Anmerkungen zum Lehramts-Bachelor
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Auch die alten Studiengänge hatten ihre Fallstricke
Tja, was kann ich noch schreiben zu Bachelor, Modulaisierung, Studienreform. Die wesentlichen Dinge sind bereits gesagt, die Kritiker haben sich nicht zurückgehalten, all die augenscheinlichen Schwächen der neuen Studiengänge anzukreiden. Zu unflexibel, zu verschult, zu unkritisch – dies sind im Wesentlichen die Punkte, die die Kritik am Bachelor-Master-System umreißen.
Noch einmal auszuholen und all die Punkte zu wiederholen, die sich schon in vielen anderen guten Artikeln finden lassen, lohnt kaum. Ich verweise hier lieber auf den Artikel des ehemaligen Mainzer Theologieprofessors Marius Reiser. Genausowenig lohnt es sich eine Trauerarie zu singen, wieviel besser die alten Studiengänge waren, denn auch die hatten ihre Fallstricke und Tücken. Vielmehr sollte man doch die Frage aufwerfen, was die Umstellung in modularisierte Studiengänge insbesondere für angehende Religionspädagogen bedeutet. Diese scheint vor allem eines zu bedeuten: Jede Menge Streß!
Kinder können fatale Folgen haben
Ein Pensum von 40 Stunden soll pro Woche absolviert werden, teils an der Uni selbst, teils in der Vor- und Nachbereitung zu Hause. Die Schlüsselqualifikationen, die eigentlich dazu gedacht waren, dass sich Studierende so nützliche Dinge wie analytisches und kritisches Denken aneignen, werden nun für das Latinum und Graecum aufgebraucht. Durch intelligente Zeitfenster sitzt so mancher von morgens um Sieben bis spätabends um Neun in der Uni – da behaupte noch einer, die derzeitige Generation sei bildungsfremd.
Studieren mit Kind wird zur unerträglichen Belastung, denn man/frau kann im Bachelor nicht einfach weniger Module belegen, um sich mehr der Kindererziehung zu widmen. So einfach ist das leider nicht. Die hochgelobte Modulstruktur ist so streng in sich verzahnt, dass eine Unterbrechung fatale Folgen haben kann. Hinzu kommt, dass viele Pflichtveranstaltungen zu Zeiten liegen, in denen keine Kinderbetreuung mehr angeboten wird.
Volltheologen und Halbtheologen
Darüber hinaus sorgt das übermäßig hohe Lernpensum für den Verlust der wichtigsten Säule des Theologiestudiums: Die akademische Diskussion. Denn viel stärker noch als in manch anderen Studiengängen lebt die Theologie vom Widerstreit der Ansichten. Diese fruchtbare Auseinandersetzung kann nicht allein den Diplomtheologen überlassen werden. Schon früher gab es die reichlich abschätzige Unterscheidung zwischen Volltheologen (Diplom und Kirchliches Examen) und Halbtheologen (Magister und vor allem Lehrämter). Dieser Fehler darf sich nicht wiederholen. Auch wenn es zwischen den Studienrichtungen Unterschiede geben mag – beide beschäftigen sich auf wissenschaftlichem Niveau mit der Theologie.
Und auch wenn es abgedroschen klingen mag, so sind es doch zu einem wesentlichen Teil die Religionslehrinnen und Religionslehrer, welche an junge Menschen die Idee herantragen, sich mit ihrem eigenen Glauben auseinanderzusetzen.
Wenn diese aber selbst ihren Glauben keiner kritischen Reflexion mit den Methoden einer universitären Wissenschaft Theologie unterzogen haben, wie können diese das dann von ihren Schülern verlangen. Was können sie dann im späteren Religionsunterricht mehr als reine Wissensvermittlung einfordern, wenn ihnen selbst nur dröges Wissen ohne kritisches Hinterfragen angeboten wurde.
Genügend Raum für ein selbstbestimmtes Studium neben dem regulären Pensum bleibt zu dem kaum: Zeit für freiwillige Seminare, Übungen und Vorlesungen, nicht nur aus der Theologie, sondern auch aus anderen Bereichen. Zeit, um das eine oder andere Buch zu lesen, fernab jeden Zwanges. Zeit eine "theologische Persönlichkeit" zu entwickeln.
mehr Müßiggang und etwas weniger Mühe
Gleiches gilt für das ehrenamtliche Engagement, was so viele Städte erst zum Blühen bringt. Es sollte doch möglich sein, sich selbst in sozialen und politischen Projekten zu verwirklichen. Ein Workload von 40 Zeitstunden in der Woche durchgestylt kann und darf nicht das Maß für ein Studium sein. Es wird Zeit, das sich die Universität zurückbesinnt auf den Ursprung allen Lernens. Das Wort Schule kommt bekanntermaßen aus dem Griechischen, und bedeutet dort soviel wie Freizeit, oder Müßiggang. Ein wenig mehr Müßiggang und etwas weniger Mühe wären sicherlich recht heilsam.


Was kann ich tun?
1. Sei aufmerksam, was Probleme an deinem Studienort betrifft. Schreib uns eine Mail, wenn dich etwas stört, du Ideen zur Verbesserung hast, usw.
2. Es gibt an allen Universitäten Möglichkeiten, sich einzubringen, auch für Lehrämter. In Leipzig gibt es beispielsweise den Arbeitskreis Lehramt, der sich fakultätsübergreifend um ein gutes, reibungsloses Lehramtsstudium kümmert. Wenn es so etwas bei dir nicht gibt – gründe selbst etwas. Oder tritt dem Fachschaftsrat / ASTA / StuRa bei. Die beiden letztgenannten haben zwar an manchen Unis ein etwas negatives Image, aber du wirst sehen – ohne studentische Vertetung bewgt sich nichts.
3. Daneben gibt es an den Unis die Studienkommissionen, in denen neben Professoren und Dozenten über die jeweiligen Studienpläne beraten. Auch dorthin kannst du dich von deinem Fachschaftsrat entsenden lassen.
4. Laß dich von deinem Fachschaftsrat in den SeTh entsenden. Dort gibt es gerade im Bereich des Lehramtes viel zu tun.