„Unser tägliches Brot gib uns heute“

Lutherischer Weltbund - In Stuttgart versammelt sich diese Tage die lutherische Weltkirche zu ihrer 11. Vollversammlung. Delegierte aus über siebzig Ländern entscheiden über die Kirchenpolitik des Lutherischen Weltbundes für die nächsten sechs Jahre.

Vom 20. bis 27. Juli 2010 tagt in Stuttgart die 11. Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes (LWB). Zu der Vollversammlung werden über vierhundert Delegierte aus den 140 LWB-Mitgliedskirchen erwartet. Der LWB ist mit ca. 70 Mio. Mitgliedern der größte weltweite Zusammenschluss von lutherischen Kirchen. Gastgeberin ist in diesem Jahr die Evangelische Landeskirche in Württemberg.

Die Vollversammlung steht unter der vierten Bitte des Vaterunser: „Unser tägliches Brot gib uns heute“. Die Themenschwerpunkte werden Klima und Ernährungsgerechtigkeit, HIV/Aids und illegitime Schulden sein. Es wird zudem ein Wort der Entschuldigung und Versöhnung zu der Behandlung der (Wieder-)Täufer_innen während und nach der Reformation seitens der lutherischen Kirchen erwartet. Daneben steht aber auch die Frage, wie mit Stellen in den lutherischen Bekenntnisschriften umgegangen wird, die scharf gegen die anabaptistischen Gemeinschaften polemisieren. Auf der Tagesordnung der Vollversammlung steht außerdem die Suche nach einem_einer neuen Generalsekretär_in. Ob es während dieses großen Treffens zu Spannungen zwischen den liberalen und konservativen Strömungen innerhalb der lutherischen Weltkirche kommt, etwa wie in jüngster Zeit bei der Anglikanischen Kirche, ist noch offen. Streitthemen sind seit Längerem immer wieder die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften und die Ordination von Frauen ins geistliche Amt.

Die Vollversammlung ist das höchste Entscheidungsgremium des LWB und tagt nur alle sechs Jahre. Die letzte Vollversammlung des LWB auf deutschem Boden fand 1952 in Hannover statt. Auf Grund des großen finanziellen Drucks wird derzeit überlegt, künftige Vollversammlungen nur alle sieben Jahre stattfinden zu lassen. Im Unterschied zu den Vorjahren wurde diese Vollversammlung deshalb bereits auf eine Woche Tagungszeitraum gekürt. Nichtsdestotrotz bleibt das Arbeitspensum unverändert. So werden auch diesmal über hundert Beschlüsse der Vollversammlung erwartet.