Moment Mal: #metoo

Me too, auch ich. Diesen Hashtag habe ich, meistens kommentarlos, in den letzten Tagen oft in meiner Timeline auf Facebook oder Twitter gesehen: Bei Freund_innen, Bekannten und Menschen, denen ich einfach so folge. Fast alle Postings stammen von Frauen, die sich mit den fünf Buchstaben hinter dem Hashtag als Betroffene, als Opfer, als Überlebende sexueller Gewalt, sexueller Übergriffe zu erkennen geben und mit vielen anderen solidarisieren.

#metoo ist nicht der erste Hashtag dieser Art, erinnern wir uns an #aufschrei, #shepersisted und die vielen nicht-getaggten Berichte, in denen Frauen von Übergriffen auf sie berichten. Es ist traurig, diesen Wellen beim halbjährlichen Auf- und wieder Abebben zuzusehen, denn an der Häufigkeit, der Dreistigkeit und der Selbstverständlichkeit, mit der sich fremde Hände ungefragt an unseren Körpern befinden, ändert sich nichts. Noch weniger ändert sich etwas an der Zahl scheinbar nett gemeinter „Komplimente“, schräger „Anmachsprüche“ oder Bemerkungen zu unserem Aussehen, sei es zum Körper oder zur Kleidung.
Und doch finde ich diese Hashtags nicht sinnlos, denn jeder einzelne von ihnen steht für eine Person, die sich traut, über das zu sprechen, was ihr angetan wird. Mit jedem dieser „Outings“ geht gleichzeitig eine Forderung einher: Die nach einer Kultur, in der wir über die Übergriffe nicht nur sprechen, sondern endlich aktiv an ihrer Verhinderung arbeiten, denn Belästigung und Grenzüberschreitung beginnen nicht erst mit besagten Händen an fremden Körpern, sondern schon mit dem Sprechen, das das Gegenüber zum Objekt macht. Zum  Objekt von eigenen Begierden, Profilierungsbedürfnissen oder Mutproben.

Man könnte meinen, die Fakultäten, an denen wir Theologie studieren, seien Räume, in denen „so etwas“ gar nicht passieren kann, halten wir doch ein Menschenbild hoch, das uns alle, ganz unabhängig von Geschlecht, sexueller Orientierung, Hautfarbe und sozialem Hintergrund als Ebenbilder Gottes zeichnet. In der Realität sieht es leider anders aus, übergriffiges und grenzverletzendes Verhalten macht auch vor der Theologie nicht halt – Wie auch?
Wir sind alle in der Pflicht, wenn es darum geht, Übergriffe zu verhindern und uns im Falle von Übergriffen gegenseitig zu unterstützen. Im Unialltag kann das damit beginnen, sich im Vorhinein zu überlegen, wie nett das „nett gemeinte“ Kompliment wirklich ist und ob es überhaupt angebracht ist, für das Gegenüber so sensibel zu sein, dass man(n) in der Lage ist, ein Nein – ganz gleich ob es verbal oder nonverbal zum Ausdruck gebacht wird –zu erkennen und vorallem als solches auch hinzunehmen. Im Falle einer beobachteten Belästigung kann es hilfreich sein, der Betroffenen Unterstützung anzubieten und den Belästigenden mit seiner Handlung zu konfrontieren. Die erste Priorität muss immer sein, die Betroffenen nach ihren Bedürfnissen zu unterstützen, statt die Belästigung in irgendeiner Weise zu relativieren. Wir sind, nicht nur als Theologiestudent_innen, in der Pflicht, uns mit den Betroffenen zu solidarisiern und die Täter_innen in die Pflicht zu nehmen. Wir müssen genauso darüber nachdenken, wann wir mit unserem Verhalten die Grenzen anderer überschritten haben, wann wir Belästigungen schweigend geschehen lassen oder realtiviert haben, denn Belästigung kennt nicht nur eine betroffene Person, sondern immer auch (mindestens) eine Täterperson, diejenigen, die schweigend oder lachend dabeistehen, gehören dazu. Wenn wir diese Realität an unseren Fakultäten ausblenden, dann können wir unsere Fakultäten getrost zusperren, denn eine der wichtigsten Grundannahmen, mit denen wir Theologie treiben, hat dann jegliche Bedeutung verloren.

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