Moment Mal: Alles gleichgestellt? Über die Diskriminierung der lesbischen Ehe
Bild: gagnonm1993 via pixabay.com

Am 1.10. ist das Gesetz in Kraft getreten, das die Eheschließung zwischen gleichgeschlechtlichen Paaren ermöglicht. Daraufhin gaben sich in Berlin noch am selben Tag elf gleichgeschlechtliche Paare das Ja-Wort. 25 Jahre, nachdem hunderte von Lesben und Schwulen mit der „Aktion Standesamt“ das Recht auf die Heirat zwischen homosexuellen Paaren einforderten, tritt nun ein Gesetz in Kraft, das die Voraussetzungen dafür ermöglicht. Was für ein historischer Moment! Mit dem neu gefassten Paragrafen 1353 des BGB, in dem es ab dem 1.10. nun heißt: „Die Ehe wird von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossen“, ist die Ehe homosexueller Paare (endlich) gleichgestellt. Schwule und lesbische Ehepartner_innen haben nun auch ein gemeinsames Adoptionsrecht, was vorher nur heterosexuellen Ehepartnern möglich war, nicht jedoch Partner_innen einer eingetragenen Lebenspartnerschaft.

Doch sind nun wirklich alle Diskriminierungen rechtlich aus dem Weg geräumt?

Leider nicht ganz, denn in eine lesbische Ehe hineingeborene Kinder sind nicht automatisch die Kinder beider Ehepartnerinnen, so wie das bei heterosexuellen Ehepartnern der Fall ist. Wenn eine Frau innerhalb einer Ehe ein Kind zur Welt bringt, wird der Ehemann als Vater angenommen – selbst wenn die Ehepartner monatelang örtlich getrennt waren und eine Vaterschaft ausgeschlossen werden kann. Ein in einer lesbischen Ehe geborenes Kind muss dagegen von der Ehefrau der Mutter erst aufwändig adoptiert werden. Im Paragraf 1592 des BGB heißt es: „Vater eines Kindes ist der Mann, der zum Zeitpunkt der Geburt mit der Mutter des Kindes verheiratet ist“. Von der Mutter ist im Paragraf 1591 die Rede: „Mutter eines Kindes ist die Frau, die es geboren hat.“

Damit die Ehepartnerin ebenfalls Mutter sein kann, muss sie das Kind adoptieren. Das liegt daran, dass es sich bei der Eheschließung und der Stiefkindadoption um verschiedene Rechtsbereiche handelt. Die lesbische Ehe, aus der ein leibliches Kind hervorgeht, ist somit immer noch nicht gleichgestellt. Der Lesben und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) fordert daher, dass Frauen in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft oder Ehe von Geburt an rechtliche Eltern des Kindes sein sollen.

Nun gibt es kritische Stimmen bei der Diskussion zum Abstammungsrecht. Neben der Frage, wie die Rechtslage sei, wenn die Ehepartnerin der Mutter mit der Schwangerschaft nicht einverstanden war, kommt auch die Frage auf, ob der Samenspender die Mutterschaft der nicht-leiblichen Mutter anfechten kann und darf und rechtlicher Vater werden kann.

Stellen sich diese Fragen jedoch nicht auch bei heterosexuellen Ehepaaren, die wegen Unfruchtbarkeit eine Samenspende annehmen? Und stellt sich die Frage des Einverständnis des Ehepartners nicht auch bei Schwangerschaften in heterosexuellen Ehen? Im Diskurs der Gleichstellung der homosexuellen Ehe klingen die Argumente der Kritiker eher wie ein letzter Versuch, die „Ehe für Alle“ als ein überstürztes Vorhaben abzutun. Dabei war es längst überfällig!

Der elterliche Wunsch, ein Kind in Liebe großzuziehen sollte nicht vom Geschlecht der Eltern abhängig gemacht werden. „Kinder sind eine Gabe des Herrn, die Frucht des Leibes ist sein Geschenk“ (Psalm 127,3), dieses Gottesgeschenk sollten alle Paare gleichermaßen (und gleichermaßen unkompliziert) annehmen und beschützen dürfen, ungeachtet ihrer sexuellen Orientierung.

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Ein Kommentar

  1. Lisa

    Es könne auch bisexuelle Menschen oder pansexuelle (oder oder oder) Menschen heiraten. Wie in der Gesetzesänderung schon bemerkt, geht es lediglich darum, dass zwei Personen des gleichen Geschlechts jetzt heiraten können, was jedoch nicht automatisch bedeutet, dass diese Menschen immer schwul oder lesbisch sind.

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