Lesenswert #36 – Kirchen und Politik – eine Auswahl

Deutschland – Schluss mit Lustig

Kirchen ist es gegeben, Ängsten entgegenzuwirken, die durch politische Situationen entstehen und viel zu oft auch geschürt werden.

Mir ist eigentlich bewusst, dass Argumente gegen diese Urängste wenig helfen. Ich weiß, dass ich mit meinen Worten die Horizonte meiner Gemeindeglieder nicht weiten kann. Trotzdem muss ich klar Position beziehen, denn sonst macht es niemand.

Großbritannien – Die Church of England und der Brexit

Nach dem Brexitergebnis muss sich auch die Church of England neu finden und definieren vor dem Hintergrund, dass sie seither von verschiedenen Seiten aufgrund ihrer Haltung stark kritisiert wird.

Welchen Beitrag kann die Church of England zum gesellschaftlichen Zusammenhalt leisten, der nach dem EU-Referendum so stark in Frage steht? Als „Staatskirche“ ist sie zur Beantwortung dieser Frage – anders als andere Religionsgemeinschaften – verdammt. Hält sie an Pfründen und Privilegien fest – behauptet also nicht nur ihre historische, sondern auch rechtliche Sonderstellung – muss sie sich fragen lassen, was sie über ihr Eigeninteresse hinaus für das Gemeinwesen beiträgt.

Frankreich – Burka-Debatte

Frankreich ist ein laizistischer Staat, Kirche und Staat sind also strikt voneinander getrennt, das öffentliche Leben soll weltanschaulich neutral sein. In Frankreich entbrannte im letzten Jahr die Debatte über das Tragen oder Nichtragen einer Burka im öffentlichen Raum. Im Rahmen des Themenmonats 2016 zum Thema „Islam und Theologie“ führte Philipp die Debatte im Rahmen eines eigenen Lesenswert aus.

Wir machen einen ganzen, vollen Monat lang Islam und Theologie zum Thema, und worüber diskutiert Europa? Dass uns zum Islam allgemein und zur Terrorbekämpfung wenig mehr einfällt, als über die Kleidung von Frauen zu disputieren, ist an sich schon betrüblich genug.

(Im März 2017 urteilte der Europäische Gerichtshof für das Verbot.)

Griechenland – Zum Beten in die Garage

In Griechenland sitzt das Mißtrauen gegen die Türken und damit pauschal gegen alle Muslime tief. Seit 200 Jahren wurde in Athen keine Moschee mehr gebaut und obwohl sowohl die EU als auch ausländische Regierungen den Druck erhöhten, wird ein Neubau immer weiter hinausgezögert.

200 000 bis 300 000 Muslime leben mittlerweile in der Metropole und in der Region Attika. In ganz Griechenland sind es nach Schätzungen eine halbe Million. Zehntausende Flüchtlinge sind darunter, aber auch Zuwanderer, die in zweiter, dritter Generation im Land leben. Sie haben einen griechischen Pass, zahlen Steuern, sind integriert. „Und trotzdem haben sie keinen Respekt vor uns“, schnaubt Anna Stamou, eine zum Islam konvertierte Griechin, mit „sie“ meint sie die Politiker, denen sie vorwirft, den Bau zu verschleppen. Ihr Mann, Naim Elgadour, sagt: „Ich habe mein Vertrauen verloren.“

USA – Der Teufel steckt im Detail

Es gibt Gerüchte, dass US-Präsident Trump der Teufel persönlich sei. Wir dürfen uns glücklich schätzen, dass er es warhscheinlich nicht ist, denn sonst hätte er Mittel und Wege gefunden, von anderen Entscheidungen zu profitieren und seine eigene Politik durchzusetzen. In den USA kämpfen Satanisten für Religionsfreiheit um ihretwillen.

Die Schulen tun sich schwer, diese Anträge abzulehnen, denn die Satanisten berufen sich auf die Religionsfreiheit und können gegen die Ausgrenzung klagen. Die »Sieben Gebote« der Satanisten enthalten die Überzeugung, »dass die Freiheit anderer zu respektieren ist, auch die Freiheit, Ärgernis zu erregen.«

Türkei – Druckmittel Religion

Während in den einen Ländern diskutiert wird, in wie weit sich Kirchen politisch äußern dürften, nutzt Erdogan die Religion als politische Druckmittel.

Die AKP hatte sich schon warmgelaufen: Zuerst warf man dem österreichischen Außenminister Sebastian Kurz wegen seiner Türkeikritik „Islamophobie“ vor. Dann wiederholte man den Vorwurf gegen die Niederländer. Schließlich bezichtigte Erdoğan die EU eines „Kreuzzuges“ gegen den Islam und warnte: „Bald könnten Religionskriege in Europa beginnen.“


Im Verlauf unseres Themenmonats „Kirchen und Politik“ wollen wir Euch in einer Reihe Lesenswerts auf Texte aufmerksam machen, die interessant, herausfordernd und unterhaltsame Aspekte unseres Themenschwerpunkts aufnehmen. Wenn ihr irgendwo einen guten Artikel gelesen habt, schickt den Link an lesenswert@theologiestudierende.de!

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