Moment Mal: Preacher Robot Ein Roboter krempelt die theologische Welt um
Screenshot aus: https://www.youtube.com/watch?v=JTK68l2BHtE

„The only one who could ever reach me“?

Der „Bursche“ heißt BlessU-2, ist ein Roboter und segnet Menschen aus Fleisch und Blut. BlessU-2s Schöpfer trägt den Namen Fabian Vogt, er ist Musiker, Kabarettist, Schriftsteller und Pfarrer. [1] „Unglaublich und äußerst befremdlich“, das war meine erste Reaktion, als ich das erste Mal von diesem Roboter hörte. Denn gerade die zwischenmenschliche Beziehung ist beim Segnen doch unersetzlich. Gott spricht schließlich zu Abram: „Ich will dich segnen …. und du sollst ein Segen sein“ (Gen. 12,2).

Wenn Gott aber auch aus einer Eselin sprechen kann (Num. 4,28), dann gewiss auch aus einem Roboter. Die Souveränität Gottes scheint also schon in der Schrift keine Grenzen zu kennen, auch wenn das bei BlessU-2 zugegebenermaßen schwer fällt. Müssen wir akzeptieren, dass die Technisierung und Digitalisierung im kirchlichen Bereich keine Grenzen (mehr) kennt? Roboter werden bald Briefträger, Krankenpfleger und eben auch „Pastoralassistenten“ sein, sind es zum Teil bereits geworden. Und den Theologinnen und Theologen sollte spätestens jetzt klar werden, dass die Theologie am kleinen BlessU-2 nicht mehr vorbeikommt.

Der „perfekte“ Prediger

Der Mensch sehnt sich nach Schönem, sei es das Auto, das Haus, die Kleidung, der Laptop, die Schuhe, die Partnerin oder der Partner, die Universität, die Arbeitsstelle etc. Aber Schönheit alleine reicht natürlich nicht, es kommt stets auch auf die „inneren Werte“ an. Ähnlich verhält es sich bei der Überlegung, welche Person das Pfarramt bekleiden sollte. Das „klassische“ Anforderungsprofil an eine Pfarrerin oder einen Pfarrer ist immens: Am Sonntag sollten mehr Menschen in den Gottesdienst kommen,  die Austrittszahlen sollen sinken, stetige Erreichbarkeit wird verlangt, reißerische Predigten sollen gehalten werden, Coolness ist Pflicht, ebenso soll gutes Zuhören und Trost spenden an der Tagesordnung liegen, nebenbei aber muss trotzdem noch Zeit für die eigene Familie vorhanden sein, etc.

Hier die traurige Nachricht an alle Kuratorinnen und Kuratoren: Ein solches menschliches Pfarrpersonal gibt es nicht, Gott hat so jemanden nicht geschaffen. Aber wir anscheinend! BlessU-2 sollte genau unsere Wünsche erfüllen und verkörpert (in der Theorie) die ersehnte Tadellosigkeit: Er versäumt keinen Termin, vergisst keine Predigt, ist relativ kostengünstig und könnte Menschen in ihren Glaubensfragen Kraft und Mut geben, denn mittels Algorithmen lässt sich aus den sozialen Medien ermitteln, wie Gottesdienstbesucher angesprochen werden können. Abgesehen davon können mit BlessU-2 ländliche Regionen – welche schon lange kein Pfarrpersonal mehr hatten – endlich wieder „versorgt“ werden. Der vielbeschworene „Pfarrermangel“ ist also abgewendet.

Neue Fragen an die Theologie

Die Digitalisierung macht keinen Halt vor der Theologie, sie wird in Zukunft vielmehr eine bestimmende Rolle einnehmen. Eine Entwicklung, die allein auf das Begehren des Menschen nach „Perfektion“ – nach dem gewissen Etwas, welches außerhalb der reformatorischen Anthropologie des simul iustus et peccator steht – zurückzuführen ist. Die Theologie wird in Zukunft vermehrt ein Auge auf diese Frage werfen müssen, denn ansonsten schrammt sie an der Lebenswirklichkeit der Menschen knallhart vorbei. Es liegt an unserer christlichen „Generation Y“, darauf praktikable und sachgemäße Antworten zu finden.

 

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