Religion & Film Ein Forschungsfeld im Aufbruch

Religion und Film, geht das überhaupt zusammen? Auch wenn es heute wohl kaum jemanden mehr gibt, der das ernsthaft bestreiten würde, sah dies vor rund 50 Jahren noch ganz anders aus. Große Skepsis gab es gegenüber denen, die glaubten, dass die Theologie von der Arbeit mit Filmen profitieren könnte. Religiöse Filme gab es zwar schon lange, allerdings wurden sie nur selten wissenschaftlich reflektiert.

Das lag vielleicht auch am hohen Einfluss der Kirchen, den diese auf die gesamte Kinobranche hatten. Als 1980 der Film „Life of Brian“ (Das Leben des Brian) in die Kinos kam, riefen die Kirchen zum Boykott gegen diese schändliche Darstellung auf. Übrigens darf der Film bis heute an hohen Feiertagen nicht im Fernsehen oder Kino laufen, auch wenn die Kirchen mittlerweile eine etwas entspanntere Sicht auf die Dinge haben.

Zum Glück ist seitdem viel passiert und das Thema Religion und Film wurde dann auch für die Wissenschaft immer interessanter. Vor allem in den USA haben sich viele zu Pionieren gemacht, darunter John C. Lyden, Clive Marsh, William Blizek, Adele Reinhartz oder Christopher Deacy. Dass ausgerechnet die USA an dieser Stelle vorne liegen, ist sicher nicht auf Hollywood zurückzuführen, sondern eher darauf, dass die Amerikaner auch sonst in der Wissenschaft sehr viel mehr auch an Cultural Studies und Religion interessiert sind als die Theologen hierzulande. Deutsche Literatur gibt es in jedem Fall noch wenig zu diesem Thema.

Ende März nahm ich an einer Konferenz zum Thema „The Place of Religion and Film“ an der University of Syracuse in den USA teil. Rund 60 Personen aus 13 Ländern waren dabei, darunter Professoren, Wissenschaftler und Doktoranden aus den Gebieten Theologie, Geschichte und Filmwissenschaft. Aus Deutschland war ich der einzige.  Viele gibt es hier nicht, die sich mit viel Interesse darin betätigen. Das liegt auch daran, dass man an vielen Fakultäten mindestens eine Schrift im Bereich Homiletik oder Seelsorge vorlegen muss, damit man ernsthaft Chancen auf eine Stelle hat. Eine Professur für Religion und Film wird es wohl nie geben, aber ein gesteigertes Interesse dürfte gerne da sein.

Denn andere machen es vor. Die University of St Andrews führt jetzt z.B. einen Master für Religion and Film ein. Das bedeutet, es wird mehr und mehr Leute geben, die sich in diesem Bereich professionalisieren. Das ist schön, denn das zeigt, dass andere das Potenzial in diesem Bereich durchaus erkennen. Deutschland ist an dieser Stelle dann doch eben sehr traditionell geprägt.

Man könnte sich jetzt fragen: „Warum so ein Artikel in einem Magazin für Theologiestudierende?“ Ganz einfach, weil man hier noch viel erreichen kann. Wer ernsthaft überlegt, in den USA ein Auslandssemester zu machen, könnte z.B. bei den oben genannten eine Veranstaltung belegen. Wer eine Seminararbeit oder gar Examens-/Doktorarbeit schreiben will, die auch Chancen auf Veröffentlichung haben soll, hat hier gute Möglichkeiten. Denn noch gibt es wenig und durch die ständige Neuproduktion von Filmen gibt es auch immer wieder neue Möglichkeiten sich diesem Feld zu nähern und sich hier auszutoben. Ich würde mich auf jeden Fall freuen auf der nächsten Konferenz nicht der einzige Deutsche zu sein. Und ganz ehrlich: Wie cool ist es denn bitte, wenn man abends ins Kino gehen kann und sich dabei nicht schlecht fühlen muss, weil man es ja „für die Arbeit“ macht.

 

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