Adventskalender 2017 Auf einen Blick

Für alle, die finden, dass der Advent viel zu schnell vorbei war und die sich nach den Feiertagen die adventliche Stimmung noch behalten wollen, hier der ganze Adventskalender in einer Übersicht. Danke alle, die ein Türchen in diesem Kalender gestaltet haben!

Die Erwartung

Ich lebe in einer Welt, die ich nicht verstehe.

Eine Welt, die nicht nur schön und ganz ist,

sondern auch hässlich, schrecklich und gemein.

Ich lebe in der Erwartung, dass diese Welt eine andere wird,

ich lebe in Hoffnung.

Ich hoffe nicht auf Glück oder Erfüllung aller Wünsche.

Ich hoffe auf Einsicht, Mut, Wahrheit und Vergebung.

Ich möchte damit rechnen können,

dass es Gerechtigkeit geben wird und Frieden für diese Welt.

Erwartungsvoll schauen meine Augen auf dich Gott,

erwartungsvoll auf den, der kommen wird, Immanuel, Gott mit uns.

 

Darum wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben: Siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie nennen Immanuel. (Jes 7,14)

Oculi nostri ad Dominum Jesum, oculi nostri ad Dominum nostrum. Unsere Augen schauen auf unsern Herrn Jesus Christus.

Von Deborah

 

Langeweile

© Joy Katzmarik, aus: pics4kids, buch+musik ejw-service gmbh

Von Joy

 

 Gott kümmert sich

UNSERE GEMEINDEN SIND DIE HOFFNUNG DER WELT.
NEIN. TATSACHE IST,
DASS GOTT HIER NICHT MEHR WOHNT.
ICH GLAUBE NICHT,
DASS FREUDE MÖGLICH IST,
DASS ES SICH IN GEMEINSCHAFT BESSER LEBT,
DASS WIR EINANDER RADIKAL LIEBEN SOLLEN.
DIE WAHRHEIT IST,
DASS DIE GEMEINDEN KURZ VOR DEM AUS STEHEN.
ICH WEIGERE MICH ZU GLAUBEN,
DASS WIR TEIL VON ETWAS SIND, DAS ÜBER UNS SELBST HINAUS REICHT UND
DASS WIR VERÄNDERT WURDEN, UM ZU VERÄNDERN.
ES IST DOCH GANZ KLAR,
DASS ARMUT ZU ÜBERMÄCHTIG IST,
DASS RASSISMUS NICHT ZU ÜBERWINDEN IST.
DASS DAS BÖSE NIEMALS ZU BESIEGEN SEIN WIRD.
ICH KANN UNMÖGLICH GLAUBEN,
DASS DINGE SICH IN ZUKUNFT ZUM BESSEREN WENDEN.
ES WIRD SICH HERAUSSTELLEN,
DASS GOTT NICHT HELFEN KANN,
UND DU LIEGST FALSCH, WENN DU GLAUBST,
GOTT KANN.
ICH BIN DAVON ÜBERZEUGT:
MAN KANN DINGE NICHT VERÄNDERN.
ES WÄRE EINE LÜGE, WÜRDE ICH SAGEN:
GOTT KÜMMERT SICH!

(Text von Paul Zulehner)

Was sind unsere Gemeinden heute noch? Wir ächzen unter der Last von Verwaltung, Qualitätsmanagement und manchmal hat man eher das Gefühl, für eine mittelständische Firma zu arbeiten, nicht für die Gemeinde Gottes. Gott wohnt hier nicht mehr. Er ist gegangen und hat uns unserem blinden Aktionismus selbst überlassen. Gott wohnt hier nicht mehr.

Manchmal hilft es, den Blickwinkel zu ändern, sich aus der alten Position herausbewegen und die Dinge mit neuen Augen betrachten. Also lies den Text nocheinmal, aber von unten nach oben.
Und ich bin überzeugt, dass Gott sich immer um uns kümmern wird.

Von Anna

 

Der Baum

Als ich noch klein war, gab es in meiner Familie eine schöne Tradition: Egal wie sehr wir uns im Alltag aus dem Weg gegangen sind und aneinander vorbei gelebt haben, wir haben uns immer an den Adventssonntagen im Wohnzimmer getroffen. Wir haben die Kerzen am Adventskranz angezündet, Tee getrunken und den ersten, von Mama schon im Oktober gebackenen Stollen gegessen – natürlich den mit der Marzipanfüllung. Dazu gab es eine Weihnachtsgeschichte. Ein Stückchen Ruhe in der ansonsten so stressigen Vorweihnachtszeit. Ich habe es geliebt!

Heute ist das leider verloren gegangen. Das liegt natürlich auch daran, dass meine Schwester und ich schon in der Pubertät das irgendwie nicht mehr so schön fanden und mittlerweile auch schon lange ausgezogen sind. Dennoch denke ich gerne daran, wie schön das doch war: Endlich mal keinen Streit, keinen Stress, keinen Druck. Einfach nur da sein und genießen.

Meine absolute Lieblingsgeschichte aus dieser Zeit habe ich leider im Internet nicht finden können, sonst hätte ich sie euch verlinkt. Deshalb möchte ich sie euch gerne erzählen:

Der Baum von Margret Rettich (frei nacherzählt von mir)

Heiner und Mieke Bollmann leben mit ihren Kindern und Oma gemeinsam in einem Mehrgenerationenhaus mit einem großen Garten, in dem sie jedes Jahr eine neue Tanne pflanzen und die größte fällen, damit sie Christbaum wird. Dafür ist Heiner Bollmann zuständig. In dem Jahr, in dem die Geschichte spielt, lässt der Dezember wettertechnisch allerdings sehr zu wünschen übrig: Es regnet sehr viel. In der Nacht vor Heiligabend allerdings wird es doch noch winterlich kalt, so dass die Tannen im Garten am nächsten Morgen von einer dicken Eisschicht bedeckt sind. Heiner Bollmann schlägt dennoch den größten, denn ohne Christbaum, das wäre ja kein Weihnachten. Doch Mieke Bollmann will ihn mit dem vereisten Ding nicht in die Gute Stube und auf den neuen Teppichboden lassen. Also wird der Baum erstmal im Schuppen abgestellt.

Nach dem Frühstück will Heiner Bollmann ihn dann, wenn er sicher abgetaut ist, aufstellen, damit er fertig ist, wenn die Kinder aus der Schule kommen. Sie sollen den Baum schließlich vor dem Abend nicht zu sehen bekommen. Das Problem daran ist: Im Schuppen ist es auch nicht viel wärmer, der Baum ist also weiterhin voller Eis. Heiner Bollmann schleppt ihn also über den Hof in die Waschküche, heizt den Kessel an und „kocht“ den Baum darin, so dass er zu duften beginnt. Den nun zwar abgetauten, aber klitschnassen Baum will Heiner Bollmann also erneut ins Haus tragen, aber Mieke Bollmann lässt ihn auch dieses Mal nicht rein: „Der neue Teppichboden!“

Heiner Bollmann überlegt und bringt den Baum schließlich in den Schweinestall, wo er in Ruhe trocknen kann. Da es mittlerweile spät ist, gehen Mieke Bollmann, Oma und die Kinder ohne Heiner Bollmann in die Kirche. Der nutzt die Zeit, um sich endlich zu waschen, zu Mittag zu essen, denn das musste die Familie wegen des Baumdesasters alleine tun, und findet sogar noch Zeit, kurz die Füße hochzulegen. Schließlich trägt er den nun trockenen und von den Schweinen nur minimal angeknabberten Baum in die Gute Stube und schmückt ihn feierlich.

Als der Rest der Familie aus der Kirche kommt, ist sie sprachlos vor Staunen. So einen schönen Baum hatten sie sicherlich noch nie! Er ist frisch und grün und wird sicher bis zum 10. März durchhalten, denn da hat Oma Geburtstag und will jedes Jahr noch einmal die Kerzen am Baum brennen sehen. Allerdings den leichten Geruch nach Schweinestall behält er auch.

Von Bettina

 

Adventsausstellung

Meine Mama hat ein Faible für Deko-Krams. Jedes Jahr in der Adventszeit schleppte sie mich und meinen Bruder an den Samstagen mit auf große Adventsausstellungen bei den Floristen unserer Gegend. Da gab es wirklich alles. Von geschnitzten Elchen über gebundene Kränze bishin zu den neuesten Kerzenfarbentrends. Für mich als kleinen 10-Jährigen Jungen waren diese Samstagnachmittage ziemlich öde. Zwar gab es bei wirklich guten Ausstellung wenigstens eine elektrische Eisenbahn, die durch eine winterliche Landschaft tuckerte, doch die meiste Zeit stand ich mir die Beine in den Bauch und beobachte die Leute, die sich rege darüber austauschten, ob es nun modern sei einen Tannenzapfen auf einem Adventskranz zu haben.

Anders war es aber bei einer ganz bestimmten Gärtnerei. Schon wenn man den Ausstellungssaal betrat, stiegen einem die Düfte von Keksen, frischem Kakao und auch Glühwein in die Nase. Aber das war für mich gar nicht so wichtig. Ich wusste, dahinten in der Ecke, da sitzt sie, die Märchenoma. Eine alte liebevolle Omi im Schaukelstuhl mit einer Decke über den Beinen, um die herum sich alle Kinder der Ausstellungsbesucher im Schneidersitz auf dem Boden versammelten. Dort hörte ich die allerschönsten Weihnachtsgeschichten während ich eine Tasse heißen Kakao schlürfte. Durch sie wurden die Adventsausstellungen für mich interessant und ich habe meine Mama gerne begleitet.

Manchmal würde ich mich auch als 23-Jähriger gerne wieder im Schneidersitz zu der Märchenoma auf den Boden kauern und einfach nur zuhören.

Von Marcel

 

Mister Marty oder: der Mann mit dem Regenschirm

Ein Weihnachtsmann am Nikolaustag

In kirchlichen oder kirchlich-intellektuellen Kreisen gehört es schon seit langer Zeit zum guten Ton, den Weihnachtsmann doof zu finden. Viel zu amerikanisch, überzeichnet, ohne religiösen Bezug. Coca-Cola-Kommerz-Kapitalismus. So lauten die einschlägigen Kritikpunkte, die sich auch in den Bioläden und Spielplätzen von Stuttgart West oder dem Prenzlauer Berg finden – ganz unabhängig davon, ob die Kritiker*inenn selbst Christen sind. Der Weihnachtsmann ist der personifizierte vermeintliche Kulturverfall.

Ich möchte die Chance des Adventskalenders am Nikolaustag nutzen, um einen ganz besonderen Weihnachtsmann vorzustellen: Mister Marty oder der Mann mit dem Regenschirm. Mister Marty ist eine Nebenfigur in dem Weihnachtsfilm „Verrückte Weihnachten“ aus dem Jahre 2004. Dieser Film, der nicht alle Kritiker*innen restlos überzeugte, würde auch von den Kritiker*innen des Weihnachtsmanns mit Sicherheit nicht gut geheißen. Zu laut, zu schrill, zu zuckrig. Unabhängig davon ist da Mister Marty. Eine alter, aufgeweckter, kleiner Mann, der sich in einem Feinkostladen mit Erfolg zu einer spontanen Party einlädt. Auf dieser Party scheint er alle gut zu kennen, aber niemand kennt ihn. Aus Höflichkeit fragt niemand nach. Am Ende wird er vom Gastgeber der Party erkannt. Marty hat als Weihnachtsmann verkleidet den Kunden eines Feinkostgeschäfts Regenschirme angeboten. Und den Gastgeber mit seiner Höflichkeit unendlich genervt. Im Abspann des Films sieht man, wie das Auto von Mister Marty von Rentieren gezogen durch den Himmel fliegt.
Klassisches Ende. Die Frage bleibt halb offen, halb beantwortet: Ist dieser merkwürdige alte Mann der Weihnachtsmann? Die Figur ist sympathisch. Ein bescheidener älterer Herr, der für eine miese Bezahlung vor einem Geschäft den Kund*innen Regenschirme austeilt. Ihn selbst lernen die Menschen nicht kennen, er selbst „lernt immer interessante Menschen kennen“.

Der Weihnachtsmann ist nicht nur die Symbolfigur für weihnachtlichen (und insbesondere vorweihnachtlichen) Kommerz, er ist auch die Projektionsfläche für Sehnsüchte. Und genau darin ist er nicht nur eine Kopie des Nikolauses, sondern darin liegt ihre große Ähnlichkeit. Der kitschige „Coca-Cola-Weihnachtsmann“ hat mehr mit Nikolaus gemeinsam als der knorrige „Knecht-Ruprecht-Nikolaus“ der altdeutschen Tradition. Die ersten beiden geben bedingungslos. Während der bürgerliche Nikolaus aus „der guten alten Zeit“ nur den braven Kindern etwas bringt, bekommen bei Santa Claus alle etwas. Mister Marty gibt auch den unfreundlichsten Kunden einen Regenschirm. Und somit haben die im Weihnachtsmann gespiegelten Sehnsüchte etwas absurdes. Der Weihnachtsmann, der Alle beschenkt ist die Werbefigur für das große Geschäft.

Und so ist auch die kleine, unbedeutende Figur des Mister Marty ein Figur gewordener Wunsch. Der Wunsch, dass der Weihnachtsmann eben kein lauter, dröhnender Typ im Bademantel ist. Sondern ein aufmerksamer Beobachter. Der die Menschen und ihre wahren Wünsche kennt. Der dir immer einen Regenschirm anbietet, wenn du ihn brauchst. Ich finde: eine gute Sehnsucht. Gerade am Nikolaustag!

Von Paul

 

Advent, Advent

Advent, Advent, der Kalender brennt. Überraschenderweise wird auch das Jahr 2017 mit dem 31. Dezember enden, gefühlt vielleicht schon eine Woche vorher mit dem 24. Dezember. Aber wie das so ist, dringt dieses streng gehütete Geheimnis nie ganz durch. Auch zu mir nicht. Adventskalenderlos, adventskranzlos in die ach so besinnliche Zeit gestolpert. Grandios. Nicht. Zumindest in Anbetracht der irrsinnig romantischen Erwartung, es würde von heute auf morgen wieder etwas kontemplativer, entschleunigter und harmonischer werden. Bleibt wohl nur die Möglichkeit, der bisher entgangenen Glühwein- und Lichterromantik hinterherzuweinen, oder das Ganze (zugegebenermaßen nicht ganz freiwillig) mal anders anzugehen. Dass auch das möglich ist, zeigt kein anderer so enttarnend-komisch wie Gerhard Polt.

Von Mara

 

 Adventsgrüße aus Kassel und Hannover

Die Fachschaften katholische Theologie in Kassel und Hannover sind schon in Adventsstimmung und senden besinnliche Grüße zusammen mit ein paar Impressionen:

Kassel

Am ersten Dezember wurde eine Andacht gefeiert. Das Motto lautete dabei: „Einfach Mal für kurze Zeit dem alltäglichen Unistress entziehen und die Zeit Gott widmen.“
Ruhe zu gönnen als Gegenpol zum vorweihnachtlichen Stress, um sich auf den ersten Advent und das Weihnachtsfest vorzubereiten.
Mit gemeinsamen Singen, einem Impuls und freien Gebetsanliegen wurde eine Weise gefunden, inne zu halten und das, was uns bewegt, vor Gott gebracht.
Zum Abschluss des Abends ging es gemeinsam auf den Weihnachtsmarkt ??

Foto: Privat

 

Foto: Privat

Hannover

Das erste Adventswochenende wurde in Hannover mit der alljährlichen Erstsemesterfahrt gefeiert.
Dafür ging es auf den Wohldenberg bei Hildesheim um sich kennenzulernen.
Nachdem Samstag verschiedene Workshops stattfanden, wurde abends eine besinnliche Adventsmesse gefeiert. Abgerundet wurde der Abend mit Kaminfeuer,? Feuerzangenbowle und dem überraschend eintretenden Schneefall. ❄
Am Sonntag wurden die Workshops reflektiert und das Haus auf klarschiff gebracht.
Damit endete auch dieses tolle Wochenende.

Foto: Matthias Regenbrecht

 

 

Foto: Marcello Laveneziana

Von Theologiestudierenden aus Kassel und Hannover

 

Die Adventsbotschaft van Goghs

In der Weihnachtszeit begegnen mir viele Motive. Engel, Tannen, rote Mützen oder Rentiere. Drei Motive gefallen mir besonders gut.

Das Licht in Form einer Kerze. Die Kerze als Motiv der Hoffnung. Das Licht des Sterns. Über Betlehem sollte er den drei Weisen den Weg leiten. Und die Dunkelheit. Nur in die Dunkelheit hinein leuchtet der Stern oder das Licht der Kerze so magisch und wundervoll. Nur in der Nacht sind die Sterne zu sehen.

Diese drei Motive begleiten mich durch die Adventszeit. Der Kontrast zwischen dunkel und hell gefällt mir so gut, weil sie eigentlich keine Gegensätze bilden, sondern das eine erst durch das andere seine Wirkung entfaltet.

Sternennacht über der Rhone, 1888, Paris, Musée d’Orsay

Mit seinem Werk „Sternennacht über der Rhone“ hat der niederländische Künstler und Pfarrerssohn Vincent van Gogh den nächtlichen Sternenhimmel über Arles abgebildet und genau diese magische Wechselseitigkeit zwischen Hell und Dunkel umgesetzt. Das Bild ist im September 1888 entstanden, wenige Monate nachdem van Gogh von Paris nach Arles gezogen war. In Arles suchte der von psychischen Problemen geplagte Künstler Ruhe. Wie gut ihm das gelang und wie viel Hoffnung er in diesem Neuanfang sah, lässt sich aus seinen zahlreichen, mit Licht und warmen Farben durchfluteten Bildern erkennen, die in dieser Zeit entstanden. Die Werke „Caféterasse bei Nacht“, „Blühender Obstgarten“ oder auch „Das Schlafzimmer“, die wegen ihrer harmonischen Farben und Lebendigkeit beliebte Postkartenmotive sind, zeugen von dem hoffnungsvollen Licht, das Vincent van Gogh durch diese Zeit trug.

In Arles mietet er eine Wohnung, um sich seinen Traum zu verwirklichen: Er wollte ein Gemeinschaftsatelier gründen und mit anderen Künstlern leben und arbeiten. Im September bezog er die Wohnung, im Oktober folgte der Zuzug seines ersten und einzigen Mitbewohners: Paul Gauguin.

Die Künstlergemeinschaft scheiterte bereits nach zwei Monaten. In einem Streit bedroht der von Wahnvorstellungen geplagte van Gogh seinen Künstlerfreund mit einem Messer. Nachdem dieser flieht, verletzt sich van Gogh selbst und schneidet sich sein linkes Ohr ab.

Das passiert am 23.12.1888, am Abend vor Weihnachten. Nach Monaten der Hoffnung, des Lichts und des freudigen Erwartens auf eine schöne Zeit.

Zwei Wochen ist van Gogh im Krankenhaus, wenig später begibt sich er sich wegen Halluzinationen und Schlafstörungen in Behandlung. Er versucht sich zu rehabilitieren, doch schließlich weist er sich freiwillig in die Psychiatrie ein. Sein weiterer Lebensweg ist kurz und tragisch. Ein Jahr lebt er in der Nervenklinik, ein weiteres halbes Jahr in einem Dorf nahe Paris. Im Sommer 1890 stirbt van Gogh durch Suizid.

Was hat diese tragische Geschichte denn nun mit der hoffnungsvollen Adventszeit zu tun? Weshalb muss ich gerade zu dieser hoffnungsvoll-weihnachtlichen Zeit an Vincent van Gogh und dieses dunkle Kapitel seines Lebens denken?

Noch im Dezember malt van Gogh unmittelbar unter dem Eindruck des Streits Gauguins leeren Stuhl. Die Farben sind kühl. Wo eigentlich sein Mitbewohner sitzen sollte, mit dem er sich seinen Wunsch einer Künstlergemeinschaft erfüllen wollte, ist nun ein leerer Platz. In einem Brief an den Kunstkritiker Albert Aurier schreibt Vincent van Gogh: „Einige Tage vor unserer Trennung, als die Krankheit mich zwang, in eine Heilanstalt zu gehen, habe ich versucht, seinen leeren Platz zu malen“.

Öl auf Leinwand, Amsterdam, Van Gogh Museum

Auf dem grünen Strohsitz des Stuhls steht eine brennende Kerze. Links oben im Bild ist eine hell leuchtende Öllampe zu sehen.

Genau das ist es, was mich so rührt. Dass auf diesem Abbild schwerer, dunkler Zeit keine Leere ist, sondern dass dort eine Kerze und die Hoffnung brennt.

Von Christine

AGT-Adventsgrüße aus Frankfurt a.M.

An diesem zweiten Adventwochenende haben sich circa 30 StudierendenvertreterInnen aus ganz Deutschland zur Bundesvollversammlung der AGT in Frankfurt am Main getroffen.

Schwerpunktthemen in den Arbeitssitzungen an der PTH Sankt Georgen waren die (Re)Akkreditierungsverfahren, die Zukunft der Theologie und die curriculare Weiterentwicklung der theologischen Studiengänge.

Am Samstagvormittag hat uns der Limburger Bischof Dr. Bätzing besucht und uns über seine Sicht auf die Theologie in Deutschland Rede und Antwort gestanden.

Bei dieser Gelegenheit ist auch unser Gruppenfoto entstanden.

Foto: Privat

Von der AGT

 

 

Der Tag der Entspannung

Hinleitung zur Anleitung

11 Türchen stehen heute offen.

Wir fahren im hetzenden Auto der Anstrengungen und durchstreifen Autobahnen von Weihnachtseinkäufen, Verwandtschafts-Besuch-Ängsten und aufwendigem Kochen. Was lieben wir auf diesen Autobahnen die Raststätten!  Der 11. Dezember ist ein perfekter Tag für eine Pause: so perfekt wie Bäume mit bunten Blättern, Sommerurlaub am Strand.

Dem 11. Ruhe?

Man überlege sich, was man an diesem Tag tun könnte. Was ließe sich tun? Was erfüllt mit Freude, gleich einer Biene, die genug Honig gesammelt hat?  Denken wir daran, was uns ruhig macht und uns Entspannung bringt. Das Leben ist anstrengend, nicht nur zur Weihnachtszeit. Ausgeruht sein heißt ausgeglichen zu sein – ein Ziel von Jedem, ein Privileg von Wenigen! Doch der 11. soll’s nun sein. Wäre die Vorstellung von einem Hund, einer Katze und einer Maus, die gemeinsam in einem Körbchen liegen, nicht wunderschön? Wenn Wolf und Lamm aus einem Fluss trinken würden, ohne sich zu bekriegen?

Metamorphose des Schlechten zum Guten

Es müssen nicht immer Streit, Eile, Hetze sein. Gerade die Weihnachtszeit ist die ruhigste Zeit im Jahr. Wir beginnen bei uns, was strahlen soll zu anderen. Der Mensch als Individuum hat es in der Hand, nicht nur sich, sondern auch anderen Freuden zu bereiten – und das geht in völliger Ruhe. Plan und Spontaneität kämpfen, aber es ist auch egal, wer gewinnt.

Verlieren wir den Blick auf Schlechtes doch mal. Nehmen wir uns Beispiele vor: „Es schneit, ich komme morgen zu spät zur Arbeit.“ Nein! Besser: „Ich gehe im Schnee spazieren und genieße die Landschaft und die Atmosphäre, die dieses weiße, zu ehrende Gut mir beschert. Ist Schnee nicht eine Bescherung, an der sich die Bescherung an Heiligabend ein Beispiel nehmen kann?“

„Ich habe Weihnachtsstress.“ Nein! Besser: „Ich bereite alles für das Fest vor, um mir dann im Kreise der Menschen, die ich liebe, eine schöne Zeit zu machen.“

„Auf dem Weihnachtsmarkt ist es so voll und eng.“ Nein! Besser: „Es gibt noch so viele andere Menschen, mit denen ich mich gemeinsam über den wundervoll geschmückten, stimmungsvollen und eine Vielzahl an ausgezeichneten Sachen bietende Weihnachtsmarkt freuen kann. Meine Freude ist ihre Freude.“

Licht ist nicht Schatten und Schatten ist nicht Licht, aber wo Licht ist, gibt es auch Schatten und wo es Schatten gibt, gibt es auch Licht. Aber: oft fühlt man das Licht komplett ausgeschaltet zu haben… nicht heute und nicht in dieser Zeit!

Anleitende Wege zur Entspannung hin

Was entspannt zuhause? Schauen wir uns die Möglichkeiten an, die sich uns bieten, um uns Entspannung und Ruhe zu bescheren:

  1. Glühwein trinken und Lebkuchen essen
  2. ein Bad mit Ölen und Düften, Lesen eines Buches zu Weihnachten
  3. ein Weihnachtsmarktbummel in entspannter Anschauung
  4. Fernsehfilme wie „Oh Tannenbaum“ oder „Der kleine Lord“  schauen
  5. einen Weihnachtsgottesdienst bzw. Adventsgottesdienst besuchen und Gott nahe sein
  6. Plätzchen backen
  7. auswärts essen gehen
  8. Weihnachtslieder hören oder selbst spielen
  9. Geschenke selbst basteln (schöpferisch sein also)
  10. eine Feuerzangenbowle herstellen inklusive zur selben Zeit den gleichnamigen Film mit Heinz Rühmann schauen
  11. einen Tannenbaum kaufen und nach eigenem Belieben schmücken (die Wohnungsatmosphäre dankt es) oder das Schmücken der Wohnung.

Ruhe bei mir zu allen/m

Es gibt eine Menge an Dingen, die sich uns mit Weihnachten beschäftigen lassen, ohne dass wir uns dem Weihnachtsstress aussetzen müssen. Machen wir was draus und sorgen wir dafür, dass das Fest nicht Hast, sondern Ruhe wird. Eine Ruhe, mit der wir erst einmal bei uns anfangen müssen. Verlangen wir nicht von anderen, was wir selbst nicht vermögen. Also vermögen wir es!

Von Andreas

 

Winterliebe

Ich bin verliebt! Und wenn ich so aus dem Fenster schaue, lässt mein Liebhaber in diesem Jahr nicht mal lange auf sich warten.
Ich bin verliebt! Mein Liebhaber ist wunderschön. Er verändert die Welt. Er lässt Ruhe einkehren. Er macht, dass alles funkelt und glitzert. Er lässt die Welt strahlen. Er sorgt dafür, dass Eltern und Kinder, dass jedermann seine und ihre Nase vor die Tür streckt und Spaß hat. Er dämpft die tägliche Geräuschkulisse. Er macht sogar die Nacht heller, so dass man selbst im dunklen Wald ohne Taschenlampe spazierengehen kann.
Ich bin verliebt! Mein Liebhaber kommt jedes Jahr, aber er bleibt in unseren Breiten nie das ganze Jahr. Er ist weiß und kalt und nass.
Ich bin verliebt in den Schnee!

Seit heute Mittag schneit es bei uns unaufhörlich. Ich bin gespannt, wie es morgen früh aussieht, wenn ich aufwache und mein erster Blick aus dem Fenster geht. Ich genieße es jedes Jahr aufs Neue, wenn die ersten Flocken fallen. Meistens ist das selbst im Frankenland erst so richtig nach Weihnachten der Fall. Doch wenn das Wetter so bleibt, haben wir hier eine traumhafte Winterwonderland-Advents- und Weihnachtszeit vor uns.

Ich komme gerade von einem Winterspaziergang aus dem Wald wieder. Fast zwei Stunden nur ich und das tief verschneite Grün und Braun der Pflanzen. Nicht einmal die sonst so zahlreich vertretenen, allabendlichen Jogger haben die absolute Stille durchbrochen. Meine Schritte waren gedämpft, unter mir knirschte nur der Schnee. Wenn ich stehen blieb, hörte ich ihn leise vereist auf meiner Jacke kratzen, während er langsam vom Himmel fiel. In der Ferne hab ich, glaub ich, einige Geweihträger miteinander oder mit Bäumen kämpfen gehört.

Der verschneite Winter ist einfach wunderschön und deshalb gibt es heute von mir zum Abschluss diesen Klassiker des deutschen Weihnachtsliedes. Viel Spaß beim Anhören und Genießen!

Von Bettina

 

Erwartung im Singular

Die Adventszeit ist eine Zeit der Erwartungen. Es wird erwartet, dass festlich geschmückt wird, ein Adventskranz muss her, Kerzenschein und am besten selbstgebackene Plätzchen. Es wird erwartet, dass ich zu den Weihnachtsfeiern gehe, die so anstehen, und auf dem Weihnachtsmarkt war ich doch bestimmt auch schon, oder?! Es wird erwartet, dass ich mir Gedanken um meine Lieben mache, wenn schon nicht in Form von Geschenken, dann doch immerhin so, dass ich an sie denke, sie besuche, ihnen vielleicht eine Karte schreibe – am besten natürlich mit der Hand. Es wird erwartet, dass dabei alles noch möglichst besinnlich ist. Aber gleichzeitig wird irgendwie erwartet, dass sich alle darüber beklagen, dass die Besinnlichkeit in all diesem Stress so unter geht.

Die Erwartungen, die es in meinem christlichen Kontext zur Advents- und Weihnachtszeit gibt, sind groß – nicht immer explizit, aber doch da. Ich schaffe es nicht, allen Erwartungen gerecht zu werden. Das will ich auch nicht und vor allem: das ist nicht schlimm. Den meisten geht es doch genau wie mir. In dieser Adventszeit möchte ich die Dinge in meinem Tempo angehen, mich frei machen von den Erwartungen anderer und auch mit meinen eigenen Erwartungen an mich selbst ein bisschen lockerer umgehen. Das klappt mal mehr, mal weniger. Vor allem möchte ich eines: Den Advent wieder zu einer Zeit der Erwartung im Singular zu machen. Ich möchte warten auf das Kind in der Krippe, auf Gott selbst, der in Jesus Christus Mensch wird. Ich möchte darauf warten, zu feiern, dass er in die Welt kommt und etwas Neues beginnt, eine große Freude, ein lautes „Fürchte dich nicht“. Am Anfang zaghaft, klein und scheinbar unbedeutend. Und doch eine Geschichte, die die Menschen auch nach 2000 Jahren noch berührt und anspricht.

Die Erwartung Gottes in dieser Welt – das ist es, was mir im Advent wichtig ist. Alles andere tritt in den Hintergrund. Es steht fest, selbst wenn ich alle ausgesprochenen und unausgesprochenen Erwartungen an mich nicht erfülle: Gott hat meine Erwartung schon mehr als  erfüllt. Angesichts dessen schmücke ich gerne die Wohnung und lasse das Kerzenlicht seinen Schein in die Dunkelheit tragen – nicht weil es erwartet wird, sondern als Zeichen der Hoffnung und der Freude.

Von Anja

 

Zur Krippe her kommet…

Als kleiner Junge „zerrte“ mich meine Mutter immer auf den Weihnachtsmarkt nach Chemnitz. Zugegeben, mit fünf Jahren freute ich mich mehr auf die Zuckerwatte, als auf das, was im Anschluss folgte: Den Besuch der Krippenausstellung in der Jakobikirche.

Damals war die Kirche fast ein reiner Lagerraum, ein Erbe der DDR. Ich erinnere mich noch an die Enge in diesem Raum: dicht an dicht standen die Weihnachtskrippen herum. Manche waren zweihundert Jahre alt, andere erst angefertigt von Schnitzvereinen. Die Menschen selbst warfen interessierte Blicke auf die Kunstwerke, verharrten vielleicht einige Minuten, bevor sie stillschweigend weitergingen. Jahr für Jahr dasselbe. Irgendwann ging meine Mutter nicht mehr mit, sie hatte andere Sorgen. Doch mich zog es jedes Jahr wieder in dieses Kirchgebäude, das langsam aber stetig restauriert wurde. Und auch die Krippen wechselten sich – teilweise – ab.

Plastischen Krippendarstellungen wie diese finden sich spätestens seit dem Mittelalter, damals noch als lebensgroß geschnitzte Figuren. Oft wurde aber auch geschauspielert, um die Krippenszene möglichst echt darzustellen. Josef und Maria standen dann vor dem Kirchenaltar, in der Mitte ein lebensechtes Baby. Ab dem 18. Jahrhundert verkleinerten sich die Holzkrippen, wenig später standen sie bereits in den meisten Haushalten. Im Erzgebirge hatte dies mit dem Ende des Bergbaus zu tun: Die Bergmänner begannen, zuhause die allseits bekannten Schwibbögen, später auch Haushaltskrippen, zu schnitzen. Anfangs taten sie dies lediglich, um sich etwas Zubrot zu verdienen, später hauptberuflich. Bis heute finden sich auf den Weihnachtsmärkten Stände, die Krippen und „Erzgebirgische“ Holzkunst verkaufen.

Auch in meinem kleinen WG-Zimmer steht eine geschnitzte Krippe. Warum? Ich kenne es nicht anders, es ist Tradition. Ähnlich wie die Ausstellung in der Stadtkirche von Chemnitz. Der kleine Lagerraum ist inzwischen völlig freigeräumt, das Gebäude fast vollständig intakt. Lediglich der Sandsteinaltar fehlt noch, der soll nächstes Jahr aufgebaut werden.

Nicht nur der „kleine Junge“ ist groß geworden, auch der Kirchraum vergrößert sich wieder.

Von Toni

 

„Als säher er ihn“

„Durch den Glauben verließ Mose Ägypten und fürchtete nicht den Zorn des Königs; denn er hielt sich an den, den er nicht sah, als sähe er ihn.“ Hebräer 11,27

Die Tageslosung für den heutigen Tag steht im Hebräerbrief und erzählt uns von Moses großem Glauben an jemanden, den er nicht sah. Und dennoch hat sein Glaube der Unsicherheit zum Trotz dazu geführt, dass Mose alles hinter sich gelassen hat und mit dem Volk Israel aus Ägypten auszog.

Aber besonders der zweite Teil der Losung ist heute für uns aktuell. „denn er hielt sich an den, den er nicht sah, als sähe er ihn.“ In Zeiten von vermeintlicher Konkurrenz zwischen Glaube und Wissenschaft ein starker Satz. Auch wenn wir Gott nicht sehen können, können wir uns dennoch – wie Mose – an ihn halten und müssen uns nicht fürchten. „Fürchtet euch nicht! Siehe, ich  verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird.“ (Lk 2,10) sagte auch der Engel zu den Hirten auf dem Feld.

Für uns in der Adventszeit verbinden sich beide Sätze zu einer Botschaft. Noch warten wir auf den, der da kommen wird und sehen ihn nicht. Und doch sind wir ohne Furcht und tuen so, als sähen wir ihn schon. Voller Vorfreude werden Plätzchen gebacken, Geschenke gekauft und eingepackt, Lieder gesungen, Punsch getrunken und im Schnee spaziert. Auf diese Traditionen freut man sich meist schon das ganze Jahr.

Mich beruhigen meist die Adventscafés, die bei mir im Wohnheim von verschiedenen Mitbewohner*innen ausgerichtet werden. Dort gibt es immer selbstgebackene Kekse, Punsch oder Glühwein, schöne Musik und nette Leute. Dann sitzen wir einfach eine Stunde beisammen, reden und freuen uns auf die noch vor uns liegende Adventszeit und Weihnachten. Auf den womöglich fallenden Schnee, die Heimat und Familie, das leckere Weihnachtessen, den geschmückten Weihnachtsbaum und die vielen kleinen Traditionen, die in der Familie weitergegeben werden. Das Gefühl endlich Weihnachten mit der ganzen Familie im Gottesdienst zu sitzen und der Weihnachtsgeschichte zu lauschen, gehört zu meinen liebsten Kindheitserinnerungen. Darauf habe ich den Advent über gewartet, voller Vorfreude gespürt, dass da etwas ist, dass da etwas wird, dass da etwas kommt. Noch nicht da, doch schon nah, doch schon nah.

Begleitet hat mich in diesem Advent passend zur heutigen Losung das Lied „Sehen können“ von Eugen Eckert mit der Melodie von Joachim Raabe.

Von Malina

 

 

Adventsgrüße aus Regensburg und Vallendar

Mit einem Gedicht grüßt die Fachschaft Katholische Theologie der Uni Regensburg.

Begegnungen

Und wenn ich dich grüße.
Und du mit einem Lächeln antwortest.
Und wenn du mich aus meiner Eile holst.
Und deine Langsamkeit mich innehalten lässt – Wie oft ist mir da schon Gott begegnet.
Und wenn ich bei dir zu Gast bin.
Und deine Geschichten von früher höre.
Und wenn du schweigsam bist.
Und wir nur still beieinander sitzen – Wie oft ist mir da schon Gott begegnet.
Und wenn ich dir Mut zuspreche.
Und deine Träne abtrocknen.
Und wenn du dich an mir festhältst.
Und mir das Gefühl gibst, stark zu sein – Wie oft ist mir da schon Gott begegnet.
Und niemand etwas beweisen muss.
Und ich genüge und du genügst.
Und du mit mir.
Und ich mit dir – Wie oft schon Immanuel – Gott mit uns.

Ute Jenisch

Weihnachtliche Eindrücke von einer Lichterprozession durch die PTH zugesandt von Kommiliton*innen aus Vallendar.

Foto: Privat

Von der Fachschaft Katholische Theologie Regensburg und Studierenden der PTH Vallendar

 

Siehe, dein König kommt zu dir

„Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitend auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin.“ Sacharja 9,9

Diesen Vers verarbeitete der Pfarrer Friedrich Heinrich Ranke, als er den Liedtext zu Händels wunderbarer Melodie für das Adventslied „Tochter Zion“ dichtete – mein Lieblingslied.

„Siehe, dein König kommt zu dir.“ – So genau mag man manchmal aber gar nicht hinsehen. Viel Grund zur Freude gibt es nicht. Selbst dann, wenn sich viele Menschen bemühen, es anders zu machen. Oder?

Ich bleibe häufig am Schweren hängen:
In der Welt sind Menschen auf der Flucht, versuchen, sich vor Gewalt und Hass zu schützen. Kommen zu uns, gehen in benachbarte Länder, hoffen, dass sie zur Ruhe kommen können.
Gleichzeitig rüsten viele angesichts der Menschen, die in unser Land kommen, mit Worten und Taten auf und versuchen, ihre politischen Interessen auf dem Rücken dieser durchzusetzen. Religiöse Extremisten überall in der Welt verbreiten Schrecken und Angst. Wenn ich da genauer hinsehe, kann ich erstmal keinen Grund zur Freude entdecken.

Aber das Adventslied „Tochter Zion“ liefert mir darauf eine Antwort.

„Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitend auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin.“ Die Antwort erscheint mir fast zu wunderbar: mein König – einer wie ich selbst. Einer, der es noch nicht weit gebracht hat auf dieser Welt, was Macht, Reichtum und Stärke anbelangt. Einer, dem es nicht darauf ankommt, andere Länder zu erobern. Sondern mein Herz.

Ein anrührender König, der mein Herz erobert. Und wer das schafft, wer die Herzen der Menschen ohne Kampf erreicht, dieser König, auf einem Esel, ist gerecht, er hilft und, was noch viel wichtiger ist: er entwaffnet.

Frieden, den brauchen wir. Heute wie damals. Menschen setzen weiterhin auf Krieg. Auch die, die sich diesem König verschrieben haben. Der Welt fällt immer noch nichts Besseres ein, als mit Waffen zu kämpfen, damit Frieden werde.
Mein König schlägt entwaffnend arm. Fragt mich, ob ich ihn einziehen lasse in mein Herz, ob ich ihm folgen will, um Liebe, Gerechtigkeit und Hilfe zu bringen.

Wir warten auf Weihnachten. Und leben in der Verheißung, dass mit Weihnachten Gott Mensch geworden ist, dass Frieden und Gerechtigkeit angebrochen sind. Die Verheißung, die mit diesem Kind in die Welt gekommen ist, hat Kraft. Sie kann uns stärken und tragen. So verschafft sich die Freudenbotschaft vielleich auch in uns neu Raum und wir können wirklich singen:

Tochter Zion, freue dich, jauchze laut, Jerusalem! Sieh, dein König kommt zu dir.

Von Leonie

 

 

Die Glaubwürdigkeit der Liebe

Des Königssohnes Hochzeit stand bevor und drum war die allgemeine Freude groß.
Die letzte Nummer auf dem Programm war ein Feuerwerk.
Sobald der königliche Pyrotechniker alles an seinen richtigen Platz gebracht hatte, begann das Feuerwerk untereinander sich zu unterhalten.

„ Aber die Liebe ist nicht mehr in Mode, die Dichter haben sie getötet. Sie schrieben so viel über sie, dass ihnen niemand mehr glaubte, was mich nicht wunderte.
Denn wahre Liebe leidet und schweigt.
Ich erinnere mich, wie ich selbst einmal … Aber darum kümmert sich jetzt niemand – die Romantik gehört der Vergangenheit an“, meinte ein nachdenkliches Feuerrad, das seit seiner Kindheit an einer alten Spanschachtel befestigt war und sich mit seinem gebrochenen Herzen brüstete. „Unsinn“, sagte eine römische Kerze, „die Romantik stirbt nie. Sie ist wie der Mond und lebt ewig.“

Oscar Wilde

Von Johanna

 

Liedanzeiger

Vor einigen Wochen besuchte ich den Sonntagsgottesdienst in einem kleinen Städtchen am Harz. Während der Predigt schweifte mein Blick durch die Kirche und blieb an der Empore hängen – genauer gesagt an der Tafel, auf der die Lieder mithilfe von einschiebbaren Nummernplättchen angezeigt werden. Ich stutzte: Obwohl die Empore komplett leer war, waren die aktuellen Lieder auf der Tafel angeschlagen.

Welch eine schöne Symbolik! Das ist Kirche, wie ich sie mir wünsche: Eine Kirche, die zuversichtlich ist, dass ihre Gottesdienste immer derart gut besucht sind, dass die Empore aufgemacht werden muss, damit alle Gläubigen Platz finden. Eine Kirche, die selbstbewusst ist und in dem Glauben lebt, etwas Bedeutsames und Lebensspendendes anzubieten. Eine Kirche, die Gott vertraut und darauf, dass ihn die Menschen suchen. Eine Kirche, die diese Menschen willkommen heißt.

Darum geht es im Advent, ja auch in den folgenden 48 Wochen des Kirchenjahres: In der Bereitschaft zu leben, willkommen zu heißen.

Von Jan

 

Die Verheißung

Dass der Advent seinen Namen vom lateinischen Wort adventus hat, ist kein großes Geheimnis, dass es übersetzt Ankunft bedeutet auch nicht. Trotzdem hat es Jahr für Jahr etwas faszinierendes: Tag für Tag und Türchen für Türchen, Sonntag für Sonntag und Kerze für Kerze warten auf das, was da kommt. Auf das Versprechen, das in der Nacht des 24. Dezembers gefeiert wird, den Gott, der ganz klein, menschlich und Teil der konkreten Geschichte wird – ohne irgendetwas aufzugeben.

Vier Tage liegen noch zwischen uns und dem großen Fest, vier Tage, die den letzten Minuten bevor der Zug kommt ähneln und den Sekunden vor dem Aussprechen eines wichtigen Satzes. Die letzte Etappe, in der die Ungeduld schon stechend wird und das neugierige Warten ins nervös auf dem Stuhl Herumrutschen abdriftet. Vier Tage Endspurt, vier Tage Geduldsprobe, bis es soweit ist und das Versprechen der Ankunft eingelöst wird. So romantisch und vielversprechend es jedes Jahr aufs Neue klingt, nach Weihnachten geht es doch wieder weiter. Pragmatisch gesehen ein bisschen vollgegessener und entspannter, aber es geht doch weiter: Silvester, Neujahr und zurück in den Alltag. An den Platz der Vorfreude rückt wieder der Normalzustand, es wartet nicht mehr hinter jedem Tag ein Türchen und bis zum nächsten Fest ist es noch lange hin. Fast ein bisschen sysiphushaft, denn wo bleibt das/die/der Angekommene danach? Verräumt mit den Christbaumkugeln, aufgegessen mit den letzten Schokoladenresten und gegen 2€ Pfand am Glühweinstand zurückgegeben bis zum nächsten Advent, in dem es dann wieder heißt: Weiter warten, weiter unterwegs sein – Auf ein Neues?

Ja und Nein. Ja, denn es geht weiter und ja, es wird auch wieder Alltag sein. Nein, denn das, auf was wir gerade warten, kommt und löst etwas ein, verwandelt – auch über die Feiertage hinaus. Ohne das erwartungsvolle Herumrutschen, aktiv und manchmal ungeduldig werden geht es doch nicht, wie kämen wir sonst vom Fleck und der Verheißung entgegen?
Oder um mir die Worte Alfred Delps, eines 1945 von den Nationalsozialisten hingerichteten Jesuiten zu sagen:

Lasst uns wandern und fahren, lasst uns die Straßen und Schrecken des Lebens nicht scheuen und fürchten: in uns ist ein Neues geworden; und wir wollen nicht müde werden, dem Stern der Verheißung zu glauben und den singenden Engeln ihr Gloria zuzugestehen, wenn auch manchmal unter Tränen. Es wurde doch unsere Not gewendet, weil wir ihr überlegen geworden sind. 

(Alfred Delp, Mit gefesselten Händen. Aufzeichnungen aus dem Gefängnis. Freiburg, 2007)

Von Mara

 

 

Advent in Sankt Augustin

Auch die PTH Sankt Augustin schließt sich den Adventsgrüßen der katholischen Fachschaften an. Zu sehen sind Bilder einer Roratemesse, der Adventsfeier und des Besuchs des Heiligen Nikolaus, der Studis und Dozenten mit Schokoladennikoläusen belohnte.

Von Studierenden der PTH Sankt Augustin

 

 

Vom lebendigen Advent…

Vom Adventsgottesdienst zum Weihnachtsmarkt zum Adventsliedersingen zur Weihnachtsfeier zum Plätzchenbacken zum Weihnachtsshopping und weiter zur nächsten Weihnachtsfeier. Wenn man sich einmal damit abgefunden hat, dass es unglaublich viel zu tun gibt und man eigentlich alles gerne macht, dann ist es kein Stress mehr. Dann sind es einfach jede Menge besinnliche Aktivitäten. Jedes Jahr neu nehmen wir uns vor, weniger zu unternehmen, würden es dann aber doch bereuen, etwas ausfallen zu lassen. Mittlerweile gehört der Stress zur Weihnachtszeit und das könnte vor allem die Kirche zugeben – sie tut ihren Teil zum übermäßigen Veranstaltungsangebot dazu und kann sich das Mahnen zur Besinnlichkeit oft sparen. Wieso ist der Stress in der Weihnachtszeit eigentlich immer so schlimm und verteufelt? Kann man nicht auch von Besinnlichkeit zu Besinnlichkeit hetzen? Vielleicht ist die Weihnachtszeit stressig, aber doch wohl positiver Stress, oder?

Für mich geht die Besinnlichkeit nicht durch die Hetze verloren, weil ich in meinem Alltag auch gerne überall dabei sein möchte und irgendwie immer unterwegs bin. Woraus ich dabei meine Kraft ziehe, sind die Ruhemomente, die ich für mich alleine habe. Und die schwinden tatsächlich in der Weihnachtszeit, wegen der vielen tollen gemeinschaftlichen Aktivitäten. Das ist schön, schließlich ist Gemeinschaft ein zentrales Gut im Christentum und damit besteht auch irgendwie ein Bezug zum Advent. Gemeinschaft kann auch ziemlich „besinnlich“ sein und damit der Idealzustand der Adventszeit.

Aber Gemeinschaft kann auch anstrengend sein. Das weiß jede(r), die/der auf dem Weihnachtsmarkt sogar anstehen muss, nur um die Glühweintasse zurückzugeben. Wenn wir uns nach drei aufeinanderfolgenden Feiertagen mit Familie erschlagen fühlen, liegt das meist nicht nur an dem Essen. Und in der Adventszeit haben viele Weihnachtsfeiern fast schon verpflichtenden Charakter gewonnen, wenn dann sogar „Wichteln“ angesagt ist, gilt es nur noch ein Geschenk mehr kaufen zu müssen – außer es ist Schrottwichteln. Dann wird Gemeinschaft zum negativen Stress.

Die gesellschaftliche Erwartung an besonders viel Gemeinschaft, Besinnlichkeit, Gemütlichkeit und freudige Erwartung wird besonders dann schwierig, wenn man so überhaupt (noch) gar nicht dazu in Stimmung ist. Gerade beim grundlosen Winter Blues oder Melancholie mit Ursache kann zu viel Gemeinschaft auch den Stress verstärken und vom Wesentlichen ablenken.

Vom inneren Advent

Besinnlichkeit heißt, sich auch auf das zu besinnen, was im tiefsten Innern ist, was vielleicht nur man selbst braucht, ohne sich dessen bewusst zu sein. Das gilt für Atheistinnnen und Fromme gleichermaßen. Was ist mir eigentlich (gerade oder immer) wichtig? Diese Frage zu stellen ist selbst ein menschliches Bedürfnis – neben der Gemeinschaft. Manchmal tut uns besonders in der Weihnachtszeit ein innerer Advent ganz gut. Ein Stündchen Allein-Sein. Im Kerzenschein alleine entspannen, alleine Weihnachtslieder hören (und schräg mitsingen, ohne dass es jemanden stört) oder vielleicht auch die Gemeinschaft nur mit Gott suchen, in einem stillen Gebet. So wird dem „Geist der Weihnacht“ oft mehr Raum gegeben, als in vielen anderen „adventlichen Aktivitäten“. Und auch das darf sein, der Advent ermutigt uns sogar dazu. Manchmal lässt er sich sogar besser genießen und am Ende heißt es dann vielleicht nicht, die Weihnachtszeit sei wieder so schnell vorbeigegangen.

Auch jetzt ist es noch nicht zu spät! Einmal kurz vergessen, was der nächste Programmpunkt ist und welche Geschenke noch fehlen. Diese Momente sind natürlich selten und doch sind sie für mich besonders adventlich. Sie machen mich dankbar für die vielen Geschenke, die mir schon gegeben wurden.

Und bevor das große Fest und noch größere Gemeinschaft wirklich vor der Tür steht, ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt das Alleinsein zu genießen. Ab dem Heiligabendgottesdienst, egal ob als Pflichtprogramm, Tradition oder Feier der Geburt Jesu Christi –  wenn man dort eingequetscht auf der Bank sitzt, weiß man eigentlich, dass es für wahre Besinnlichkeit schon wieder zu spät ist.

Von Onno

 

 

Die andere Spendenaktion

Wir Kölner waren kurz vor Weihnachten gemeinsam Blutspenden und der Erlös wird dem Kinder- und Jugendhospiz Balthasar in Olpe gespendet. Wir wünschen allen frohe und gesegnete Weihnachten.
Und… wer noch nie Blutspenden war, probiert es doch mal aus! #blutspende #nächstenliebe #1fcköln <3

Von der Fachschaft Katholische Theologie Köln

Heiligabend

Ein wildes Durcheinander aus Mützen und Jacken, Geschenken und Kerzen, Kindergeschrei und Lachen. Geschirrberge in der Küche; eine Spielewiese auf dem Wohnzimmerboden. Es wird spät.

Hinter den letzten schließe ich die Tür. Atme tief ein.

Und langsam wieder aus.

Stille.

Ich lösche das Licht, lasse nur die Kerzen noch brennen. Ich setze mich in meinen Sessel, der einmal dein Sessel war und schließe meine Augen.

Ich bin alleine, aber ich stelle mir vor, du wärst hier.

Ich erzähle dir von meinem Weihnachtsabend.

Vom Gottesdienst.

Von den Kindern.

Von den Enkelkindern.

Von der Aufregung.

Von dem großen und dem kleinen Drama.

Von gebrochenen Herzen und verlorenen Milchzähnen.

Von Erfolg und Misserfolg.

Von einer langen Umarmung.

Ich denke an die vielen Weihnachtsabende zurück, die wir gemeinsam verbracht haben und bin dankbar für die Zeit, die ich mit dir teilen durfte.

Auch wenn ich alleine bin und auch wenn du fehlst, muss ich doch nicht einsam sein.

Von Deborah

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