Der Methusalemkomplex - Oder: Er glaubte, dem Tod ein Schnippchen zu schlagen.
Nur 4% der religiösen Studienteilnehmer starben früher als die Ungläubigen - wenn man an Missionare, Selbstmordattentäter und die schießwütigen Bibel-Amis des Mittleren Westens denkt, eine eher verwunderliche Zahl. Die restlichen 15% konnten aus ihrem Glauben keinen nennenswerten Alters-Vorteil erzielen, durften sich aber, wie auch alle anderen Glaubensanhänger, über mehr Zufriedenheit, Wohlbefinden und Gesundheit und weniger Depressionen, Einsamkeit oder Selbsttötungsabsichten freuen.
Der Glaube, ein medizinisches Erfolgskonzept?
Schon die Verfasser der altestamentlichen Priesterschrift scheinen dies erkannt zu haben. Sie machten die Auswirkungen der menschlichen Sündhaftigkeit am kontinuierlichen Sinken des Lebensalters fest. Demnach muss Methusalem es wohl relativ gut getroffen haben. Der Altersprimus der Bibel scheint mit 969 Jahren der unerreichte Spitzenreiter in Sachen Religiosität zu sein. Wie man sich den hypergläubigen Großvater Noahs vorzustellen hat, ist allerdings fraglich. Es bleibt zu vermuten, dass er eine Vorliebe für Rotwein hatte, die sein Enkel bekanntlich erben sollte. Eine Vorliebe, die ihn bis ins hohe Alter vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen sollte, wie Mediziner es heute noch empfehlen. Aber ich schweife ab.
Einmal Glaube, bitte!
Glaube auf Rezept wird es in Zukunft nämlich, anders als Rotwein (bilde ich mir zumindest ein), vermutlich nicht geben. Zwar wies die, sich für die Studie verantwortlich zeichnende CMF (Christian Medical Fellowship) Forderungen säkularer Kollegen, Religion und Glaube seien aus der Medizin fernzuhalten, entschieden zurück. Die gläubigen Ärzte befürchten aber, dass verschriebener Glaube als Zwang missverstanden werden könnte (was für ein abwegiger Gedanke).
Fazit
So bleibt es nun also dabei. Die Kinder des Glaubens leben lange und unversehrt, die Heiden aber vergehen recht zeitig. Wohl denen aber, die die spöttischen Worte Juvenals im Kopf behalten und nicht nur auf körperliches Wohl setzen: "Orandum est, ut sit mens sana in corpore sano" ("Beten sollte man, dass sei, ein gesunder Geist in einem gesunden Körper."). Denn: Mit Dummheit gepaarte Religiosität, da sei der HERR vor.
