Moment Mal: Bäumchen wechsle dich in der Theologenversion

Ich hatte heute einen schönen Weg Richtung Bibliothek hinter mir. Ich ließ lässig das rote Rathaus, die Universitätskirche und den Berliner Dom sowie die Berliner Weihnachtszeit, eine Einrichtung im Sinne eines Weihnachtsmarktes, links liegen und bog am Spreekanal zu der Theologischen Fakultät in Berlin ein. Die Innenstadtlage ist ein Argument mehr, warum es auch eine katholische Fakultät in Berlin geben sollte. Dies sollte nicht voreilig unter Glaubensschwestern und -brüdern vorenthalten werden.

Nun ja, Theologiestudierende und Pfarrer kennen diese Situation: Ein Besuch bei Freunden an anderen Studienorten, an einer anderen Landeskirche oder in einem anderen Bistum. Auch ich bekenne mich – wie so viele – im Sinne dieser Anklage schuldig. Und die Sehnsucht zum Wechsel ist durchaus irgendwie im Studium angelegt. Aber nicht nur die Länge des Studiums, in der sich ein Wechsel gut umsetzen lässt, legt diese Möglichkeit nahe. Denn auch viele Studierende in gestuften Studiengängen wechseln schließlich auch ihre Universität. Studieren ihren Bachelor hier, den Master dort.

Es gehört durchaus eher häufig zum guten Ton, in einer anderen Stadt Kultur, Lehrende und das Fakultätsleben am eigenen Leib nachvollzogen zu haben. Wobei ich subjektiv das Gefühl habe, dass die historische Tradition des Wechsels mehr in der evangelischen Theologie verankert ist. Besonders bei Priesterseminaristen ist oftmals ein Wechsel während des Studiums vorgesehen. Aber die intrinsische Motivation und die Organisation ist nicht immer ganz dieselbe.

In dieser Woche habe ich wieder erlebt, wie es so ist, wenn sich zwei gestandene Studierende im Hauptstudium in der Vorbereitung auf die Abschlussprüfungen mit Blick auf den silbernen Streif am Horizont, der sich Examen nennt, kennen lernen. Mindestens über die ersten zehn Minuten wird über die drei oder sogar vier erlebten Studienorte ausgetauscht, insbesondere wohlklingende und wohlbekannte Professorennamen fallen gelassen und deren zentrale Ansichten in einem Kurzreferat eingebracht. Getreu dem Motto: Ich bin, wo ich war. Klar, haben sie auch etwas recht. Ein Studienort prägt. Aber im Nachgang möchte ich den Kommilitonen zurufen, dass Themen, insbesondere in der eigenen Reflexion, wichtiger sind.

Selbstverständlich und erfreulicherweise gibt es viele unterschiedliche Schwerpunkte an den Fakultäten. Aber ob mich diese überhaupt erreichen, hängt an jedem Einzelnen und nicht nur an der physischen Verankerung in der Welt, denn Bücher werden nicht nur am Wirkungsort einer Professorin oder eines Professors verlegt und entsprechende Fachtagungen, die für Studierende häufig offen sind, können in den Semesterferien besucht werden. Würde ich heute ein solches Gespräch wieder erleben, würde ich – zumindest in der heutigen Stimmung und vorausgesetzt, ausreichend Mut für eine Unhöflichkeit aufbringen zu können – einschreiten und den Gesprächspartnerinnen oder Gesprächspartnern sagen: Tauscht euch doch lieber aus über die Ergebnisse der letzten Hauptseminararbeit, die ihr mit der Note 1,0 oder sehr gut abgeschlossen habt. Getreu diesen Mottos: Du bist, was du denkst. Nur Mut für eigene Gedanken.

Schlagwörter: , , ,

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.