Moment Mal: Woran glauben wir eigentlich?

Verschiedene Ereignisse in den letzten Wochen haben mich immer wieder die Frage stellen lassen: Woran glauben wir als Christ_innen eigentlich? Einmal kam die Frage während einer Veranstaltung der kirchlichen Begleitung von Student_innen der Evangelischer Religionslehre auf. Dort diskutierten wir, was die „Grundsätze der Evangelischen Kirche“ sind, denen sich evangelische Religionslehrer_innen verpflichten müssen, welche aber an keiner Stelle genau beschrieben werden.

An anderer Stelle stellte ich mir die Frage, als der Chef der Partei, die seit einiger Zeit überall Kreuze aufhängen lässt, nach den Ereignissen in Ellwangen (eine ausführliche Recherche zu den Eregnissen findet sich hier bei der taz)  wieder mal eine Verschärfung der Asyl-Gesetze forderte. Die Parteien im Bundestag, die ein „C“ im Namen tragen oder die Verteidigung eines christlichen Abendlandes propagieren, sitzen alle rechts der Mitte und stehen in Verbindung mit konservativer, wenn nicht sogar extrem rechter Ideologie. Wie stehe ich als Christ_in dazu, der/die all dem mehr als kritisch gegenübersteht? An was glaube ich als Christ_in überhaupt?

Als Teil der Evangelischen Kirche war ich meistens sehr froh über die Freiheit und Vielfalt in Glaubensfragen, die in der Kirche vorherrschen. Wir haben eine Atmosphäre entwickelt, in der wir über vieles streiten können, ohne Andere in ihrer Existenz anzugreifen Ausnahmen gibt es leider immer. Im Kontext der Ökumene kommen dann nochmal mehr unterschiedliche Meinungen zusammen, wo sich trotz aller Differenzen auch eine schöne Gemeinschaft bildet und bereits gebildet hat.

In Fragen bezüglich Abendsmahlverständnis, Buße, Organisation von Kirche und vielem mehr kann ich auch verstehen, wie unterschiedlichen Positionen entstanden sind und welche Logik hinter ihnen steht. Aber dann gerate ich jedoch wieder an Meinungen, bei denen Menschen in ihrer Existenz angegriffen werden, schlimmstenfalls sogar ihre Leben bedroht werden. Es wird entweder ein Klima des Hasses gegen Menschen, die anders leben als die Mehrheit, geschürt oder Menschen werden in Gegenden abgeschoben, in denen der Tod droht. Ich komme an einen Punkt, an dem ich nicht mehr nachvollziehen kann, was das mit dem christlichen Glauben zu tun haben soll.

Wie kann jemand sich Christ_in nennen, aber den Tod von Leuten wissentlich in Kauf nehmen, wenn es doch heißt „Du sollst nicht töten!“? Wie kann jemand sich Christ_in nennen, aber nicht seine Möglichkeiten nutzen, das Leben von Menschen, denen es schlechter geht, zu bessern, wenn es doch heißt: „Das, was du den geringsten meiner Geschwistern getan hast, das hast du mir getan“?

In der Bibel, auf die wir als Christ_innen alle in irgendeiner Form immer wieder zurückkommen, stehen viele unterschiedliche Aussagen, aus denen wir uns unterschiedliche Meinungen bilden können und müssen, aber wo verlaufen die Grenzen des Sagbaren? Wann sagen wir, dass etwas dem christlichem Glauben widerspricht?
Ich stoße immer öfter an einen Punkt, an dem ich denke, dass das, was sich in der Öffentlichkeit als christlich darstellt oder dargestellt wird, meinem Glauben fundamental widerspricht. Bei diesen Formen kann ich es nicht mehr mit mir und meinem Glauben vereinbaren, einer derselben Kirchen anzugehören, auf deren Glauben hier rekurriert wird.

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10 Kommentare anzeigen

  1. Emanuel

    Ziemlich einfach: Selbst die EKD formuliert in ihrer Grundordnung:
    „Grundlage der Evangelischen Kirche in Deutschland ist das Evangelium von Jesus Christus, wie es uns in der Heiligen Schrift Alten und Neuen Testaments gegeben ist. Indem sie diese Grundlage anerkennt, bekennt sich die Evangelische Kirche in Deutschland zu dem Einen Herrn der einen heiligen allgemeinen und apostolischen Kirche.
    Gemeinsam mit der alten Kirche steht die Evangelische Kirche in Deutschland auf dem Boden der altkirchlichen Bekenntnisse.
    Für das Verständnis der Heiligen Schrift wie auch der altkirchlichen Bekenntnisse sind in den lutherischen, reformierten und unierten Gliedkirchen und Gemeinden die für sie geltenden Bekenntnisse der Reformation maßgebend.“

    Auch wenn das bedeutet, dass sie hinsichtlich reformierter/lutherischer Position einander ausschließende Positionen vertritt, vertritt sie lt. Grundordnung eindeutig Bibel und altkirchliche Bekenntnisse als Grundlage. Das ist durchaus etwas anderes als „In der Bibel, auf die wir als Christ_innen alle in irgendeiner Form immer wieder zurückkommen, stehen viele unterschiedliche Aussagen“, sondern da gibt es eben schon klar formulierte Grenzen.

    • Oliver

      Der Text der Grundordnung der EKD ist zunächst einmal richtig wiedergegeben, sofern Sie den Vorspruch jener Grundordnung meinen. Die konkrete Benennung der Grundlage der EKD bestimmt sich aber nach Artikel 2 Abs. 1 EKD-Grundordnung : „Das Recht der Evangelischen Kirche in Deutschland und ihrer Gliedkirchen muss auf der im Vorspruch und in Artikel 1 bezeichneten Grundlage ruhen.“ Demnach gilt es neben dem Vorspruch auch noch den Artikel 1 zu beachten – hier möchte ich nur Artikel 1 Abs. 1 EKD-Grundordnung wiedergeben, weil ansonsten zu lang : „Die Evangelische Kirche in Deutschland ist die Gemeinschaft ihrer lutherischen, reformierten und unierten Gliedkirchen. Sie versteht sich als Teil der einen Kirche Jesu Christi. Sie achtet die Bekenntnisgrundlage der Gliedkirchen und Gemeinden und setzt voraus, dass sie ihr Bekenntnis in Lehre, Leben und Ordnung der Kirche wirksam werden lassen.“

      In diesem Sinne ist ein möglicher alleiniger Verweis auf „das apostolische Wesen“ der Kirche zu gering, um die Grundlage der EKD darzustellen.

      Des Weiteren geht es in der EKD darum, dass das Bekenntnis in Lehre, Leben und Ordnung „der Kirche“ wirksam werde. In diesem Sinne gibt es einem Unterschied zwischen Christenstand und Bürgerstand. Abgesehen davon ist die Öffentlichkeit nicht Kirche – jedoch ist die Kirche auch nicht Öffentlichkeit. Die Ethisierung der Welt hat durchaus auch etwas mit dem Moralverlust der Kirche zu tun, denn die klar formulierten Grenzen vermischen sich zu leicht , so dass man meinen könnte, das Regeln der einen Welt auf die andere Welt übertragbar wären.

  2. Emanuel

    Zum ersten Teil: nun, der Vorspruch beschreibt, auf welcher Grundlage die EKD fußt. Artikel eins widerspricht ja nicht dem Vorspruch, hoffe ich.
    Was für das zweite bedeutet: würde die EKD ihre selbst benannten Grenzen gegenüber den problematischen okkupierern des ‚C‘ deutlicher hervorheben, könnte es sein, dass deutlich würde, dass diese nicht zu Recht das C okkupieren.

    • Oliver

      @Emanuel
      Ihre Antwort ist Blödsinn und zeigt auf, dass Sie mit Ihrer Polemik nicht wissen, worum es geht. Die EKD ist nicht die römisch-katholische Kirche und die EKD ist nicht irgendeine Freikirche. Bei jenen Gruppierungen könnte man meinen, sie hätten das Christliche für sich gepachtet, sofern sie so argumentieren wie Sie. Diesbezüglich scheint es so, dass Sie mit Ihrer Böswilligkeit Dinge zu verdrehen zu suchen, die Sie nicht vertreten wollen. Sofern Sie also die EKD in Verrruf bringen wollen, so sollten Sie dieses außerhalb dieser Website tun. Artikel 1 der EKD-Grundordnung erweitert den Vorspruch, so dass beides in einem Gesamtzusammenhang zu betrachten ist. Ihre Denkweise lässt zu wünschen übrig, da Sie Tatsachen nicht als Tatsachen behandeln. Des Weiteren geht Ihre Polemik an der Sache und an diesem Artikel vorbei, so dass ich hier nur schreiben kann : Thema verfehlt, weil nicht auf den Gegenstand eingegangen. Woran glauben Sie eigentlich ? Sie lieben das Böse oder können Sie sich auch normal verhalten ?

      • Emanuel

        Also, dann schauen wir doch mal in Artikel 1:
        „Die Evangelische Kirche in Deutschland fördert darum das Zusammenwachsen ihrer Gliedkirchen in der Gemeinsamkeit des christlichen Zeugnisses und Dienstes gemäß dem Auftrag des Herrn Jesus Christus.“
        – Positivbestimmung
        „Sie hilft ihnen, wo es gefordert wird, zur gemeinsamen Abwehr kirchenzerstörender Irrlehre.“
        – Benennung einer Grenze.
        Also die EKD scheint da kirchlicher als Sie zu sein. Sie sagt, dass es soetwas wie eine christliche Lehre gibt, die Grenzen hat (Abwehr von Irrlehre) und die auch irgendwie in ihren Grundzügen erfassbar sei (Auftrag Jesu Christi).
        Gerade das Kirchesein gemäß des Auftrags Jesu Christi behauptet eben doch, es gäbe etwas Christliches, welches dann eben auch den Perversionen des Christlichen (die nicht des Auftrags gemäß sind) entgegengestellt werden kann.
        Wo auch immer ich die EKD in Verruf bringe, in dem ich aus ihrer Grundordnung zitiere oder paraphrasiere, das wissen mal wieder nur Sie.
        Außerdem ist natürlich absurd, dass man mit einem anonymen Kommentar auf dieser Website die EKD in Verruf bringen kann. Wusste nicht, dass das so einfach ist.
        Polemik ist eines Ihrer Lieblingsworte, oder? – Nun, ich habe auf den Beitrag aus meiner Sicht geantwortet, dabei Bezug auf die Grundlegung der EKD genommen und erklärt, warum diese Grundlegung hilfreich sein kann bei der Antwort auf die Frage des Artikels. Warum ich dabei die EKD in betracht zog? Nun, weil diese Seite hier vom SeTh verantwort/betrieben wird. Es ist also ein ev./Ekd-Kontext.
        Der Rest Ihres Kommentars verfehlt meinen Kommentar und das Thema so sehr, dass man darauf nur antworten kann: Natürlich liebe ich das Böse, wenn ich kritische Nachfragen oder Anregungen stelle. Das ist ja offensichtlich. Theologiestudierende sollten ja nicht irgendwo mal über Texte und Beiträge nachdenken. Sie sollten die kommentarlos schlucken, das macht sie doch zu Studierenden.

        • Oliver

          An den Antichristen @ Emanuel
          Die Verdrehung von Tatsachen und von meinen Wörtern beherrschen Sie sehr gut. Diesbezüglich weigere ich mich auch hier, mit Ihnen witer einen Diskurs zu führen. Viel Spaß mit Ihrer Boshaftigkeit und übrigens – Sie betreiben keinerlei christliche Lehre !!!

          Ich bitte um Sperrung der Kommentarfunktion für alle und um die Sperrung von @Emanuel.

  3. Emanuel

    So so. Jetzt verwirren Sie mich wirklich. Ist das ganz große Satire? Dann ist sie wirklich gut. Auf den ersten Blick wäre ich Ihnen fast auf den Leim gegangen. Aber das kann ja gar nicht sein, denn wie hätte ich durch Zitation der Grundordnung der EKD die christliche Lehre schmähen können (es sei denn, Sie wollten behaupten, die Grundordnung der EKD schmähe den christlichen Glauben – aber das wäre ja dann wirklich ganz schön abgedreht). Also, meinen Respekt haben Sie, für die handwerklich wirklich gute Ausfüllung einer Rolle. Hut ab! Selbst an die überzähligen Ausrufezeichen haben Sie gedacht.

    • Oliver

      @Emanuel
      Eine widerwärtige satanische Polemik betreiben Sie da.
      Also als Christ sollte Sie sich schämen, sofern Sie ein Christ sein sollten.
      Mit Sicherheit sind Sie mit Ihrer verwerflichen Schreiberei nicht besser als ich.
      Jedoch bin ich noch beim Thema. Sie auch ?
      Woran glauben Sie denn ?

      Ach ja – der Webmaster wird gebeten, hier die Kommentarfunktion zu sperren.

      • Emanuel

        Das wird mir jetzt zu viel auf einmal. Wollen Sie mit mir reden, dann bitten Sie nicht um Kommentierungsfunktionssperre. Wollen Sie nicht, dann stellen Sie keine Fragen.
        Zum Thema äußern Sie sich ja gar nicht, wie wollen Sie denn dann beim Thema sein? Ich habe doch formuliert, was die EKD als Glaubensgrundlage angibt.
        Warum sollte ich mich schämen? Weil Sie hier austicken? Vielleicht denken Sie mal darüber nach, ob das berechtigt ist. Ich habe hier von Anfang an nur ein paar EKD-Texte zitiert. Dass Sie von dort zu widerwärtiger Polemik kommen, ist entweder (wenn ernst gemeint) richtig richtig dumm oder (wenn Satire) richtig richtig gut.
        Ihren Gesamtäußerungen entnehme ich, dass Sie strenger Reformierter sind. Das ist nett. Aber habt ihr wirklich so das Riesenproblem mit Humor?

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