Moment mal: Den Schalter umlegen Die Welt einfach mal ausblenden.

In dem Moment, wenn dieser Artikel erscheint, sitze ich in einem Vorort nahe Chemnitz. Das größte Event ist dort das alljährliche Stadtfest, aber die 20 Kilometer extra rein in das Stadtzentrum zu fahren, lohnt sich nicht. In meinem Garten genieße ich einen Kaffee, liege einfach auf dem Rasen und blende für einige Zeit alles um mich herum aus.

Was hören wir in der Stadt? Verkehrslärm. In der Innenstadt übertönen sich die jeweiligen Gespräche der Menschen. Die Akustische Lautstärke hat in den vergangenen Jahrzehnten stetig zugenommen. Dazu gesellt sich der weitere Stress. Sei es die Uni, die mit ihrem Lernstoff im Nacken sitzt oder die Bahn, die wieder einmal knapp verpasst wird. Ich höre auf weiter zu zählen. In den letzten beiden Jahrzehnten breiteten sich auch die Social-Media Kanäle aus. Inzwischen benutzt fast jeder mindestens eine passende App hierfür. Dabei möchte man immer auf dem neuesten Stand sein, ein dauerhaftes Einloggen kostet Zeit – und manchmal auch Nerven.

Und dann ist da noch die weitere Technologisierung dieser Welt. Täglich gibt es irgendwo eine neue Innovation, die man möglichst gewinnbringend verkaufen möchte. Gleichzeitig überfluten uns durch Medien hauptsächlich negative Nachrichten aus aller Welt. Man kann sagen, diese ist nicht nur akustisch laut geworden, sondern auch visuell und psychisch. Das dies zu einigen Volkskrankheiten führt, ist die logische Schlussfolgerung. Aber…

Diese Nachrichten blende ich in dem Garten, in dem ich aufwuchs, einfach aus. Hier hört man einfach nur den Rasenmäher, die Vögel, die Nachbarskinder. Nur selten verirrt sich ein größerer Transporter in die nahe gelegenen Landstraßen. Und dies ist einfach nur wohltuend. Für ein, zwei Stunden sich die Zeit zu nehmen, seine und die Probleme der Welt an die Seite zu schieben, sich auf seinen Körper zu konzentrieren und Stress abzubauen, einfach mal nichts zu machen.

Haben wir vergessen wie es sich anfühlt, sich einfach mal zurückzulehnen und zu entspannen, die Sorgen für eine kurze Zeit links liegen zu lassen?

Wenn ich andere Menschen so sehe, dann lautet die Antwort leider zunehmend – ja. Wir haben verlernt, Zeit aufzusparen, für uns selbst. Ist der Terminkalender noch nicht voll, so wird schnell noch etwas rein geschoben, damit diese freie Zeitlücke ebenfalls verschwindet.

Dabei ist eben diese notwendiger denn je, um Kraft für kommende Aufgaben zu tanken, um die eigene Welt und die anderer ein Stück besser zu machen.

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