Moment Mal: Who cares?
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Es ist 22 Uhr abends, ich drücke unserer Babysitterin 40 Euro in die Hand für die 3,5 Stunden, die sie abends auf die Kinder aufgepasst hat. „Danke, das hätten doch nicht 40 Euro sein müssen!“ sagt sie höflich. Doch, das finde ich angemessen. Immerhin kümmert sie sich in diesen Stunden um das wertvollste, was wir Eltern haben: Unsere Kinder.

Zugegeben: Dass wir unsere Babysitterin so gut bezahlen können liegt daran, dass wir die Kosten von der Pflegekasse erstattet bekommen. Wer in Deutschland Angehörige mit Pflegegrad pflegt, darf bis zu einem bestimmten Betrag seine Betreuungskosten als „Verhinderungspflege“ abrechnen.

Es wundert mich trotzdem nicht, dass unsere Babysitterin ihre wertvolle Arbeit herunterwürdigt, denn sie spiegelt nur das wider, was ich selbst oft erlebe: „Wer Kinder pflegt, der arbeitet doch gar nicht richtig.“ denken sich viele. Die Betreuung, Erziehung und Pflege von Kindern, Alten oder Menschen mit Behinderung findet irgendwo in Pflege- und Betreuungseinrichtungen statt, wo unterbezahlte, meist weibliche Pflegekräfte aus ärmeren Ländern die Aufgaben erledigen, die keiner so richtig gerne machen will. Beruflich möchten wir uns „selbst verwirklichen“ und keine Windeln wechseln oder Toilettengänge begleiten.

Alles Lebenswirklichkeiten, die wir in der Regel erst in der Mitte des Lebens, wenn wir selbst Eltern werden oder die eigenen Eltern alt und pflegebedürftig werden, kennen lernen. Bei den eigenen Kindern, da wischen wir aus Liebe auch unbezahlt die dreckigen Hintern sauber. „Irgendwann sind sie ja groß!“.

Aber wer kümmert sich um die alten Eltern? Wer betreut das Kind, wenn man nach einem Jahr Elternzeit wieder seiner eigentlichen Berufung nachgehen will? Wer bezahlt eigentlich die ganzen begleiteten Toilettengänge von körperlich oder geistig behinderten Kindern, die Dank der Inklusion nun auch Regelschulen besuchen dürfen und nicht mehr abgeschottet in Förderschulen untergebracht und unterrichtet werden?

Und wie wollen wir selbst behandelt und gepflegt werden, wenn wir alt sind oder auch jung, aber mit komplizierter Knieverletzung nach einem Skiunfall bettlägerig in der Klinik liegen? Spätestens dann wird klar: Pflege, Erziehung und Betreuung sind echte und wertvolle Arbeit. Vielleicht erfordert diese Arbeit sogar noch mehr Anstrengung als ein lang angestrebter Traumberuf, um jeden Tag aufs Neue zugewandt und lächelnd hilfsbedürftigen Menschen zu begegnen, trotz Unterbezahlung und Nachtschichten, in denen sich eine Pflegekraft um 52 Menschen kümmern muss.

In dem Gebiet der „Care-Arbeit“ herrscht ein großer Mangel: Es fehlt an Arbeitskräften und einer angemessenen Bezahlung, an Kita-Plätzen und Anerkennung für diese Arbeit. Pflege und Fürsorge ist keine Randbeschäftigung von und für Menschen abseits der Mitte der Gesellschaft, sondern es ist ein christlicher Grundsatz, es ist (Herzens-)Arbeit am Nächsten.

Die Geschichte vom barmherzigen Samariter lehrt: „So geh hin und tu desgleichen!“ – wenn wir schon nicht selbst hingehen und Kranke pflegen, müssen wir umso mehr anerkennend auf die schauen, die es täglich stellvertretend für uns tun. Diese Anerkennung sollte sich in einer fairen Bezahlung und guten Arbeitsbedingungen ausdrücken und ebenso in der Art, wie über diese Arbeit gesprochen wird, denn Care-Arbeit ist lebenswichtig.

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