Moment Mal: In der Politik mit Paulus gehen
Foto: Thomas Lefebvre (lizenzfrei)

Die ehemalige politische Geschäftsführerin der Piratenpartei in Deutschland, Marina Weisband, hat ein sehr kluges Buch über Politik und die Digitalisierung geschrieben. Aber von diesem Buch soll diese Kolumne gar nicht handeln. Sehr wohl aber über einen Absatz, den sie darin schreibt, wütend über Kommentare, die ihr auf den sozialen Medien ungefragt zugeworfen wurden.

Sie schreibt dort:

„Der offene Politiker ist deshalb so wichtig, weil … Nein, wisst ihr was? Der offene Politiker hat keine Chance, er wird fertiggemacht. Wenn es ihm nicht scheißegal ist, was ihr von ihm haltet, wird er fertiggemacht. Von euch. Also schaffen es nur Leute an die Spitze, denen ihr egal seid. Und darüber wundert ihr euch dann. Eine bessere Demokratie ist nicht möglich. Wegen euch. Ihr habt nichts Besseres verdient. Sorry. Viel Glück beim nächsten Mal.«[1]

Das ist mehr als passend. Wenn man sich einmal mit seinen weiblichen Freunden unterhält, die sich mal auf die verschiedenen Möglichkeiten des Onlinedatings eingelassen haben, dann können ihre Erfahrungen einen den Glauben an die Menschheit verlieren lassen. Und diese Erfahrungen werden sich sicher über diese spezielle Form des Kennenlernens auf andere Bereiche der digitalen Welt ausbreiten lassen.

Das Internet generiert keine schlechteren Menschen; aber es führt uns vor Augen, wie wenig respektvoller Umgang noch wert ist, wenn die unmittelbaren Strafmechanismen der direkten Konfrontation fehlen.

Es wäre schön, wenn man dazu schreiben könnte, dass es sich in christlichen Kreisen anders verhielte. Aber wer sich auf den Kommentarseiten einschlägiger christlicher Veröffentlichungen schon herumgeschoben hat; wer einmal versucht hat, eine Debatte über die christliche Tradition und die Grünen (oder jede andere Partei) zu führen; oder auch nur, wer sich mal mit seiner Glaubensschwester in der Gemeinde über ihre vielleicht vorhandenen Erfahrungen auf dezidiert christlichen Onlinedatingplattformen ausgetauscht hat, wird wissen, dass Christen es immer wieder ärger treiben als ihre säkularen Gegenüber.

Wir tun gut daran, uns im kommenden Bundestagswahlkampf auf die Gebote zu besinnen, die der Apostel Paulus der zerstrittenen römischen Gemeinde schreibt:

„Vergeltet niemandem Böses mit Bösen. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.“ (Röm 12,17f; Luth2017. Hervorhebung hinzugefügt)

Es fühlt sich dabei ja fast so an, als würde Paulus unsere Zeit voraussehen und uns sagen wollen: „Dass andere euch trollen, das werdet ihr nicht verhindern. Aber eure Reaktion, für die tragt ihr Verantwortung.“

Bevor wir uns also in Streitigkeiten darüber versteigen, was mit den Schwertern in Röm 13 gemeint ist, sollten wir uns den Gedanken des Paulus zuwenden, die mehr als deutlich sind:

Nicht wie Menschen uns angehen steht in unserer Verantwortung.
Sehr wohl aber, wie wir reagieren.


[1] Weisband, Marina. Wir nennen es Politik: Ideen für eine zeitgemäße Demokratie. Tropen-Verlag Label von Klett-Cotta (Kindle-Version), Pos. 1395-1397

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