Moment Mal: Eine Woche nach Ostern. Nicht alleine sein Abendlieder

Eines meiner Lieblingsmusikstücke ist das Abendlied von Joseph Gabriel Rheinberger. Der Text für dieses kurze, wunderschöne Mottete ist dem Lukas Evangelium entnommen.  Das Stück aus dem Frühwerk des romantischen Komponisten fesselt  Sänger*innen wie Publikum gleichermaßen. Das Stück, welches aus dem Frühwerk des Komponisten stammt, scheint ein ideales Abendstück zu sein, der Text (bleib bei uns, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneiget)  scheint sehr gut zur abendlichen Stimmung zu passen.

Der Text stammt aus der Emmaus Geschichte, Lukas 24, 29. Im Original:

„Bleibe bei uns; denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt“

Wer Sänger*innen und Zuhörer*innen befragt wird als Assoziation zu diesem Werk wahrscheinlich nur in den selteneren Fällen Ostern genannt bekommen. Auf den ersten Blick könnte man Rheinberger Zufall unterstellen. Der Junge Komponist, das Werk entstand kurz vor dessen 16. Geburtstag, habe einfach nur einen passenden Satz gesucht und diesen ob seiner programmatischen Klarheit gewählt. Dagegen sprechen nicht nur  Aufführungstermine zu Lebzeiten des Komponisten.  Denn dieser Satz nimmt in der Emmaus Geschichte eine viel stärkere Rolle ein, als es zunächst scheint. Die Bitte der Jünger an den Fremden, die ganz direkt als „nötigen“ bezeichnet wird, stellt die Voraussetzung dafür, dass die Jünger im Fremden Christus erkennen können.  Er möchte gehen und wird aufgefordert zu bleiben. Dadurch  erst bietet sich die Chance zur Tischgemeinschaft.

Ostern wird ja gemeinhin mit dem  Morgen in Verbindung gebracht, an Ostern steht man früh auf. Und doch passt diese Mottete von Rheinberger auch zur gerade verkündeten Osterbotschaft. An Ostern erleben wir, dass wir nicht alleine sind, auch wenn wir davor Phasen der Einsamkeit erlebt haben. Das nach zwei Tagen  der Finsternis der Ostermorgen kommt. Und so ist ja auch der Kern dieses Stücks der Wunsch nach Gemeinschaft, nach Beistand, nach dem Nicht Alleine sein.  Die Jünger haben Christus erst spät erkannt, für sie ist der verborgene Jesus ein „Fremder in Jerusalem“. Und doch bitten sie ihn, bei sich zu bleiben, und sorgen sich um ihn. Schicken ihn nicht in die Nacht hinaus. Auch das ist Ostern. Hier werden zwei Dinge deutlich über die Gemeinde Jesu. Sie erkennen sich gegenseitig in dem was sie tun, das Abendmahl ist die Verbindung innerhalb der Jünger*innen. Und sie übernehmen Verantwortung für Andere.

Emmaus kann überall sein, überall da wo Menschen Verantwortung übernehmen, überall da wo Menschen füreinander da sind. Überall dort ist der Auferstandene bei uns, in der Vesperkirche, bei der Bahnhofsmission, und ja auch im Konzertsaal. Ostern, das ist nicht die Erinnerung an ein übernatürliches Ereignis. Vergangene Woche an Ostern feiern wir die Hoffnung auf ein neues Leben. Lassen wir uns diese Botschaft weitertragen.

 

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