Moment mal: Themenfindung

Es ist so lange her, dass ich zuletzt etwas für diese Kolumne geschrieben habe. Während ich mich die letzten Male immer gequält hatte ein Thema zu finden, kann ich mich heute nicht entscheiden, über was ich diese Woche schreiben will.

Beispielsweise Taufpaten: Die Diskussion darüber, dass es einer Bescheinigung der Kirchenmitgliedschaft bedarf, um Taufpate werden zu können und die eigene Taufurkunde nicht ausreicht; ob das nicht kleinlich sei und was denn bitte die Mitgliedschaft in der Kirche über den eigenen Glauben aussage. (Tipp: habt immer Menschen um euch, die nicht oder nicht mehr sehr kirchenaffin sind – hier lernt ihr Diskutieren außerhalb der theologischen Blase!)

Oder das Gesangbuch: Die wundersame Entdeckung der Nachbarin, dass das Gesangbuch viel mehr ist und hat als nur Lieder längst vergangener Zeiten. Zum einen lassen sich Gebete und Segenswünsche für viele Situationen von der Geburt bis zum Tod darin finden. Zum anderen sind die Texte dieser ‚veralteten‘ Lieder voll von Poesie und Trost, Hoffnung und Liebe, Glaube und Zweifel, den man selbst nicht in Worte fassen kann. Die Entdeckung der Nachbarin, dass man viel öfter einen Blick ins Gesangbuch werfen sollte, da es einem so viel mehr geben kann.

Oder über die Selbstvorwürfe eines Freundes, in dessen Bekanntenkreis jemand an Krebs erkrankt ist; wenige Monate nachdem er der Person ‚den Papst an den Hals‘ gewünscht hat. Die damit einhergehende Erkenntnis, dass man das, was man Menschen in Akutsituationen wünscht, gar nicht meint, es aber ein Eintreten des ‚Gewünschten‘ braucht, um sich seiner eigenen Blödheit bewusst zu werden. („Mann, wie blöd war ich. Werd‘ schnell wieder gesund!“) Und dann folgt im gleichen Moment der Gedanke, wie weit diese Selbstvorwürfe reichen, wenn derjenige stirbt, dem man den Papst an den Hals gewünscht hat. (Was ist das überhaupt für ein Wunsch? Den Papst an den Hals…) Denn dann, im Fall des Todes, stünde man mit der Frage, ob die Erkrankung nun noch schlimmer verlaufen ist, weil man sie dem Gegenüber gewünscht hat, im Leeren.

Und da schwirrt auch schon das nächste Thema durch den Kopf: Gunther von Hagens und seine Körperwelten. In Heidelberg wurde nach einem neuen Konzept für ein vor Jahren geschlossenes Hallenbad gesucht. Das im Jugendstil erbaute Gebäude soll erhalten bleiben, aber nicht mehr als Schwimmbad. Die Vermietung an die Markthalle, die vorher im Herrenbad des Alten Hallenbads ihr Angebot darbot, war kein Erfolg. Sie schloss Ende 2016 wieder. Das neue Konzept ist eine Dauerausstellung der Exponate Gunther von Hagens, die Ende September eröffnet wird. Und wie eh und je scheiden sich die Geister. Ich denke nicht, dass ich diesen Streit hier ausführen muss, er wird den meisten bekannt sein.

Viele Themen, die ich am Ende meines Studiums auch auf einer theologischen Basis diskutiert habe. Ich bin mitnichten in einer Examensblase gefangen und das ist auch gut so. Gerade fürs Examen gilt es, den Geist wach zu halten. In der Lage zu sein, diese Themen auch theologisch betrachten zu können gibt mir die Gewissheit, dass ich aus dem Studium etwas mitgenommen habe. Der Selbstvorwurf und die Angst beim Lernen, dass ich doch gar nichts weiß, sollte also eigentlich ins Leere verlaufen.

Schlagwörter: , , , , ,

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.