Das Scheitern der Fürsprecherin der Minderheiten Wie die slowakische Kirche progressiven Diskurs verhindert und akademische Freiheit beschneidet
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Es rumort in der Evangelischen Kirche Augsburger Bekenntnisses in der Slowakei (ECAV). Grund dafür ist die Frage nach dem Umgang mit Homosexualität in Kirche und Gesellschaft, ein Thema bei dem sich in Deutschland sowohl die Politik als auch viele evangelische Kirchen nach jahrelangen Debatten und Stillstand inzwischen auf einem progressiven Weg befinden. Bisher versucht die slowakische Kirche, der mit 370.000 Mitgliedern etwa 7% der Bevölkerung angehören, den Diskurs um das Thema zu unterbinden und an einem traditionellen Familien- und Ehebild festzuhalten. 2015 gab es ein landesweites Referendum, initiiert von der Gruppe „Allianz für Familie“, ob der Familienbegriff der traditionellen Konstellation aus Mann-Frau-Kind vorbehalten bleiben sollte. Die katholische Kirche, aber auch Teile der ECAV warben kräftig für eine traditonelle Interpretation des Familienbegriffs. Im Referendum sprach sich zwar ein Großteil der Teilnehmer*innen für die Beibehaltung des traditionellen Familienbegriffes aus, jedoch wurde das notwendige Quorum mit 21% Wahlbeteiligung klar verfehlt.

Im darauf folgenden Jahr machte der evangelische Vikar Jakub Pavlus Schlagzeilen, als er nicht in den Pastorendienst übernommen wurde, weil er sich weigerte den Ehebegriff ausschließlich auf heterosexuelle Partnerschaften anzuwenden. Nun hat die Diskussion des Themas ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht: Professor Ondrej Prostrednik, Inhaber des Lehrstuhls für Neues Testament an der Theologischen Fakultät in Bratislava, sprach im August 2017 öffentlich auf der Kundgebung „Duhovy Pride“. Diese Veranstaltung hat sich zum Ziel gesetzt, die Sichtbarkeit und Akzeptanz der LGBTI-Community zu stärken. Wenige Tage später wurde ihm vom  Bischofskollegium der ECAV die Lehrerlaubnis entzogen. Per Mail hat Prof. Prostrednik theologiestudierende.de einige Fragen zu diesem Fall beantwortet. Ein Gespräch über das Ringen von Konservativen und Progressiven in der Kirche, kirchliche Machtstrukturen und die notwendigen Grenzen der Freiheit der Lehre.

Angst vor der Debatte?

Dr. Prostrednik, am 19. August haben sie am „Duhovy Pride“, einem Marsch für die Rechte nicht-heterosexueller Menschen in Bratislava teilgenommen. In welcher Form haben Sie sich dort geäußert?

Prostrednik: Auf Anfrage der Veranstalter habe ich im ersten Teil der Veranstaltung eine kurze Rede gehalten. Neben fünf anderen Rednern ist auch die Slowakische Ombudsfrau¹ mit einer Ansprache aufgetreten. Ich habe mich als evangelischer Theologe und als einer von mehreren Christen vorgestellt, die die negative Haltung der slowakischen Kirchen gegenüber der LGBT-Community nicht teilen. Ich habe meine Unterstützung der Forderung nach der Einführung einer gesetzlichen Regelung für registrierte Partnerschaften in die slowakische Gesetzordnung geäußert und mit einem Zitat von Bischof Heinrich Bedford-Strohm begründet, nämlich dass die Gesellschaft eine „neue Kultur der Verbindlichkeit benötige“. Am Schluss habe ich gesagt, dass ich mir wünsche, dass die Kirchen dazu beitragen sollten, dass die Slowakei zu einem sicheren Zuhause für alle Bürger wird.

Ondrey Postrednik bei seiner Rede auf dem Duhovy Pride

Das slowakische Online-Magazin ‚The Slovak Spectator‘ berichtet, sie haben in Ihrer Rede gefordert, dass die Kirche keine Angst vor Minderheiten haben soll. Was ist ihr Eindruck, wovor fürchtet sich die Kirche in der Slowakei?

Prostrednik: Ja, ich habe mich mehrmals dazu kritisch geäußert, dass die Spitzenvertreter der slowakischen Kirchen sich nicht klar und laut für den Schutz der Minderheiten in unserem Land einsetzen. Dabei meine ich auch andere Minderheiten, wie zum Beispiel die religiöse Minderheit der Muslime in der Slowakei. Ich denke, es geht hier um die typische Minderheit-Mehrheit Dynamik, wo die Mehrheit ihr Verhalten, ihre Tradition für normativ hält und jede Verschiedenheit als eine Kritik oder sogar eine Gefahr für eigene Integrität interpretiert. Beim Thema Kirche und Homosexualität ist es eindeutig die Angst, dass eine formale Anerkennung der gleichgeschlechtlichen Partnerschaften die Normativität der heterosexuellen Ehe in Frage stellt.

Gibt es Unterschiede in der Positionierung der Kirchen in der Slowakei zur Homosexualität? Wie plural sind verschiedene Positionen innerhalb der Evangelischen Kirche A.B. (ECAV) gestreut?

Prostrednik: Eine große Mehrheit vertritt eine sehr kritische Position gegenüber Homosexualität. Die wird durch eine fundamentalistische Interpretation der Bibelstellen, die sich zum gleichgeschlechtlichen Verkehr äußern, begründet. Das hat sich auch in einem Beschluss der Synode der Evangelischen Kirche des A.B. in der Slowakei niedergeschlagen. Homosexuelle Partnerschaften werden in der Stellungnahme der Synode in den Kontext der Allgemeinheit der Sünde (Römer 1,26-27) gesetzt. Meiner Meinung nach ist es so, dass die Mehrheit der Evangelischen in der Slowakei gleichgeschlechtliche Partnerschaften zwar nicht als Sünde sieht, jedoch aber als eine Abnormalität betrachtet, die nicht legalisiert sein sollte. Eine kleine Minderheit von Fundamentalisten in der Kirche vertritt die Position, dass Homosexualität keine Gegebenheit ist, sondern eine persönliche Entscheidung oder Krankheit, die heilbar ist. Eine Haltung die Homosexualität als Teil der Schöpfung Gottes sieht und die gleichgeschlechtlichen Partnerschaften als eine gute, pastorale Lösung der Situation der Personen mit homosexueller Orientierung sieht, ist eine Minderheitenposition.

Inwiefern sind sie bei dem Marsch „Duhovy Pride“ als akademischer Vertreter der theologischen Fakultät aufgetreten?

Prostrednik: Wie schon gesagt, ich habe mich als ein evangelischer Theologe und Christ vorgestellt. Ich wurde von dem Veranstalter als Person, die sich öffentlich engagiert für die Veranstaltung angefragt, nicht als Vertreter der theologischen Fakultät. Es ist aber  doch allgemein bekannt, dass ich an der Uni tätig bin und, dass ich als ordinierter Pfarrer der evangelischen Kirche auch oft in Bratislava predige. Ich denke, diese Verbindung meiner Person als Bürger mit meiner Tätigkeit in der Kirche und Universität ist es, was die Bischöfe stört.

Die Kirche als Fürsprecherin der Konservativen

Was geschah nach ihrer Rede auf dem „Duhovy Pride“? Wie reagierte die Kirche, bzw. ihre Vertreter*innen?

Prostrendnik: Es gab keine öffentliche Reaktion seitens der Kirche und auch keine Reaktion in Form eines formellen oder informellen Gesprächs mit mir. Mein Auftritt fand am 19. August statt. Am 4. September habe ich per Post eine Stellungnahme² des Bischofskollegiums mit einem Begleitbrief erhalten. In der Stellungnahme wird über mich in der dritten Person gesprochen. Dem Dekan der Fakultät und dem Rektor der Comenius Universität, also einer öffentlichen, nicht kirchlichen Schule wird mitgeteilt, dass mir die Lehrerlaubnis entzogen wird. Die Begründung erwähnt meinen Auftritt auf dem PRIDE, meine wiederholten Auftritte in den Medien und eine Beschuldigung, dass ich meine Stellung als Dozent und die akademische Freiheit zu einer „stufenweise schleichenden Implantierung von Ansichten, die nicht im Einklang mit der Stellungnahme der Evangelischen Kirche A. B. in der Slowakei stehen“ missbrauche. Es muss gesagt werden, dass die slowakische Gesetzgebung solches Eingreifen der Kirche in die akademische Selbstverwaltung und Freiheit der öffentlichen Universität ermöglicht. Nie in der modernen Geschichte der evangelischen theologischen Fakultät nach 1989 wurde aber davon Gebrauch gemacht.

Sie geraten nicht das erste Mal mit der Evangelische Kirche Augsburgischen Bekenntnisses in der Slowakei (ECAV) aneinander. Bereits letztes Jahr wurden sie für die Unterstützung des Vikars Jakub Pavlús, dessen Arbeitsvertrag wegen seiner Unterstützung der gleichgeschlechtlichen Ehe nicht verlängert wurde, stark kritisiert. Ist Diskussion und Ringen um Wahrheit in der Evangelischen Kirche A.B. nicht erwünscht?

Ondrey Postrednik (Foto: Lubo Bechny)


Prostrednik:
So sieht es aus. Ja, es stimmt. Zusammen mit anderen Kollegen an der Fakultät haben wir eine öffentliche Stellungnahme verfasst, in der wir die Begründung der Bischöfe im Fall Pavlús abgelehnt haben. Die Bischöfe sagten nämlich, dass Jakub Pavlús nicht mehr Pfarrer der Kirche sein könne, weil seine Ansichten zur Ehe nicht im Einklang mit der Glaubenslehre stünden. Als Theologen haben wir argumentiert, dass die Eheregelungen in der evangelischen Kirche keine Frage der Glaubenslehre seien. Alle Unterzeichner der Erklärung wurden von den Bischöfen einzeln vorgeladen und nach Erklärung gefragt. Ich verstehe es als einen Machtkampf zur Stärkung der Position der Bischöfe. Eindeutig wird so ein Signal in die Kirche gesendet, dass die Bischöfe kompetent sind und die wahre Lehre und die Einheit der Kirche entscheidend verteidigen. Ein pastorales Interesse und ein Eintreten der Kirche für die Rechte dieser Minderheit wird seitens der Kirchenleitung überhaupt nicht in Betracht gezogen.

Wie geht die Evangelische Kirche A.B. mit Querulanten um? Sind abweichende Meinungen nur im Bezug auf Homosexualität nicht erwünscht, oder ist themenunabhängig Widerspruch und Diskussion unerwünscht?

Prostrendnik: Leider gewinne ich immer stärker den Eindruck, dass die evangelische Kirche in der Slowakei ihre Probleme mit sinkenden Mitgliedszahlen und dem Verlust der gesellschaftlichen Glaubwürdigkeit durch Betonung einer bedingungslosen Loyalität zur Tradition und zur Institution lösen will. Und das nicht nur in Fragen der Homosexualität. Das betrifft auch Versuche zur Öffnung der Liturgie für zeitgemäße Formen der Kommunikation, das protektive Umgehen mit den charismatischen Strömungen innerhalb der Kirche, die Ablehnung einer kritischen Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte [im Sozialismus; Anm. F.W.] und viele andere sensible Themen. Immer wenn sich Menschen mit einer kritischen Stimme Gehör schaffen, werden sie als Feinde der Kirche bezeichnet und womöglich zum Schweigen gebracht.

Wenn in den Fragen zuvor immer von „der“ Evangelischen Kirche A.B. gesprochen wurde, ist doch zu fragen, woher der Gegenwind eigentlich konkret kommt? Wird die Kritik an Ihrer Position von einer großen Mehrheit der Kirchenleitung getragen oder ist sie eher als Einzelmeinung zu betrachen?

Prostrendnik: Hier kann ich nur die vorherige Antwort wiederholen. Es geht um die Macht derer, die die Kirche als ihre eigene Privatfirma verstehen und nicht als eine Gemeinschaft, die sich in ihrer Verschiedenheit der Gesellschaft, in der sie wirkt, öffentlich mit der Verkündigung des Evangeliums nützlich für die Überwindung der tragischen Spaltung der Menschheit machen sollte. Leider stehe ich hier nicht gegen eine Einzelmeinung. Diese Ambition, die Kirche als eine Privatfirma streng mit autoritären Mitteln zu leiten, ist weit verbreitet und oft spürbar auch bei denen, die die gegenwärtige Kirchenleitung kritisieren.

Ist das Festhalten an unumstößlichen Dogmen nicht ein Vorwurf, den evangelische Theologen sonst gerne an die Katholische Kirche richten? Inwiefern entspricht die Haltung der Evangelischen Kirche A.B. der reformatorischen Freiheit, auf die wir uns – in Deutschland besonders gerne im Lutherjahr 2017 – gerne berufen?

Ja, das ist eigentlich fast komisch, dass meine Kollegen in meiner Kirche gerade heute, 500 Jahre nach der Reformation, sich wie katholische Bischöfe verhalten und Gebrauch von der Gesetzgebung machen, die sie selber vor ihrer Bischofswahl als Katholizisierung des öffentlichen Raumes kritisiert haben.

Welche Auswirkung hat der Entzug des Auftrags zur kanonischen Lehre für Sie?

Prostrednik: Da es in der modernen Geschichte zum ersten Mal geschah, weiß  niemand so genau, was es zu bedeuten hat. Einige meinen, ich darf überhaupt nicht mehr Theologie betreiben und sollte sofort von der Uni entlassen werden. Einige meinen, dass ich schon in der Forschung an der theologischen Fakultät weiter tätig sein kann, nicht aber Vorlesungen halten darf. Das ist auch die Meinung der Leitung der Fakultät. Diese Fragen werden jetzt in diesen Tagen analysiert und ich hoffe, dass ich in den nächsten Tagen eine verbindliche Antwort bekommen werde.

Wer entscheidet in der ECAV über die Erteilung der ‚kanonischen Mission‘, also der Beauftragung der Dozierenden zur Glaubenslehre?

Prostrendnik: Für die Lehrtätigkeit an der Universität ist es das Bischofskollegium, also drei Bischöfe. Ihre Entscheidung ist endgültig, kein vorhergehendes Verfahren ist vorgeschrieben und die gefällte Entscheidung kann im Prinzip nicht angefochten werden.

Das Paradox der Trennung von Kirche und Staat in der Theologie

Welche Einflussmöglichkeiten und Rechte hat die ECAV auf die Lehre an der evangelischen theologischen Fakultät in Bratislava?

Prostrednik: Aufgrund der Rechtslage, die den kleinen anerkannten Kirchen die gleichen Rechte wie der katholischen Kirche zuspricht (Anm. F.W.: Die Slowakei ist mehrheitlich katholisch, ca. 60% gehören der katholischen Kirche an), haben die Kirchen sehr große Möglichkeit zur Einflussnahme. Im Prozess der Akkreditation unserer Fakultät alle 6 Jahre hat die Kirche das Recht, die Lehrinhalte aller Fächer zu überprüfen und auch im weiteren Prozess der Akkreditation ist die Zustimmung der Kirche notwendig. Auch die Vorschriften der Fakultät müssen sich nach Stellungnahmen der Kirche richten. Schließlich wird die Kirche, durch das Recht, die Personalpolitik der Fakultät zu beeinflussen, zum Eigentümer der Fakultät.

Inwiefern sind Kirche und Staat in der Slowakei getrennt? Ist die Slowakei ein laizistischer Staat?

Prostrendnik: Die Verfassung garantiert die Religionsfreiheit. Trotzdem kann die Slowakei nicht als ein laizistischer Staat verstanden werden. Wir haben das System einer Registrierung der Kirchen und Religionsgemeinschaften. Registrierte Gemeinschaften haben das Recht, staatliche Zuschüsse zu bekommen. In der Regel fallen darunter Gehälter von Geistlichen und Verwaltungskosten der Kirchenzentrale. Ich meine, dass das Abhängigkeit erzeugt und die Kirche so in ihrer prophetischen Aufgabe gegenüber der Politik hindert.

Inwiefern erhalten Sie Unterstützung von der Fakultät? Stehen Professoren und Studierende hinter Ihnen?

Prostrendnik: Ich habe viele Äußerungen der Unterstützung für meine öffentlichen Stellungnahmen erhalten, von verschiedenen Seiten, von Kollegen und Studierenden. Es sind alles aber nur private Äußerungen. Eine öffentliche Unterstützung hat soweit nur die Kirchengemeinde, in der ich oft als Gast predige, publiziert.

Hat sich die Universität bisher zu ihrem Fall geäußert? Inwiefern erfahren sie Unterstützung von ihr?

Prostrendnik: Nein, der Rektor der Universität hat sich bis jetzt noch nicht öffentlich geäußert. Der Dekan, der in diesem Zusammenhang als mein Arbeitgeber auftritt, hat sich jedoch klar geäußert, dass er mich unterstützt.

Wie lässt sich als Theologe an einer theologischen Fakultät, die zwischen Staat und Kirche steht, die freie Lehre gewährleisten?

Prostrendnik: Mein Fall zeigt, dass es nur begrenzt möglich ist. Sobald jemand die Ergebnisse seiner Forschung, die von der traditionellen Kircheninterpretation abweichen, öffentlich präsentiert, greift die Kirche ein.

Die Trennung von Kirche und Staat erweist sich gerade im Falle der theologischen Fakultäten als höchst kompliziert, das gilt auch in Deutschland. Sollten die Zuständigkeiten und Befugnisse bzgl. der universitären Lehre noch klarer aufgeteilt werden?

Prostrendnik: Ja. Für die akademischen Forschungsfreiheit und das traditionelle Verständnis, dass es gerade die Theologie ist, die die Entwicklung der kirchlichen Lehre vorantreibt, muss es zu einer Klärung der Bedingungen kommen. Es geht doch nicht, dass drei Personen, auch wenn es die Bischöfe sind, die Macht haben, eine progressive Meinung zum Schweigen zu bringen! Ich denke, dass solche ernsten Entscheidungen wie jetzt in meinem Fall doch schon mehrstufig, transparent und in Absprache mit der weiteren Gemeinschaft der evangelischen Kirchen und theologischen Fakultäten getroffen werden sollte.

Die Kirche muss ein Interesse daran haben dürfen, die Lehre an den theologischen Fakultäten zu reflektieren und auch einzugreifen. Da hier die zukünftigen Pfarrer*innen ausgebildet werden, muss sie irgendwie sicherstellen können, dass diese gemäß den Bekenntnissen der ECAV ausgebildet werden. Was denken sie dazu? Wie kann dieser Anspruch der Kirche gesichert werden? Gibt es Bereiche, in den die Kirche nicht eingreifen sollte?

Prostrednik: Ich bin nicht für eine absolute Trennung zwischen Kirche und Theologie. Aber es muss doch klar sein, dass es gerade die Theologie der Ort ist, wo die Lehre der Kirche formuliert wird. Nicht umgekehrt. Die Kirche kann nicht vorher alle Grenzen der Theologie setzen. Eine theologische Fakultät muss Raum für freies Forschen bieten und auch Platz haben für Gedanken, die die Tradition der Kirche in Frage stellen. Und wie gesagt: Schon gar nicht kann es sein, dass drei Amtsträger, auch wenn es drei Bischöfe sind, das Recht darüber haben zu entscheiden, was noch im Einklang mit der Lehre steht und was nicht mehr. Nochmal: Es muss doch schon ein transparentes Verfahren in der evangelischen Kirche geben, das aufgrund von fachlichen Beurteilungen, öffentlichen Anhörungen und auch Konsultationen mit anderen evangelischen Krichen zu einem Beschluss kommt. Das ist alles  in meinem Fall nicht geschehen.

Warum bleiben sie der ECAV trotz der vielen Differenzen treu?

Prostrendnik: Weil ich in der evangelischen Kirche groß geworden bin und es als mein geistliches Zuhause betrachte, das ich berufen bin zu gestalten.

 


¹ Die*der Ombudsfrau*mann ist ein von der slowakischen Verfassung eingerichtetes Amt (Art. 130, 1, g), das die Einhaltung der Verfassung überwacht und Ansprechpartnerin für Bürger*innen ist, die gegen eine Verletzung der Verfassung vorgehen möchten.

² Die Stellungnahme im deutschen Wortlaut (Übersetzung von Prof. Prostrednik) ist hier zu finden. An gleichem Ort findet sich der Wortlaut seiner Rede auf dem „Duhovy Pride.“

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Ein Kommentar

  1. Ich habe Goethe nur vier Buchstaben hinzugefügt:
    Zuerst Collegium [Theo] Logicum.
    Da wird der Geist Euch wohl dressiert,
    In spanische Stiefeln eingeschnürt,
    Daß er bedächtiger so fortan
    Hinschleiche die Gedankenbahn,
    Und nicht etwa, die Kreuz und Quer,
    Irrlichteliere hin und her.
    Johann Wolfgang von Goethe

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