Quo vadis Theologiestudium? Bericht zur Fachkommission I
Bundestag: Heye Jensen – Augsburger Dom: Christine Fuhrmannek

Auch auf universitärer Ebene finden Verknüpfungen zwischen Kirchen und Politik statt. Wer Theologie an einer staatlichen Hochschule oder Universität studiert und einen Beruf in der Kirche anstrebt, befindet sich sofort in der Gemengelage zwischen diesen beiden Polen. Viola Rüdele vertritt in der Fachkommission I die Interessen der evangelischen Pfarramtsstudierenden und berichtet hier von ihrer Arbeit.

Am 30.06.2017 fand die Sitzung der Fachkommission I der EKD in Berlin statt. Diese scheinbar banale Information hat weitaus mehr mit theologiestudierende.de zu tun als man auf den ersten Blick denkt. Beide kreisen nämlich um ein ähnliches Interessengebiet: das Theologiestudium.

In der Fachkommission I treffen sich Professor*innen, Ausbildungsreferent*innen, Menschen aus dem Mittelbau und den Predigerseminaren sowie EKD-Mitarbeitende dreimal im Jahr zum gemeinsamen Austausch und Gespräch. Im Mittelpunkt steht dabei immer die „Behandlung und Klärung aller Fragen des theologischen/religionspädagogischen Studiums und seiner Inhalte, die einer bundeseinheitlichen Regelung und Absprache bedürfen“, wie es in der offiziellen Aufgabenstellung heißt.[1]

Und damit bei diesen Gesprächen die Stimmen der Studierenden, also der direkt Betroffenen, nicht zu kurz kommen, entsendet der  Studierendenrat Evangelische Theologie (SETh) je zwei studentische Vertreter*innen in dieses Gremium. Auch wenn bei theologiestudierende.de zumeist andere Themen im Mittelpunkt stehen als Prüfungsordnungen, wird doch bei beiden auf unterschiedlichen Ebene und mit unterschiedlichen Mitteln um die Frage: Was ist gute Theologie? gerungen.

Dass dies in einem deutschlandweiten Gremium mit Vertreter*innen aus unterschiedlichen Bereichen etwas formaler verhandelt wird, versteht sich von selbst. Doch gerade in solchen Gremien werden die Weichen gestellt, wie heute und in Zukunft Theologie studiert werden kann. Die dort gefassten Beschlüsse sind EKD-weit verbindlich.

Der zentrale Text, auf den sich dabei immer wieder bezogen wird, ist die sog. Rahmenordnung, die deutschlandweite Standards für ein (gutes) Theologiestudium anführt. Sie steckt damit den Rahmen ab, in dem sich die Fakultäten bei der Gestaltung ihres Studiengangs bewegen sollen. Damit ist gewährleistet, dass das Theologiestudium in seinen Inhalten und Formen in etwa vergleichbar ist/bleibt und somit ein Wechsel zwischen den unterschiedlichen Fakultäten ermöglicht wird.

Da Papier jedoch bekanntlich geduldig ist und sich viele Probleme auch erst in der praktischen Umsetzung herauskristallisieren, werden die Ordnungen von der Fachkommission I regelmäßig evaluiert und Probleme angesprochen. Häufig beschäftigt sich die Fachkommission I demnach mit Problemen der gegenseitigen Anerkennung bzw. Nicht-Anerkennung von (Sprach-) Prüfungen und Modulen zwischen unterschiedlichen Fakultäten.

Am aktuellsten ist die Diskussion um das sog. Mainzer Modell als Alternative zum ‚klassischen‘ Spracherwerb in Sprachkursen. Dieses sieht vor, den zweiten Teil des Sprachkurses Griechisch in Rahmen von ‚regulären‘ Veranstaltungen wie Proseminaren abzuhandeln. Weiterhin beschäftigt sich die Fachkommission I gerade mit der Ausarbeitung einer Rahmenordnung für den berufsbegleitenden Master, der Menschen auf dem ‚zweiten Bildungsweg‘ ins Theologiestudium und perspektivisch den Pfarrberuf führen soll.

Daneben spielen auch Themen, die das Theologiestudium eher am Rande berühren, eine Rolle. So wurde z.B. auf der Sitzung am 30.06. einen Text „Zur Situation und Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses“ verabschiedet.

Da Leben ständig im Werden ist, verändert sich auch die Theologie, und mit der Theologie verändert sich das Theologiestudium. Dieser Prozess wird in theologiestudierende.de aus studentischer Perspektive vielfältig reflektiert und (kritisch) begleitet. Die Fachkommission I dagegen gestaltet den Prozess durch die Formulierung von Regelungen und Ordnungen, die stets einem neu auszuverhandelnden Interpretationsprozess unterliegen.

Als studentische Vertretung in der Fachkommission I sind wir natürlich darauf angewiesen, dass Studierende an diesen Prozessen aktiv mitarbeiten wollen und uns ihre Anliegen mitteilen. Dafür sind eure Fachschaften und Landeskonvente die richtigen Ansprechparter*innen, die dann die zentralen Themen in den SETh und damit auf die Bundesebene tragen können, von der aus wir wiederum zur Fachkommission I entsandt werden. Natürlich könnt ihr uns auch gerne direkt eine Mail schreiben (fk1@interseth.de) oder euch auf der Homepage (www. interseth.de) allgemein über uns und die gesamte Arbeit des SETh informieren.

Wir freuen uns auf euch, eure Ideen und Wünsche, auf konstruktive Gremiensitzungen und ein hoffentlich immer besser werdendes Theologiestudium!


[1] Theologische Ausbildung in der EKD. Dokumente und Texte aus der Arbeit der Gemischten Kommission/Fachkommission I zur Reform des Theologiestudiums (Pfarramt und Diplom) 1993-2004″, herausgegeben von Michael Ahme und Michael Beintker, Evangelische Verlagsanstalt Leipzig 2014, S. 255. Diese Aufgabenstellung bezieht sich auf das übergeordnete Gremium, die Gemischte Kommission, die sich in zwei Fachkommissionen untergliedert, die Fachkommission I kümmert sich dabei um die Belange des Pfarramtstudiengangs, die Fachkommission II um die des Lehramtstudiengangs.

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