Vielleicht eine Nummer zu groß Ein Kommentar zur Veranstaltung von Barack Obama und Angela Merkel auf dem Kirchentag
Quelle: Kirchentag DEKT36 KatErb Obama und Merkel

Es war der PR- Coup des Kirchentags in diesem Jahr: Nicht irgendein Politiker war als Gast angekündigt, sondern Barack Obama, der 44. Präsident der USA und ein wahrer Polit-Promi. Schon im Vorfeld waren viele auch außerhalb der Kirche beeindruckt, dass Obama an diesem Event teilnehmen würde. Ein hohes mediales Echo war dem Kirchentag damit sicher.

Doch im Vorfeld gab es auch Kritik. Hohe Sicherheitsbestimmungen bedeuten hohe Kosten. Der ohnehin schon über 20 Millionen Euro teure Kirchentag legte nochmal zu. Kosten, die auch der Steuerzahler mittragen muss. Dazu kommt der Vorwurf, dass Angela Merkel auf diese Weise eine nette Wahlkampfhilfe bekommt. Denn andere Veranstaltungen, z.B. mit Martin Schulz oder Frank-Walter Steinmeier, waren bei weitem nicht so beachtet.

Man hatte nicht den Eindruck, dass diese Kritik ankam bei den Verantwortlichen. Die Frage der Finanzierung ist seit Jahren eine Streitfrage. Man kann dabei beide Seiten durchaus verstehen, beide haben nachvollziehbare Argumente. Eine für alle Seiten gute Lösung wird es wohl so schnell nicht geben. Aber zumindest der Frage der Wahlkampfhilfe hätte sich die Kirche stellen können. Obama hatte sich Merkel als Gesprächspartner gewünscht, dass er einen Martin Schulz als ehemaligen Präsident des Europaparlaments daneben nicht akzeptiert hätte ist aber unwahrscheinlich. Möglichkeiten für ein „Fair Play“ hätte es also gegeben.

Dann der große Tag: Donnerstag, 24.5.2017, 11:00 Uhr. 70.000 Menschen sind nach Angaben des Kirchentages gekommen, die meisten dürften für Obama hier sein. Die Veranstaltung vor dem Brandenburger Tor wurde auch vom Fernsehen übertragen – nicht nur nach Deutschland, sondern auch in andere Länder. Es war also wirklich eine Veranstaltung von internationalem Format. Mit Obama und Merkel saßen auch noch Christina Aus der Au, die Kirchentagspräsidentin, und Heinrich Bedford-Strohm, der EKD-Ratsvorsitzende, auf der Bühne.

Während Merkel und Obama die Veranstaltung routiniert bestritten, waren den beiden „Kirchenmenschen“ Nervosität und eine Art Unerfahrenheit mit solchen Gästen anzumerken. Sie mögen aufgeregt gewesen sein vor so einer Menge zu stehen, aber ich hätte mir hier mehr von der Moderation erhofft und gewünscht.

Ich frage mich, warum sich der Kirchentag für die Moderation nicht eine Person gesucht hatte, die mehr Moderationserfahrung mit Gästen aus der Politik hat und die „richtigen“ Fragen stellt. Die Liste möglicher Namen ist lang. Denn das ganze entwickelte sich so eher zum Kaffeeklatsch denn zu einer kritischen Veranstaltung. Lange Monologe, vor allem von Obama, bestimmten das Bild. Da hätte man eher mal „reingrätschen“ können.
Nur einmal wurde es kritisch: Nämlich als gefragt wurde, ob die Politik mit Afghanistan nicht anders umgehen müsse. Merkel erntet Pfiffe, als sie ihre Position verteidigt, bleibt aber standhaft. Man merkt deutlich, dass ihr die Entspannung für einen Moment abhanden kommt. Obama rettet sie und sagt unterstützend: „Das ist nunmal der Job als Politiker.“

Vielleicht war es ein „Wir wollen gesehen werden“, das Bedford-Strohm und Aus der Au dazu bewegt hatte, auf diesem Podium zu sitzen, vielleicht war es aber auch pure Selbstüberschätzung, denn diese Veranstaltung hätte durchaus das Potenzial dazu gehabt, mehr in die Tiefe zu gehen. Vor allem Bedford-Strohm wirkt manchmal überfordert. Als er sagt, dass neben ihm ja nun der ehemals mächtigste Mann der Welt sitzt, gibt es Gelächter. Bedford-Strohm wirkt verwirrt. „Neben Ihnen sitze ja erstmal ich“, grinst Merkel. Trotzdem zeigt diese Szene, wie hölzern manchmal die Moderation wirkt. Statt auf das Gesagte einzugehen, wird sich eher an vorher aufgeschriebene Fragen gehalten. Auch deswegen kann man den Vorwurf der Wahlkampfhilfe nicht ganz entkräften.

Spannend wird es erst in dem Moment, als Studentinnen und Studenten auf die Bühne kommen. Sie stellen wirklich kritische Fragen, bei denen man merken konnte, dass es für Obama und Merkel etwas ungemütlicher wurde. Auf die Frage, wie er mit den unschuldigen Toten der Drohnenangriffe umgehen würde, fand Obama nur schwerlich eine Antwort.

Leider ist dieses kritische Potential viel zu selten ausgeschöpft worden. Der Kirchentag hat seinen ganz großen PR-Clou selbst vergeigt. Man hätte sich besser präsentieren können und es angesichts der großen Aufmerksamkeit vielleicht auch müssen. Schade, denn es ist fraglich, ob es so eine Chance nochmal geben wird. So blieb es vor allem bei einem netten Gespräch. Kann man mögen und gut finden, was – auch das muss betont werden – übrigens viele der Besucher taten. Ich hätte mir trotzdem mehr gewünscht.

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