Den Juden ein Ärgernis, den Heiden eine Torheit...
Mehr Infos
Mit seinen Morgenandachten sorgte Burkhard Müller 2009 für Furore, als er darin äußerte, dass man heute nicht mehr an den Sühnetod glauben müsse. Diese These wurde danach breit diskutiert. Der Konventssprecher der rheinischen Theologiestudierenden, Steve Henkel, beteiligte sich an der Diskussion. Aus einem losen "man müsste doch mal..." enstand dieser Diskussionsabend im Adolf- Clarenbach Haus. Dr. Meyer- Blanck, Professor für Praktikische Theologie an der Uni Bonn, führte durch den Abend, der mit einem Impulsreferat von Tobias Wieczorek zum biblischen Befund startete.
So wurde zunächst der kultische Ursprung des Redens vom Opfer und von der Sühne dargelegt. Nach dem Kreuzestod Jesu wurde nun nach Deutungen gesucht, um den Tatbestand des Heilsereignisses in Worte fassen zu können. Dazu bediente man sich der Kultmetaphorik neben anderen Bildern. Tobias Wieczorek votierte dafür, das Reden von Christus als Sühnopfer heute nicht deshalb aufzugeben, weil es möglicherweise anstößig sein könnte. Unsere Aufgabe sei es, die heute fremden Metaphern zu übersetzen und als ein zentrales Bild im NT zu würdigen.
Burkhard Müller antwortete darauf mit seiner Interpretation: Den Sühnetod gebe es in der Bibel gar nicht, er habe das nie dort gefunden. Dass Gott durch die Sünde in seiner Ehre verletzt und nun versöhnt werden müsse, habe Anselm von Canterbury sich ausgedacht. Einen biblischen Hintergrund gebe es dafür nach Ansicht Müllers nicht. Nachdem er dies dann in seinen Morgenandachten geäußert hatte, erfuhr Müller nach eigenen Angaben große positive Resonanz auch von anderen Theologen - und natürlich auch viele Gegenstimmen. Müller wertet die herangezogenen Bibelstellen seiner Gegner ab, beruft sich auf Übersetzungen der Einheitsübersetzung und der Bibel in gerechter Sprache. "Die Zürcher macht es falsch!", so Müller wörtlich. Gott sei vor allem Liebe und man könne der Gemeinde deshalb auch nichts mehr von ihrer Verstrickung in die Sünde erzählen, wo sie doch noch viel mehr in Gottes Liebe verstrickt seien. Wenn man dieses Gottesbild "Kuschelgott" nennen wolle, dann wäre das auch in Ordnung.
In einem dritten Schritt legte auch Steve Henkel noch einmal seine Position aus systematischer Sicht dar. Zunächst würdigte er die Position Anselms als etwas in seiner Zeit sehr Fortschrittliches, schließlich habe man davor geglaubt, mit dem Kreuzestod habe Gott dem Teufel die Rechte an der Menschheit abgekauft. Außerdem wurden die Evangelien wegen Jesu Tod geschrieben, sie seien quasi Passionsgeschichten mit etwas längerem Vorspann. Durch die Auferstehung werde der Tod dann an seinen Platz verwiesen, Gott überwinde von sich aus die Sünde. Natürlich bleibt das Kreuz furchtbar, aber der Mensch hat Jesus ans Kreuz genagelt, nicht Gott. Auch Steve Henkel plädiert dafür, dass wir nicht wegen religiöser Sprachlosigkeit auf dieses Interpretament des Kreuzestodes verzichten dürften.
In der anschließenden Diskussion wird deutlich, wie unbefriedigend die Aussagen Burkhard Müllers für die 30 teilnehmenden Studierenden sind. Beinahe alle Rückfragen richten sich an ihn, doch Müller antwortet nur ausweichend und konnte die zahlreichen Studierenden, die gekommen waren kaum überzeugen. "Im Prinzip hat er keine der Fragen richtig beantwortet", monierte eine Teilnehmerin nach Ende der Diskussion. So verblieben nach dem offiziellen Teil noch viele der Teilnehmenden im Adolf- Clarenbach Haus um weiter über das Thema zu reden.
