Moment Mal: Mittelmeer – War da was?

Gelegentlich ist es noch eine Eilmeldung wert, aber in den meisten Fällen verpufft es inzwischen fast unbemerkt. Die Rede ist nicht von Neuigkeiten zur Regierungsbildung, sondern von den Booten, die sich immer noch täglich von der libyschen Küste in Richtung Italien aufmachen. Von Booten kann dabei eigentlich nicht die Rede sein, Kutter oder Kahn trifft es besser besonders in Anbetracht der Jahreszeit, denn auch auf dem Mittelmeer herrscht winterliches Seewetter. Stürme, Regen, starker Wellengang. Holz- oder auch Schlauchboote sind (nicht nur jetzt) denkbar ungeeignet, um von Nordafrika aus nach Europa zu kommen. Seit Anfang des Monats sind allein auf der zentralen Mittelmeerroute 180 Menschen gestorben und es werden jeden Tag mehr.
Parallel zum Sterben vor den Toren Europas wird hier in Deutschland um den Familiennachzug gefeilscht, ungeachtet des Rechts auf Flucht und Asyl und den im Grundgesetz verankerten besonderen Schutz von Ehe und Famlie treten sloganhafte Zahlenwerte Obergrenze bitte nicht sagen, sondern nur meinen.

Es scheint mir, als wären wir inzwischen abgestumpft. Die Nachrichten über hunderte Menschen, die an einem Tag von privaten Seenotrettern wie sea-watch oder den lokalen Küstenwachen gerettet werden, entlocken uns maximal noch ein Schulterzucken. Wenn wir überhaut noch etwas davon mitbekommen.
Ohne moralinsauer werden zu wollen: Wir machen es uns zu bequem in dieser Gleichgültigkeit und vergessen dabei nicht nur gigantische Zahlen, sondern allen voran die Menschen, die aus ihren Heimatländern geflohen sind, um frei und in Sicherheit leben und aufwachsen zu können. Es sind Menschen, keine anonymen Teile einer Zahlenmenge. Nicht nur ein Augenpaar auf einem Boot, sondern ein ganzer Mensch mit der gleichen Würde und den gleichen Rechten wie wir, die hier in Westeuropa im Warmen sitzen.

Mittelmeer War da was?
Nein, da ist jemand.

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