ÖKT 2010: Keine Alternative zum Dialog zwischen Christen und Muslimen

Überschattet vom Boykott einiger muslimischer Verbände ist die Deutsche Islamkonferenz (DIK) in ihre zweite Phase gestartet. In Berlin tagte die Konferenz erstmals unter der Leitung von Bundesinnenminister Thomas de Maizière. Ziel ist es den Dialog des Staates mit den in Deutschland lebenden Muslimen zu fördern. De Maizière wünschete sich, dass die Konferenz zahlreiche Projekte, Maßnahmen und Themen anstoße.
„Es gibt keine Alternative zum Dialog!“, sagte Aiman A. Mazyek, der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime in Deutschland. kurz zuvor in München. Schließlich lebten wir bereits in einer multireligiösen und multiethnischen Gesellschaft. Daher müssten Politik, Medien und Wirtschaft aufhören, gesellschaftliche Pluralität als Randthema der Ausländerpolitik darzustellen. Hierin sieht Mazyek auch den Grund, warum der Zentralrat aus der Islamkonferenz ausgeschieden sei. Dennoch,müssen Christen und Muslime als Bündnispartner auftreten: Als Beispiel nannte Mazyek die Stellungnahmen gegen die Partei ProNRW, die massiv gegen den Islam Stimmung gemacht habe und dies christlich legitimieren wollte.
| Die Islamkonferenz |
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Die Deutsche Islam Konferenz (DIK) ist ein langfristig angelegter Dialoges zwischen dem deutschen Staat und in Deutschland lebenden Muslimen. Initiiert wurde sie vom früheren deutschen Innenminister Wolfgang Schäuble. Ziel der Konferenz war es nach der Darstellung des Innenministeriums, „eine bessere religions- und gesellschaftspolitische Integration der muslimischen Bevölkerung und ein gutes Miteinander aller Menschen in Deutschland, gleich welchen Glaubens“ zu erreichen. In der ersten Phase des Dialogs bis 2009 erreichte die DIK ein Bekenntnis der Muslime zur demokratischen Grundordnung sowie eome Verständigung auf islamischen Religionsunterricht an Schulen, den Bau von Moscheen, bessere Ausbildung und Zusammenarbeit bei Sicherheitsfragen. Am 17. Mai tagte die DIK erneut. ........................................................... |
Im Rahmen einer Veranstaltung des Ökumenischen Kirchentages in Müchen appelierte de Maizière auch an die die Kirchen. Auch sie müssen sich stärker in den Dialog einbringen. Er stellte fest: „Ich bekomme viele Einladungen zum Fastenbrechen im Ramadan, einen Vertreter der Kirchen habe ich dort noch nie gesehen und auch nicht gehört, dass ein Muslim zum Karfreitagsgottesdienst eingeladen wurde.“
Die Deutsche Islamkonferenz will ein Konzept für islamischen Religionsunterricht entwickeln. Dabei müsste viel eher über einen gemeinsamen Werte-Unterricht nachgedacht werden, erklärte der integrationspolitische Sprecher der Grünen, Memet Kilic, im Interview mit der Tagesschau.
Zum Thema der Imamausbildung in Deutschland äußerte sich Prof. Dr. Bülent Uçar, der in Osnabrück eine in Deutschland bisher einzigartige Stelle als Islamwissenschaftler und Religionspädagoge inne hat, in München wie folgt: Es gehe nicht an, dass Imame in Deutschland kein oder nur kaum Deutsch sprechen könnten und auch von der Lebenswelt in Deutschland nur wenig wüssten. Der Staat müsse den Muslimen entgegen kommen, aber auch die Muslime/ die muslimischen Verbände müssten ihre Hausaufgaben machen. Die muslimischen Verbände vertreten z.Zt. nur etwa 20-25% der Muslime in Deutschland und in der jetzigen Verbandsstruktur würde es wenig helfen, wenn der Islam zur Religionsgemeinschaft würde. Er fordert von den Verbänden u.a. durchsichtige Strukturen und öffentlicch diskutierbare theologische Grundsatzpapiere.
Der Kirchentag behande das Thema Integration auch auf humoristische Weise. Der Liedermacher Clemens Bittlinger und der Comedian türkischer Abstammung Bülent Ceylan gastierten gemeinsam am Freitagabend auf dem Messegelände in München. Ceylan mischte Teile seines aktuellen Programms mit einigen spritzigen Bemerkungen zur Integration. Als Überraschungsgast kam Hamed Abdel-Samad auf die Bühne, der sich in seinem aktuellen Buch „Mein Abschied vom Himmel“ kritisch zum Islam äußerte und daraufhin Drohungen bekam. Auf die Frage, was denn der richtige Weg im Dialog sei, antwortete er: „Menschen, die in der Wüste leben, kennen das, man geht auf dem Wüstensand und wenn man zurück sieht, erkennt man seine Spuren. Das ist der Weg.“
