Die Reformierten im Lutherland Als Pressevertreter auf der Generalversammlung der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen in Leipzig

Während Henrike als Helferin auf der 26. Generalversammlung der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen (WGRK) tätig war, ergatterte ich die ehrenvolle Aufgabe, als Pressevertreter für theologiestudierende.de tätig zu sein. Die gewonnenen Eindrücke sind nämlich unterschiedlich und vielleicht auch interessant, verschiedene Wahrnehmungen der Teilnehmer zu lesen. Falls ihr diesen Artikel zuerst lesen solltet, schaut also auch beim Artikel von Henrike vorbei.

Zuerst ein paar Grundinformationen: Aller sieben Jahre tagt die WGRK, zuletzt 2010 in Grand Rapids (USA). Eigentlich hätte die Generalversammlung erst 2011 stattfinden sollen, um jedoch das Reformationsjahr zu nutzen, verlegte man die 25. Generalversammlung um ein Jahr vor. Eine Woche vor Beginn der diesjährigen 26. Vollversammlung – vom 29.06.- 07.07. – traf sich eine Jugendelegation in Zwochau, etwas später ebenfalls ein sogenanntes „Women-Pre-Council“.

Presseausweis, bitte

Im Vorfeld gab es bereits einiges zu erledigen, auch für die Vertreter der Presse. Mit Philipp Tanis, dem Sprecher der WGRK, pflegte ich bereits zwei Monate vor dem Start der Vollversammlung regen E-Mail-Kontakt, meistens lediglich, um nicht in Vergessenheit zu geraten und den Einladungs-Link zu bekommen. Rund drei Wochen vorher dann das erste Problem – der Link zur Anmeldung funktionierte nicht. Wieder Kontakt mit Herrn Tanis, am nächsten Tag konnte man sich dann endlich online anmelden. Damit sollte es doch alles gewesen sein…

Um sicher zu gehen, auch den notwendigen Presseausweis zu ergattern, reiste ich einen Tag vor dem Beginn der Vollversammlung zur Leipziger Messe. Dort stellte sich heraus: Man hat keine Daten erhalten. Mit etwas Schmunzeln vernahm ich aber, dass dies nicht nur unser Portal betraf, sondern auch Vertreter größerer Medienanstalten. Nun gut, nach einer Stunde Wartezeit hatte ich alles Notwendige und konnte endlich offiziell mitwirken. Der Beginn hätte also durchaus besser vonstattengehen können, lief doch zumindest bei der Anmeldung einiges schief. Immerhin: Die Helfer und verantwortlichen Personen bemühten sich nach allen Kräften, diese Probleme zu lösen und waren mit Freude zur Stelle, sobald sich eine Frage auftat.

Zu viele kirchliche Großevents im Osten?

Den Großteil der Zeit verbrachten die Delegierten in Leipzig. 1519 disputierten Luther und Eck in dieser Stadt, von hier aus begann die friedliche Revolution 1989. Bereits letztes Jahr fand in dieser Stadt der Katholikentag, vor etwas mehr als einem Monat einer der Kirchentage auf dem Weg statt. Schon beim Event im Mai diesen Jahres merkte man: Das Interesse der Gäste ist gering. Damals erwarteten die Veranstalter des Kirchentages auf dem Weg in Leipzig 50.000 Gäste, es kam gerade einmal ein Drittel der erwarteten Teilnehmer. „Teilnehmer“ in dem Sinne waren natürlich bei der WGRK die Delegierten, es handelt sich immerhin um eine Vollversammlung, die Satzungsänderungen bespricht, was den Normal-Bürger nicht interessiert. Bis auf die Menschenmenge vor der Reformierten Kirche in Leipzig zeigte sich relativ wenig Präsenz von Interessierten, was doch insofern etwas schade ist, als dass man sich eigentlich bunt und vielfältig der Öffentlichkeit zeigen wollte. Zumeist verbrachten die Teilnehmer die Zeit in der Messe, welche ein gutes Stück außerhalb der Stadt liegt.

Nun denn: Neben den Bibelarbeiten, Diskussionen und Andachten gab es auch einige besondere Veranstaltungen. Am Freitagmorgen fragten sich bereits viele Studenten, was denn in und an der Nikolaikirche los sei – die Frage war einfach zu beantworten: Die führenden Vertreter der WGRK sowie Bundespräsident Steinmeier waren anwesend. Steinmeiers Rede war dabei teilweise vorhersehbar: Von der Leipziger Nikolaikirche aus „haben Menschen die Freiheit erfahren, die zum aufrechten Gang erst ermächtigt,“ dabei Bezug nehmend auf aktuelle Probleme der Christengemeinschaft. Insbesondere lag sein Fokus auf der Verfolgung der Christen im Nahen und Mittleren Osten, obwohl Religionsfreiheit ein Menschenrecht ist.

Am Sonntag fand in Berlin der Gottesdienst des Treffens in der Domkirche statt. Übertragen wurde dieser im ZDF. Neben einer wirklich guten musikalischen Ausgestaltung forderte der Generalsekretär, Chris Ferguson, von allen Christen ein gesteigertes Engagement im Kampf gegen die Ungerechtigkeit auf der Welt, mit Impressionen verschiedener Vertreter aus allen Erdteilen geschmückt.

Als „historisch“ kann man dann die Unterzeichnung eines Vertrages am 5. Juli in Wittenberg bezeichnen. Die Reformierten traten dem Wittenberger Zeugnis bei, einem Vertrag, der 1999 zwischen Lutherischen und der Römisch-Katholischen Kirche unterzeichnet wurde, in welchem gegenseitige Verurteilungen während des 16. Jahrhunderts keinen Einfluss mehr haben auf das Verständnis der Gegenwart. Ebenfalls historisch ist die Wahl von Najla Kassab als erste Präsidentin der WGRK, welche erst seit wenigen Monaten Pfarrerin ist, aber dennoch die Delegierten überzeugen konnte.

Fazit: Die Öffentlichkeit wird dieses Treffen wie schon die Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes in Windhook kaum wahrgenommen haben. Das Jahr scheint einfach zu überfüllt mit kirchlichen Veranstaltungen in Ostdeutschland zu sein. Abseits dieser subjektiven Eindrücke aber wird deutlich, dass die ökumenische Zusammenarbeit zwischen den Kirchen wieder einen wichtigen Schritt nach vorne gemacht hat. Die Gemeinsamkeiten der verschiedenen Konfessionen werden weiter gestärkt, Unterschiede nicht mehr nur als Hindernis betrachet, sondern als Grundlage einer fruchtbaren Diskussion.

Anders als Henrike prasselten deutlich weniger Eindrücke vom Treffen auf mich ein, vor allem der Start in das Treffen verlief ziemlich holprig durch den hohen Organisationsaufwand. Zudem war ich nicht an jedem Tag anwesend, die Prüfungen standen vor der Tür und der Stoff wartet nicht auf das Ende einer Vollversammlung. Dennoch war die dortige Arbeit ziemlich ansprechend und in der Reflexion äußerst interessant, da der Eindruck von dem Treffen letztlich ein positiver ist. Außerdem traf ich viele interessante Personen, u.a. Pressevertreter größerer Medienanstalten und die Delegierten aus aller Welt, die eine vielfältige Reformierte Kirche präsentierten – zumindest für diejenigen, die am WGRK teilnahmen.

12 Kommentare anzeigen

  1. Emanuel

    „Neben einer wirklich guten musikalischen Ausgestaltung forderte der Generalsekretär, Chris Ferguson, von allen Christen ein gesteigertes Engagement im Kampf gegen die Ungerechtigkeit auf der Welt, mit Impressionen verschiedener Vertreter aus allen Erdteilen geschmückt.“

    Er forderte also wirklich gute musikalische Ausgestaltung?? ;)

  2. Emanuel

    „Die Reformierten traten dem Wittenberger Zeugnis bei, einem Vertrag, der 1999 zwischen Lutherischen und der Römisch-Katholischen Kirche unterzeichnet wurde, in welchem gegenseitige Verurteilungen während des 16. Jahrhunderts keinen Einfluss mehr haben auf das Verständnis der Gegenwart.“

    Bitte das nächste Mal genauer lesen oder hinhören: das Wittenberger Zeugnis ist von 2017, vereinbart zwischen LWB und WGRK.
    Das andere ist die gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre.

    • Emanuel

      Sorry. Aber in der verlinkten „Quelle“ heißt es: „wurden in der Wittenberger Stadtkirche zwei Erklärungen unterzeichnet. Bei einem ökumenischen Festgottesdienst bekannten sich die Protestanten aus der Tradition der Schweizer Reformatoren Zwingli und Calvin gemeinsam mit dem Lutherischen Weltbund zum „Wittenberger Zeugnis“. Außerdem traten die Reformierten der vom LWB und dem Vatikan 1999 unterzeichneten „Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ bei.“

      Inwiefern meinst du, ich sei widerlegt? ZWEI Erklärungen. Nämlich EINMAL das Wittenberger Zeugnis, und das ANDERE MAL die GER. Das sind ZWEI UNTERSCHIEDLICHE DINGE.

      • Oliver

        Wenn nun jemand von außen Fehler im Inhalt bemängeln möchte, so sollte er dies ebenfalls richtig machen. Sicherlich – der vorliegende Artikel von Toni Schmidt – hat so seine inhaltliche Fehler. Aber wenn man noch wohlwollend mit ihm sein möchte, so dürfte man bei diesen zwei unterzeichneten Erklärungen auch Unterschiede bemerken, die der Artikelschreiber unglücklicherweise zusammgefügt hat. Einerseits geht es um ein bekenntnis und andereseits um einen Beitritt zu einem bestehenden Vertagswerk bzw. zu einer bestehenden Erklärung. Die Reformierten traten der gemeinsamen Erklärung bei und bekannten sich zum Wittenberger Zeugnis.

        Was ist aber eigentlich das Wittenberger Zeugnis genau im Inhalt ?
        Tja, ich musste sehr im Internet danach suchen – d.h. es scheint noch nicht so veröffentlicht zu sein, so dass Du – als jemand mit einer angreifenden Position – hättest genauer erklären müssen, was der Unterschied zwischen beiden Erklärungen ist. Die angreifende Position ist widerlegt, weil es keine Begründung gibt, die den fehler als Fehler tatsächlich bezeichnet. Die Erkenntnis, dass es nur Unterschiede in den Erklärungen gibt, reicht nicht als Argumentation aus. Bitte das nächste Mal genauer argumentieren !

        https://drive.google.com/drive/folders/0B-5uio05aP_8RG50SlM0Zi1NbG8

        http://www.reformiert.de/nachrichten-generalversammlung/items/Wittenberger_Zeugnis_Rechtfertigung.html

        • Emanuel

          Ich muss gar nichts. Ich habe den Artikel nicht geschrieben und ich muss dir auch nicht erklären, was das Wittenberger Zeugnis ist. Dafür gibt es Google. Noch einmal: im Artikel hieß es: „Die Reformierten traten dem Wittenberger Zeugnis bei, einem Vertrag, der 1999 … unterzeichnet wurde…“
          Ich habe darauf hingewiesen, dass dies nicht stimmt. Der Vertrag von 1999 ist nämlich nicht das Wittenberger Zeugnis. Was sollte an meinem Hinweis falsch sein oder fehlerhaft? Und was sollte an dieser Stelle richtiges im Beitrag stehen? Dieser Satz ist einfach falsch!
          Wer sich durch diesen Hinweis angegriffen fühlt, hat entweder meinen Kommentar nicht gelesen, oder ihn nicht verstanden oder weil eines von beidem nicht tun.

          • Oliver

            Deine Argumentation ist falsch !!! Wenn Du schon Fehler anprangerst, dann solltest Du es auch richtig tun :

            Beitritt – Die Reformierten traten der GE von 1999 bei.
            Bekenntnis – Die Reformierten bekennen sich zum Wittenberger Zeugnis von 2017.

            Demnach ist Deine Wiedergabe einer Quelle – sei sie richtig oder falsch – nicht von Dir überprüft worden .

            • Emanuel

              Ich hatte geschrieben: „das Wittenberger Zeugnis ist von 2017, vereinbart zwischen LWB und WGRK.
              Das andere ist die gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre.“
              Ich habe überhaupt keine Quelle wiedergegeben oder kritisiert. Ich habe lediglich gesagt, dass der Satz aus dem Artikel „Die Reformierten traten dem Wittenberger Zeugnis bei, einem Vertrag, der 1999 … unterzeichnet wurde…“ falsch ist. Und das ist er, da kannst du Ausrufezeichen setzen wie du willst. Ich habe auch nicht behauptet, dass die reformierte Kirche der GER schon 1999 beigetreten wäre. Aber die GER IST 1999 entstanden und eben nicht deckungsgleich mit dem „Wittenberger Zeugnis“. Mehr habe ich gar nicht gesagt. Deshalb kann ich deine Vorwürfe immer noch nicht nachvollziehen.

              • Oliver

                Hinsichtlich der von Dir benutzten Zitate liegt die Verantwortung bei einer aggressiven Beurteilung ebenfalls bei jenem Kritiker, vollständig zu kritisieren. Der Vollständigkeit halber hättest Du den obigen Artikel hinsichtlich seiner Quellenlage kritischer bewerten müssen, ob es eine Art von Gleichheit zwischen beiden Dokumenten gibt. Die Thematik beider Dokumente betrifft die Ökumene. Demnach richtest sich Deine Kritik nicht gegenüber eines womöglich falsch dargestellten Kontextes, sondern gegenüber der Ökumene. Was sagt denn das Wittenberger Zeugnis anderes aus als die gemeinsame Erklärung ? Übrigens beide Dokumente wurden sozusagen erst vor kurzem – sagen wir einmal auch ratifiziert – unterzeichnet. Demnach – vom Gültigkeitsstandpunkt und vom Aussagenwert – haben beide Dokumente erst 2017 für die Reformierten (der Landeskirche hier in Deutschland) eine Bedeutung. Der Bedeutungshorizont kann nicht klein geredet werden, nur wenn man grammatikalische Fehler oder Rechtschreibefehler oder Aussagenfehler höher bewerten möchten als der entsprechende Kontext des obigen Artikels vorgibt. Die Art und Weise Deines Vorgehens tendiert dazu, Kritik an der Sache mit einem argumentum ad hominem anzufechten, ohne sich gegen oder für die Sache zu verwenden. Es schien so, als ob Du den Artikelsteller in Misskredit zu bringen versuchtest, um dadurch die Aufmerksamkeit vom Nachrichtenwert des Artikels wegzulenken, damit der Nebeschaukriegsplatz attraktiver erscheint. Die Sache sollte dagegen im Vordergrund stehen, sofern man gewillt ist, sich konsequent an der Sache abzuarbeiten. Um diesen Aspekt Deiner Kritik aufzuheben, bemängelte ich ebenfalls – aber hoffentlich noch sachlich – mit einem Argument gegen die Person – Deiner Person – dass es nicht fair ist, Tatsachen zu verdrehen. Dreh- und Angelpunkt ist das Datum der Unterzeichung beider Dokumente – Juli 2017.

                • Emanuel

                  Komm mal wieder runter, oder auch: lern bitte, zu lesen. Ich frage mich ernsthaft, aus welcher Zeile du herauslesen willst, dass ich im Sinne hätte, die Ökumene zu kritisieren. Deines Erachtens also ist eine Kritik an mangelhafter Grammatik (die zu Missverständnissen führt, die man spätestens in der ST-Prüfung nicht mehr haben sollte) Hinweis auf Ablehnung des Inhalts und ein Argumentum ad hominem? Sorry, aber das einfach nur eins: Ganz ganz dumm. Schade, dass du dumm bist [du wolltest doch ad hominem, oder?]. Dreh- und Angelpunkt ist, dass beide Dokumente nicht ein- und dasselbe sind. Egal, wann sie jeweils von wem unterzeichnet worden sind. Egal, wer sie geschrieben hat. Egal, was. Sie sind nicht deckungsgleich. Sie sind verschiedene Dokumente, die beide zwar möglicherweise ein- und demselben Zweck dienen, aber sie sind nicht dasselbe. Und auch nicht dasgleiche. Sie sind verschieden. Zwei verschiedene Dokumente.

                • Emanuel

                  Ich wiederhole: Es sind zwei Dokumente, und nicht eins. Auch sind es nicht drei. Die vier scheidet völlig aus. Bleibe nicht bei der eins stehen, sondern zähle weiter bis zwei.
                  Da bleibe stehen, zwei ist richtig. (Kannst du zählen? – Ich bin mir ja unsicher. [Sorry, aber so viel ad hominem muss ich dann doch noch bringen, wenn du es mir schon vorwirfst. Wir wollen dich ja nicht dem Verdacht der Lüge aussetzen. Dummheit ist ja nicht Lüge, nicht wahr? Naja, lerne denken. Hilft manchmal.]) Wo war ich? Achja, übrigens handelt es sich um zwei verschiedene Dokumente. Sie weisen zwar eine gewisse Ähnlichkeit auf, aber sie sind nicht äquivalent.
                  Wusstest du übrigens, dass es zwei Dokumente sind? Oh, habe ich schon die Zahl zwei erwähnt? Weißt du, welche Zahl nach der eins kommt? Und kannst du mir sagen, welche Zahl vor der drei kommt, ich muss es vergessen haben. Achja, die zwei! Ach wie froh bin ich, dass mir die zwei eingefallen ist. Sonst wäre das hier noch untergegangen, dass das zwei Dokumente sind. Ein Glück!
                  Wer Polemik findet, behalte sie.

  3. Oliver

    Die vulgäre Sprache des Diskussionsteilnehmers Emanuel geht an der Sache vorbei.
    Abgesehen von zwei Dokumenten gibt es eben nur ein Unterzeichnungsdatum – Nun gut, die Polemik des Widersachers zielt nicht mehr auf den Aussagengehalt des Artikels. Dies tut mir mehr leid für den Artikelsteller.

    Wenigstens hatte Toni Schmidt sein Erlebnis gehabt und hat uns netterweise durch seine Dokumentation daran teilhaben lassen. Danke dafür.

    „Außerdem traf ich viele interessante Personen, u.a. Pressevertreter größerer Medienanstalten und die Delegierten aus aller Welt, die eine vielfältige Reformierte Kirche präsentierten – zumindest für diejenigen, die am WGRK teilnahmen.“

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