Countdown to Copenhagen

Die Kirchen setzen sich seit Jahren für eine gerechte und nachhaltige Entwicklung dieser Welt, insbesondere im Bereich des Klimaschutzes ein. Denn "der globale Klimawandel zerstört natürliche Lebensgrundlagen, verschärft Armut, untergräbt Entwicklungsmöglichkeiten und verstärkt Ungerechtigkeit. Die in Armut lebenden Menschen, besonders in den Ländern des Südens, sind die Hauptleidtragenden des Klimawandels, d.h. des Energieüberkonsums der Industrieländer und der globalen Konsumentenklasse" - so heißt es in der "Entwicklungspolitischen Plattform der Kirchen: Klima der Gerechtigkeit" vom Oktober 2008.
Im Zentrum des Weltklimagipfel in Kopenhagen, dessen Ziel ein Nachfolgeabkommen zum bereits ausgelaufenen Kyotoprotokoll ist, wird bspw. die Frage stehen mit wie viel Geld unterstützt man Entwicklungsländer in ihrem Kampf gegen den Klimawandel?
Die Staats- und Regierungschef der 27 EU Mitglieder haben in Brüssel nun gemeinsame Eckdaten festleget, nach denen ab 2020 jährlich 100 Milliarden Euro für den Klimaschutz in die Entwicklungsländern fließen muss. 22 bis 50 Milliarden sollen durch die internationale Gemeinschaft aufgebracht werden. Die EU werde davon "einen fairen Anteil" übernehmen, versprach EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, ohne ins Detail zu gehen.
Dass aus Europa viele Impulse zum Thema Klima- und Umweltschutz kommen, scheint unbestritten. Für die Brüsseler Dachorganisation christlicher Entwicklungsorganisationen Aprodev, die auch "Brot für die Welt" und den Evangelischen Entwicklungsdienst vertritt, liegt ein grundlegender Fehler in der veranschlagten Summe. "Die EU spricht von 22 bis 50 Milliarden Euro jährlichem Finanzierungsbedarf durch die internationale Gemeinschaft - wir gehen aber wie andere zivilgesellschaftliche Organisationen von 110 Milliarden Euro aus", die Klimaexpertin der Aprodov Marlene Grundström gegenüber evangelisch.de.
Kirchen, evangelische Entwicklungswerke und ökumenische Initiativen wollen gegenüber den politisch Verantwortlichen im Vorfeld der Klimakonferenz von Kopenhagen verdeutlichen, dass in den Industrieländern deutliche Emissionsminderungen nötig sind und dass es eine Verpflichtung gibt, die Entwicklungsländer bei der Anpassung an den Klimawandel und bei deren Reduktionsanstrengungen finanziell und technologisch zu unterstützen. Auf der Aktionsseite http:\\www.countdowntocopenhagen.de rufen sie zur Unterzeichnung einer Erklärung auf, die zu rechtsverbindlichen Beschlüssen auf dem Weltklimagipfel im Dezember auffordert. Die Vollversammlung des Studierendenrates Evangelische Theologie hat auf ihrer Vollversammlung in Greifswald Ende Oktober ebenfalls beschlossen diesen Aufruf zu unterstzüzen.
Wie die Frankfurter Allgemeinde Zeitung am Freitag berichtet, glaube auch der UN-Generalsekräters Ban Ki-Moons, dass nur noch ein politisch-bindende, nicht aber mehr rechtsverbindliche Beschlüsse in Kopenhagen erreicht werden können.
So lange es also an verbindlichen Zusagen, vor allem aus China und den USA fehlt, bleiben entscheidende Weichenstellungen aus.
FAZ / evangelisch.de / tageschau
