5. Dezember Adventsausstellung

Meine Mama hat ein Faible für Deko-Krams. Jedes Jahr in der Adventszeit schleppte sie mich und meinen Bruder an den Samstagen mit auf große Adventsausstellungen bei den Floristen unserer Gegend. Da gab es wirklich alles. Von geschnitzten Elchen über gebundene Kränze bishin zu den neuesten Kerzenfarbentrends. Für mich als kleinen 10-Jährigen Jungen waren diese Samstagnachmittage ziemlich öde. Zwar gab es bei wirklich guten Ausstellung wenigstens eine elektrische Eisenbahn, die durch eine winterliche Landschaft tuckerte, doch die meiste Zeit stand ich mir die Beine in den Bauch und beobachte die Leute, die sich rege darüber austauschten, ob es nun modern sei einen Tannenzapfen auf einem Adventskranz zu haben.

Anders war es aber bei einer ganz bestimmten Gärtnerei. Schon wenn man den Ausstellungssaal betrat, stiegen einem die Düfte von Keksen, frischem Kakao und auch Glühwein in die Nase. Aber das war für mich gar nicht so wichtig. Ich wusste, dahinten in der Ecke, da sitzt sie, die Märchenoma. Eine alte liebevolle Omi im Schaukelstuhl mit einer Decke über den Beinen, um die herum sich alle Kinder der Ausstellungsbesucher im Schneidersitz auf dem Boden versammelten. Dort hörte ich die allerschönsten Weihnachtsgeschichten während ich eine Tasse heißen Kakao schlürfte. Durch sie wurden die Adventsausstellungen für mich interessant und ich habe meine Mama gerne begleitet.

Manchmal würde ich mich auch als 23-Jähriger gerne wieder im Schneidersitz zu der Märchenoma auf den Boden kauern und einfach nur zuhören.

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