Moment Mal: „schon gut genug“ Kritik am "Wort zum Sonntag" zum Reformationstag

Pfarrerin Elisabeth Rabe-Winnen aus der lutherischen Gemeinde Lengede, in der Nähe von Braunschweig (evangelisch-lutherische Landeskirche Hannover), hielt in der ARD am 28. Oktober um 23:40 Uhr das „Wort zum Sonntag„. Es war mehr oder weniger Zufall, dass ich beim Zappen darauf stieß, aber als Theologiestudent interessiert einen natürlich, was man in Deutschland so zum Reformationstag anzumerken hat. Leider hat es mir nicht gefallen: Zwar verpackte Rabe-Winnen die Botschaft gekonnt in „preacher-slam“ Manier,  theologisch war aber – meiner Meinung nach – einiges fragwürdig.

Von der Buße

Sie zitierte aus der Lutherbibel 2017 Röm. 3,28: „So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben“, und unterstrich folgerichtig, dass man als Christin und Christ auf  „Verdienst[e] nicht bauen“ kann, möchte man aus der Gnade Gottes leben.

„Du musst nichts tun, um den Himmel zu verdienen. Du bist schon gut genug. Du bist frei zu leben. Ohne den Druck, Dich selbst zu entwerfen. […] Du bist wie Du bist. Und genau so liebt der Himmlische Dich. Und das spürst Du, wenn Du vertraust. Du musst nichts dafür tun.“

Hier wird für meine Begriffe ein „Feier-Luthertum“ propagiert. Nichts muss man tun. Dem widerspreche ich vehement, da  Christsein – im lutherischen Sinne einhergeht mit dem Sündenbekenntnis und dem inwendigen Vertrauen auf die Absolution. Die Bezeichnung: „Du bist schon gut genug„, kommt einer Verdunkelung des Freiheitsbegriffs gleich und widerspricht dem grundlegenden Reformationsgedanken simul iustus et peccator schlechthin!

Rabe-Winnen zählt danach Schlagwörter wie „‚Ökonomisierung‘, ‚Optimierung‘, ‚Erschöpfungssyndrom'“ und „‚Burn Out'“ auf. Diese Aufzählung unterstreicht geradezu das Bedürfnis nach Erlösung in unserer heutigen Zeit. Aber mit der Feststellung, ich sei „schon gut genug„, kann dieser Knoten nicht gelöst werden. Im Gegenteil. Rabe-Winnens Vergleich mit dem Feiertag und der christlichen Freiheit führt eher zum Gedanken eines Aufschubs. Alltagsplagen oder Sünden sollen ihr zufolge für einen Tag keine Rolle in unserem Leben spielen. Aber was passiert dann am nächsten Tag? Hier werden uns die Alltagsplagen wieder mit voller Wucht packen.

Problematik

Am nächsten Morgen packen uns die Alltagssorgen, am nächsten Morgen packt uns wieder das Unerlöste? Münzt man diese These – gewiss provokant – auf das Leben um, so erwartet uns nach dem Leben das Unerlöste: „Alles, was ihr auf Erden binden werdet, soll auch im Himmel gebunden sein“ (Mt. 18,18). Rabe-Winnen hat primär versucht, den Menschen in Deutschland die Bedeutung des Reformationstages näher zu bringen. Das ist in der heutigen Zeit mit einer derartigen religiösen Unkenntnis schwierig genug und stellt alle Christenmenschen vor große Herausforderungen. Dennoch soll uns die geringe religiöse Sprachfähigkeit einer Gesellschaft nicht von Kernelementen eines Bekenntnisses entfernen. Es ist schwierig in ein paar knappen Fernsehminuten den Inhalt eines Festtages „fachgerecht“ zu servieren, aber „schon gut genug“ bringt jede Theologie in Teufels Küche.

 

 

 

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