World Conference of Reformed Churches Living God, renew and transform us. Oder: Wenn ich groß bin, werde ich... Steward

„Lebendiger Gott, erneuere und verwandle uns“ – Dieses Motto begleitete vom 29.06.-07.07.2017 über 1000 Menschen, die aus 108 Ländern nach Leipzig zusammenkamen, um die 26. Generalversammlung der Reformierten Kirche, die alle sieben Jahre tagt, abzuhalten. Als eine von 67 hatte ich als Steward die großartige Möglichkeit, hinter die Kulissen zu sehen und hautnah dabei zu sein. Inzwischen sind die meisten abgereist, Kirchen und Messegelände zum „Normalzustand“ zurückgekehrt und der Schlafmangel einigermaßen nachgeholt. Zeit für einen Rückblick auf die Highlights der letzten Tage.

Für einige der wenigen Mitarbeiter*Innen der WCRC waren die Vorbereitungen natürlich nicht vor Tagen, sondern vor Monaten und Jahren losgegangen, andere nahmen eine Anreise von über zwei Tagen auf sich und wieder andere – zu denen auch die Stewards gehörten – versammelten sich ab dem 22.06. in Zwochau, einem kleinen Ort nahe Leipzig zum Youth Gathering – ohne WiFi. Hier wurden erste internationale Kontakte geknüpft, neue Songs gelernt, interkulturelle Brücken geschlagen und thematische Schwerpunkte gesetzt. Die Jugenddelegierten beschäftigten sich in Plenaries und Workshops mit degrowth-Konzepten und der Lösung ökonomischer Probleme unserer Zeit. Nach dem Youth Gathering bestand die nächste logistische Herausforderung darin, die rund 200 Teilnehmenden nach Leipzig zu shuttlen, wo zunächst ein Womens-Pre-Council und ab dem 29. Juni der General Council of Reformed Churches abgehalten wurde.

In Leipzig hieß es dann für uns Stewards, Dokumente auszudrucken, Büros aufzubauen, Delegierte am Flughafen und Bahnhof abzuholen, zu registrieren und zu Hotels zu lotsen, gleichzeitig Wegweiser, Shuttleservice und Übersetzer zu sein (die Konferenz hatte mit Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Indonesisch und Koreanisch sechs offizielle Sprachen) und alle möglichen Kleinigkeiten, wie ärztliche Versorgung oder verlorene Gepäckstücksuche, zu organisieren. Es war wunderbar, in einem großen, aktiven, internationalen Team zu arbeiten und wir alle hatten nach wenigen Tagen das Gefühl, zu einer Steward-Familie zusammengewachsen zu sein.

Steward-Familienfoto (Foto von Henrike Acksteiner)

 

Auch ein Großteil des Programms für die Delegierten und Gäste bestand darin, sich international, interkulturell, interkonfessionell und intergenerativ in kleineren Discernmentgroups wie auch im Plenum  auszutauschen. Neben der Behandlung verschiedener Konfliktfelder und Krisenherde, wie Nord-Süd-Korea, stand etwa das Thema Genderjustice und Frauenordination auf der Agenda. Natürlich fehlte es auch nicht an spirituellen und kulturellen Programmeinheiten. So fanden in der Reformierten Kirche, wie auch in Nikolai- und Thomaskirche zu Leipzig Gottesdienste, Gebete und Konzerte statt.

Auch die „High Society“ (die es in einer reformierten Kirche theoretisch ja gar nicht gibt…) durfte nicht fehlen. Eine besondere Ehre und Freude war es, 50 Jahre nach seinem ersten Vortrag bei einer Generalversammlung den renommierten Theologen Jürgen Moltmann (91) zu hören, der  in Leipzig sein Vertrauen auf den „lebendigen Gott“ darlegte, der vor den Fratzen der „Götter des Todes“ Leben hervorbringt und angesichts des Atheismus Freude schafft.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nahm am Eröffnungsgottesdienst in der Nikolaikirche teil und gab seinen Glaubensgeschwistern ein ermutigendes Wort mit auf den Weg der Konferenz.

Weitere Highlights waren besonders für die weitgereisten Teilnehmenden die Ausflugstage nach Berlin mit ZDF-Fernsehgottesdienst aus dem Berliner Dom und Empfang im Auswärtigen Amt, sowie in die Lutherstadt Wittenberg. Hier wurde in diesen Tagen nicht zum einzigen Mal, aber vielleicht am eindrücklichsten, Geschichte geschrieben, als am 05. Juli 2017 LWB (Lutherischer Weltbund) und WGRK (Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen) das „Wittenberger Zeugnis“ unterzeichneten und sich die WGRK der „Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ anschloss. Außerdem war es wohl eine historische Predigt, die Najla Kassab, eine libanesische Pfarrerin von „Luthers Kanzel“ in der Stadtkirche zu Wittenberg mit den Worten „Here I stand.“ begann, wofür sie sofort tosenden Applaus erntete.

Najla Kassab, eine inspirierende Pastorin, die u.a. für Syrien zuständig ist und weiß, dass es nicht genügt, über Gerechtigkeit zu reden, wurde für den kommenden siebenjährigen Term zur ersten Präsidentin der WGRK gewählt und löst damit den südafrikanischen Theologen Jerry Pillay ab. Mit ihr zusammen wurden 22 weitere neue Mitglieder des Executive Committees gewählt, der sich aus zehn Männern und zwölf Frauen, 15 Ordinierten und sieben Nicht-Ordinierten zusammensetzt, fünf der Mitglieder sind  zudem jünger als 30 Jahre.

All diese Highlights und Ergebnisse aus zum Teil jahrelangen Diskussionen und Bemühungen kulminierten in einem inspirierenden Abschlussgottesdienst, der Delegierte und Mitarbeitende verwandelt und transformiert, vielleicht sogar „reformiert“, in alle Welt aussendete.

Dafür haben sich durchwachte Nächte, endlose Druckerstaus, logistische Herausforderungen (z.B. 800 Delegierte in Wittenberg finden) mehr als gelohnt. In diesem Sinne kann man nur weiterbeten und hoffen, dass sich diese Vibes um den Globus ausbreiten „Lebendiger Gott, erneuere und verwandle uns!“

Dazu gäbe es noch so viel zu sagen oder schreiben, aber wer mehr zum Programm und zu den einzelnen Veranstaltungen der WCRC erfahren möchte, kann sich am besten hier informieren oder hier ein paar Momente nachspüren. Und wer neugierig geworden ist, selbst als Steward tätig zu werden, darf sich gerne bei mir melden und sich ermutigt fühlen: Es ist ein großartiges, einmaliges Erlebnis tu es!

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