Der SETh auf großer Reise Nach Wien und in neue Perspektiven

Ich fange mal vorne an: Im Flugzeug war ich richtig aufgedreht. Immerhin war ich auf dem Weg nach Wien – da soll’s richtig schön sein! Außerdem erwartete mich meine erste Vollversammlung des SETh — also lauter Theologiestudent*innen aus ganz Deutschland und Österreich und viele wichtige Tagesordnungspunkte. Vielleicht war die Aufregung im Flieger aber auch nur durch den Kaffee mit Zucker ausgelöst worden…

In Wien selbst hab ich mich erstmal zwischen den strahlend-weißen Fassaden verlaufen. Auf dem Weg zum Tagungsort kam ich dann zum Beispiel am Stephansdom, der Kirche mit den farbenfrohen Ziegeln auf dem Dach und dem dem Café Central, ein Kaffeehaus, vor dem die Tourist*innen — zu meinem Erstaunen — in einer langen Schlange bis auf die andere Straßenseite warten, um einen Tisch im Café zu bekommen, vorbei.

Und dann war ich mitten im Geschehen: In der evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Wien waren die meisten anderen Teilnehmer*innen des SETh bereits angereist und es herrschte  warme Wiedersehensstimmung. Ich mischte mich unter die verschiedenen Leute und knüpfte erste Kontakte. Bald fühlte ich mich gar nicht mehr so neu. Und natürlich gab es auch Schnittchen und Obst — Klasse, das Wochenende konnte also starten!

Österreich ist mehrheitlich katholisch geprägt. Laut statista.de waren im Jahr 2016 über 60% katholisch. Evangelisch dagegen nur etwa 3%. Gegen Abend erfuhren wir in einem Vortrag eines Promovenden der Wiener theologischen Fakultät mehr über die protestantische Geschichte und Gegenwart — im 16. Jahrhundert war schließlich der Großteil der Bevölkerung protestantisch.

Für die Nacht mussten wir uns dann zwischen lutherischer und reformierter Kirche entscheiden: Die Kirchen beider Denominationen liegen in der Wiener Innenstadt direkt nebeneinander und baten uns ein Schlafquartier. Zum Glück hatte ich mir für die kurze Nacht Ohrenstöpsel besorgt und konnte so wenigstens ein paar Stunden Schlafen und natürlich prompt auch verschlafen: Als ich wieder aufwachte, waren alle schon beim Frühstück und — Was für ein Start in den Tag…

Die Sitzungen des SETh haben so ihre Eigenarten: Ich glaube, am wichtigsten ist die basisdemokratische Organisation. Wir haben sogar für die Wahlleitung für die späteren Wahlen gewählt! Am besten finde ich es aber, dass zwischendurch auch gerne mal ein Lied gesungen wird und während jeder noch so hitzigen Diskussion die eine oder der andere ein Bild auf dem Laptop malt oder Socken strickt.

Natürlich waren wir auch inhaltlich fleißig: So überarbeiteten wir unsere Stellungnahme zur Studierbarkeit des Magisterstudienganges Theologie, die in der Fachkommission für das evangelische Theologiestudium zunächst nicht so gut angekommen war. Fordern wir nun etwa ein Bachelor-/Mastersystem? Nein, wir stehen hinter dem System des Ersten Theologischen Examens, haben aber einige Verbesserungsvorschläge, so zum Beispiel in Bezug auf die auf zehn Semester festgelegte Regelstudienzeit oder die Praxis, dass Prüfungsleistungen aus dem Hauptstudium in die Berechnung der Gesamt-Examensnote einbezogen werden können.

Auch beschäftigten wir uns mit der Stellungnahme der Heidelberger Fachschaft zum Fall Ondrej Prostredník, einem Dozenten an der Comenius-Universität in Bratislava. Diesem wurde aufgrund der Teilnahme an einer Demonstration für LGBTQI*- Rechte und einer Rede im Rahmen der dortigen Kundgebung zum Thema „Die Kultur der Verbindlichkeit fördern“ durch die Evangelische Kirche in der Slowakei die Lehrerlaubnis entzogen. Wir als SETh unterstützen diese Stellungnahme und solidarisieren uns mit Herrn Prostredník. Wir möchten uns deutlich für die Freiheit der Lehre und einen offenen und fairen Austausch über theologische Streitfragen aussprechen.

Schwierig war das Thema Antidiskriminierung. Für manche ein rotes Tuch, nachdem erst während der letzten Vollversammlung gegen fünf Uhr morgens endlich die Antidiskriminierungsvorschrift verabschiedet worden war. Nun muss sie sich auch den kritischen Gegenstimmen gegenüber bewähren und zeigen, wie wichtig sie tatsächlich für unsere Sitzungen und darüber hinaus ist.

Ich glaube, dass sich die erste Reise des SETh über die Grenzen Deutschlands hinweg schon allein wegen der Vernetzung mit unseren österreichischen Kolleg*innen gelohnt hat und auch in ökumenischen Belangen ging es voran: Zusammen mit Vertretern unseres katholischen Pendants, der AGT, arbeiteten wir im Volkspark bei strahlendem Sonnenschein die Pläne der Ökumenischen Tagung vom 8. bis 10. Juni 2018 in München weiter aus. Ein Termin, den ihr euch jetzt schon im Kalender markieren solltet.

Am Sonntagmorgen wurde es für mich dann richtig „ernst“. Ich war in der vorherigen Nacht in das Amt der  Portalleitung von theologiestudierende.de gewählt worden und wurde nun von allen Seiten beglückwünscht und mit Informationen überhäuft. In meiner Müdigkeit versuchte ich mir so viel wie möglich zu merken.

Bis zur nächsten Vollversammlung im Januar in Tübingen haben der SETh und ich also noch Einiges vor uns: Wir kommen zurück in unsere Basen — so nennen wir die Fakultäten und Konvente, die uns delegiert haben — und bringen Denkanstöße mit. Nicht nur zum Thema Antidiskriminierung, sondern auch zu den Lebensformen junger Pfarrer*innen, welche neu durchdacht werden sollen. Und ich — bei mir geht es hier jetzt erst so richtig los!

 

Foto: Lisa Kunze

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