vorlesungen, Seminaren, Übungen, Praktika und Zeit zru Vor- und Nachbereitung der Veranstaltung, sowie Hausarbeiten und Prüfungsvorbereitungen - bei 46 Studienwochen pro Jahr und sechs Wochen Erholungsurlaub. Auch sollen nach den Vorstellungen der Kultusminister mehr Bachelor-Studiengänge als bisher statt sechs Semester nun auch sieben oder acht Semester dauern.
Die Absenkung der Belastung durch Prüfungen soll durch eine Reduzierung auf eine Prüfungsleistung pro Modul gewährleistet werden. Zudem solle die nationale und internationale Anerkennung von Prüfungen erleichtert werden, um die Mobilität der Studenten zu garantieren. Beide Ideen entsprechen den bereits im Bologna-Prozess beschlossenen Eckdaten, sind aber bisher in Deutschland nur mangelhaft umgesetzt worden.
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat das Einlenken der Kultusminister bei den umstrittenen Bachelor-Studiengängen begrüßt. Nun komme es aber auch darauf an, allen Studierenden den freien Zugang zum weiterführenden Masterstudium zu sichern, sagte GEW-Vorstandsmitglied Andreas Keller. Weder eine Quote noch die Note dürften den Zugang zum Masterstudium beschränken, forderte Keller.
Ohne die massiven Studentenproteste der vergangenen Wochen – so räumt mancher Hochschulrektor und Kultusminister ein – wäre kaum so schnell Bewegung in das System der gegenseitigen Schuldzuweisungen gekommen. In fast allen Bundesländern haben Hochschulen und Ministerien inzwischen Arbeitsgruppen eingesetzt, die zum Teil mit studentischer Beteiligung die Probleme jetzt überprüfen sollen. Als erstes Bundesland hat Rheinland-Pfalz zugleich zusätzliche Mittel für Tutorenprogramme und bessere Betreuung zur Verfügung gestellt. Auch im Bundesbildungsministerium wird an neuen Unterstützungsprogrammen gebastelt.
