Moment Mal: Von Tafeln und Losungen Würde geben

Tage wie heute, an denen es nicht so recht hell wird, und ich bei Temperaturen um den Gefrierpunkt im Nebel des Nordschwarzwalds sitze, laden zum Nachdenken ein. In den letzten Tagen und Wochen wurde in Deutschland viel über Armut gesprochen. Angeregt durch Äußerungen des Gesundheitsministers und durch die Entscheidung der Essener Tafel, vorerst keine Ausländer als neue Kunden aufzunehmen.

Im Zusammenhang mit dieser Diskussion kam mir die Jahreslosung in den Sinn: Gott spricht: „Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst“ ( Offenbarung, 21, 6). Für ChristInnen sind solche Fragen von elementarer Bedeutung: Die Hinwendung zu den Bedürftigen und das diakonische Handeln ist eines der absoluten Kernanliegen des Christentums und auch des Handelns der christlichen Kirchen.

In gesellschaftlichen Debatten wie der aktuellen wird oft die Frage nach dem Anspruch auf solche Zuwendung gestellt. Diese Perspektive wird auch von vielen Betroffenen selbst geteilt. Die Fragen quälen viele, die Zuwendung bedürfen. Viele verzichten aus Scham auf Hilfe, die ihnen zusteht. Ich empfinde die Jahreslosung als Zuspruch. In einem neuen Jerusalem, in einer neuen Welt muss der Bedürftige nicht bangen. In einer neuen Welt wird dem gegeben, der braucht. Der Schlüsselbegriff hier ist meines Erachtens nach das „umsonst“. Gott gibt ohne Bedürftigkeitsprüfung, bei Gott wird nach keiner Ersatzleistung für das „lebendige Wasser“ gefragt. In der Jahreslosung wird deutlich, dass es im Umgang mit Armut nicht ausschließlich um gutes und richtiges Zusammenleben geht. Vielmehr sagt die Botschaft, die sich hier ganz am Ende der Bibel findet, etwas darüber aus, wie das Paradies sein kann. Die drängende Frage nach unserem Umgang mit den Schwachen hat somit auch dogmatisches Gewicht.

Daher sehe ich im diakonischen Handeln und im Einsatz gegen Armut ein Stück der gelebten neuen Welt in der Alten. Besonders wichtig scheinen mir hier Bewegungen wie die Vesperkirchen oder Ein-Euro-Restaurants. Initiativen wo Menschen „umsonst“ Hilfe erfahren und so ein Stück der Würde zurück erhalten, die ihr durch die irdische Armut genommen wurde.

Menschen Würde zu geben und in allen Phasen und trotz aller Schwierigkeiten in ihrem Leben mit Würde zu behandeln, muss ein Kernanliegen kirchlicher Arbeit sein und bleiben. Für ChristInnen darf es in der Frage nach dem Umgang mit Armut gerade in reichen Ländern nicht nur um das „nackte Überleben“ gehen. Es muss darum gehen, dass Leben mehr ist als Überleben.

 

 

 

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