Bonhoeffers Unterscheidung zwischen billiger und teurer Gnade Ein vernachlässigtes Thema?

Dietrich Bonhoeffer (1906 – 1945) war einer der bekanntesten deutschen Theologen, der weit über den deutschsprachigen Raum rezipiert worden ist. Er engagierte sich besonders im Kirchenkampf, setze sich im Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Deutschland ein und war an der Gründung der Bekennenden Kirche beteiligt. Nach einer zweijährigen Haft wurde Bonhoeffer kurz vor Kriegsende im Jahre 1945 von den Nationalsozialisten im Konzentrationslager Flossenbürg exekutiert. So viel ist vielleicht noch aus dem Geschichts- oder Religionsunterricht bekannt. Darüberhinaus verflüchtigt sich das Wissen über Bonhoeffer rasch, was zum Anlass dienen soll, einen Aspekt seiner Lehren neu zu entdecken.

Nach der Lektüre von „Schöpfung und Fall“ hatten mich Bonhoeffers Gedanken gepackt und ich begann, mich immer mehr für seine Theologie zu interessieren. Der Griff zu „Nachfolge“ war nun logisch, zählt sie doch zu den weltweit am meisten gelesenen Veröffentlichungen Bonhoeffers. In der heutigen Theologie findet Bonhoeffer keine große Aufmerksamkeit mehr. Jedoch hat mich „Nachfolge“ in besonderer Weise in meiner persönlichen Spiritualität herausgefordert. Daher bin
ich der Meinung, dass dieses Werk nicht in Vergessenheit geraten darf.

Billige und Teure Gnade

„Billige Gnade ist der Todfeind unserer Kirche. Unser Kampf heute geht um die teure Gnade.“

Bonhoeffer beginnt in „Nachfolge“ mit der Unterscheidung einer billigen und einer teuren Gnade. Auch Bonhoeffer weiß, dass man Gnade nicht mit Geld erkaufen kann. Doch möchte er aufzeigen, dass billige Gnade den Menschen zwar nichts kostet, jedoch auch keine Kraft der Veränderung in sich birgt. Im Christentum gehe es hingegen um die teure Gnade, die den Menschen das eigene Leben kostet, aber sein innerstes Wesen verändert.

Billig ist die Gnade, die dem Menschen großzügig verteilt werde, ohne ihn zur Nachfolge Jesu aufzurufen. Er empfängt die Gnade, darf jedoch in seinem alten Leben verweilen, ohne seinem Leben eine 180 Grad-Wendung, hinein in die Nachfolge, zu verpassen. Das Austeilen der Gnade gleiche einem großen Ausverkauf. Die Kirche schleudere die Gnade dem Kunden wie einen Restposten von einem großen Verkaufstisch entgegen. Teure Gnade hingegen, die zu Veränderung und Umkehr führt, werde als „Schwärmertum“ und „Buchstabendienst“ abgetan. Etwas für die Extremen. Etwas, das wir bereits überwunden haben. Bonhoeffer ermahnt, mit billiger Gnade dürfe sich ein Christ nicht zufrieden geben. Gnade ohne den Ruf in die Nachfolge, ohne die Aufforderung „Folge mir nach!“ habe nichts mit Jesus, dem Kreuz, oder der Auferstehung zu tun.

Als evangelischer Christ möchte ich an dieser Stelle sofort mit Marin Luthers Rechtfertigungslehre antworten und erleichtert entgegnen, dass wir eine Werkgerechtigkeit und eine Versklavung an den Buchstaben doch zum Glück niedergerungen haben. Doch Bonhoeffer erklärt die Abwertung der Gnade als ein Missverständnis von Martin Luthers Rechtfertigungslehre.

Wie die Gnade billig wurde

Bonhoeffer wirft der Kirche seiner Zeit vor, sie habe die Idee der teuren Gnade sukzessive verloren. Das Mönchtum, das sich in der mittelalterlichen Kirche gegen eine Säkularisierung wandte, sei der letze Hort für eine teure Gnade gewesen. Die Geltung der Gebote wurde auf „eine bestimmte Gruppe besonders qualifizierter Menschen“ begrenzt. Nur im Mönchtum galten völlige Hingabe, Aufgabe des eigenen Lebens und ganzer Dienst für Gott als ernst zu nehmen. Scheinbar. Denn das Mönchtum bestand nicht wirklich aus freiwilligem Verzicht, so Bonhoeffer, sondern entpuppte sich schlussendlich als Selbsterhöhung der frommen Mönche, die sich durch ein besonders frommes Leben die Gnade erkaufen wollten. Das Mönchtum wurde durch die Hintertür von weltlichen Maßstäben angegriffen und zerstört. Das Kloster war kein abgeschiedener heiliger, christlicher Ort mehr, sondern wurde weltlich, in dem die Mönche nicht Gott, sondern ihr Selbst finden wollten.

Es folgte Luthers wichtige Erkenntnis, dass „unser Tun umsonst ist, auch in dem besten Leben“. Die größten und frömmsten Taten beeindrucken Gott nicht, weil sie sich mehr oder weniger immer nur um das eigene Ich drehen. Durch kein moralisches Werk, keine religiöse Tat können wir die Rechtfertigung vor Gott erlangen. Wenn der Mensch glaubt, nimmt Gott ihn allein aus Gnade an.
Sola Gratia!

Für Bonhoeffer ist das größte Missverständnis von Luthers Rechtfertigungslehre, dass die Gnade uns vom unbedingten Gehorsam gegenüber Gott freistellt, dass auf die Gnade kein Handeln folgen müsse. Für Bonhoeffer ist genau das Gegenteil der Fall. Die Gnade zerstöre jedes fromme Ego und zeige, „dass die Nachfolge Jesu nicht verdienstliche Sonderleistung Einzelner, sondern göttliches Gebot an alle Christen ist.“ Deswegen sei Gnade teuer. Das Erhalten der Gnade bedeute Kampf. Er koste das Leben, jeden Tag neu, denn sie macht uns nicht frei von den Aufforderungen Jesu sondern rufe uns in die bedingungslose Nachfolge. Für Luther gehörten Gnade und Nachfolge zusammen. Er habe dies nicht auseinander denken können, weil beide sein ganzes Leben bestimmten, geschenkte Gnade und der tägliche Preis des eigenen Lebens, völlige Nachfolge.

Durch falsche Wiedergabe der Lehre Luthers, wurde „aus der Rechtfertigung des Sünders in der Welt […], die Rechtfertigung der Sünde und der Welt. Aus der teuren Gnade wurde die billige Gnade ohne Nachfolge.“

Gnade als Resultat

Gnade muss das Ergebnis meiner Erfahrungen sein, das Ende, der Schlussstein. „Nur der Glaubende ist gehorsam“: Sola Gratia! Keine Werkgerechtigkeit. Aber auch „nur der Gehorsame glaubt.“ Die Gnade gibt es nicht unabhängig von der Nachfolge, sondern sie realisiert sich in ihr. Glaube und Gehorsam gehören zusammen. Nachfolge ist allein durch geschenkte Gnade möglich. Doch ohne sich an das Gebot Jesu zu halten, existiert auch kein Glaube. Dass der Glaube kein verändertes Leben fordert, ist eine Illusion.

Johannes der Täufer entgegnet den Pharisäern: „Bringt Frucht, die zeigt, dass es euch mit der Umkehr ernst ist.“ (Mt 3,8). In Lk 14,26 fordert Jesus selbst dazu auf, dass wir unsere Familie und unser Selbst vernachlässigen, hinten anstellen müssen, um Jünger werden zu können. Paulus formuliert im Brief an die Galater, dass der Glaube sich nur durch tatkräftige Liebe als echt erweist (Gal 5,6), ähnlich wie in Jak 2,17 „So ist auch der Glaube, wenn er nicht Werke hat, tot in sich selber.“

Ich habe manchmal den Eindruck, dass es mir zunehmend schwerer fällt, über den Aspekt der Nachfolge nachzudenken und zu fragen, was eine 180 Grad-Wendung in Richtung Nachfolge für mich persönlich bedeutet. In welchen Bereichen meines Lebens ziehe ich die billige der teuren Gnade vor? Ein triftiger Grund ist sicherlich meine eigene Gleichgültigkeit, meine Trägheit und mein Ego. Und dann habe ich gelegentlich den vagen Verdacht, als würde dieser Aspekt immer mehr relativiert und vernachlässigt werden. Schnell haben wir mit unterschiedlichen theologischen Ansätzen die radikalen Worte der Nachfolge im Neuen Testament abgeschwächt, umgedeutet und ausgehebelt. Um nicht den Anschein der Ausgrenzung und Ausschließung zu erwecken? Aus Bequemlichkeit, Lethargie oder Harmoniebedürfnis? Ich weiß es selber nicht genau.

Das Evangelium zu verbreiten bedeutet für mich, von Jesu Liebe und Gnade für jeden Mensch zu sprechen. Sola Fide! Sola Gratia! Keine Werkgerechtigkeit! Ja, und aus vollem Herzen. Doch was damit einhergehen muss, ist – da schliesse ich mich Bonhoeffer an – den Ruf Jesu in die Nachfolge zu verkündigen und ernst zu nehmen – im Glauben, mit dem Blick auf sich selbst und in Liebe.

14 Kommentare anzeigen

  1. Sebastian Schumacher

    Vielen Dank für den sehr persönlichen Text!
    Luthers sola-Formeln bereiten heutigen Christen sicherlich Schwierigkeiten und ich würde gerne die Meinung des Autoren zu folgender Zwickmühle hören: Einerseits betonen Sie mit Luther, dass wir uns die Rechtfertigung nicht verdienen können aber auch nicht müssen. Was zählt, ist das Bekenntnis zu Jesus Christus. Soweit so gut, es ist ersichtlich, dass dies für Luthers Zeitgenossen befreiend war, denn für sie stellte Gott eine selbstverständliche Realität dar. Das Bekenntnis zu Jesus Christus war allgemein anerkannt, vielleicht bis auf einzelne skeptischer Zeitgenossen, die in den tiefsten Winkeln ihres Geistes Zweifel hegten.
    Heutzutage existiert allerdings das umgekehrte Problem: Viele Menschen, mich eingeschlossen, können mit dem jedem religiösen Glauben nichts mehr anfangen und empfinden insbesondere völliges Unverständnis gegenüber dem Christentum. Dennoch sind einige von ihnen zweifellos freundliche und wohlmeinde Menschen und hochgradig in Sachen Nächstenliebe engagiert. Der heutige Christ kann nicht akzeptieren, dass diese Menschen, die der eigene Sohn, die eigene Schwester sein könnten, durch ihren Unglaubens verdammt sind. Das gilt umso mehr, also Religion und Religionslosigkeit als Resultat komplexer Sozialisationsprozesse verstanden wird, sodass der einzelne nur begrenzt für seinen Glauben oder sein Nicht-Glauben verantwortlich ist. Drittens hat sich auch das Menshcenbild gewandelt, sodass Theologen selten damit beginnen, den Menschen als grundsätzlich verdammungswürdig zu sehen. Stattdessen hat doch heute irgendwie jeder es verdient glücklich zu sein, es sei denn er begeht schwere Verfehlungen. Also muss der Theologe umdisponieren und so heißt es jetzt sogar im Ansatz bei Papst Franziskus, Gott interessiere sich mehr für das wohltätige Tun, als für das religiöse Bekenntnis. Religion ist also, überspitzt gesagt, auch vor Gott zur Privatsache geworden, da er dem humanitär engagierten Atheisten das Himmelreich nicht vorenthalten darf. Dadurch wird aber sola fide aufgegeben. Was bleibt ist einzig die Lehre von der Allerlösung, die aber im traditionellen Christentum eine exotische Randposition war.

    Für Luther war der sündige Gläubige rechtfertigungsbedürftig, heute scheinbar der sündlose Ungläubige.

    Wie sehen Sie dieses Dilemma?

    • Oliver

      Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein – tja, und die Bestimmbarkeit von Sündlosigkeit ist genauso zu sehen, denn die vermeintlichen Kinder Gottes des Fleisches nach verstehen nicht, dass sie ebenso erlösungsbedürftig sind.

      Für Luther gibt es den aktiven und den passiven Glaubensgehorsam, so dass beides zusammen teuer ist und nicht ein einzelner Aspekt davon.

      „Billige Gnade ist der Todfeind unserer Kirche. Unser Kampf heute geht um die teure Gnade.“

      Im Kontext der teueren Gnade geht es um das „innerste Wesen“, denn
      „die teure Gnade, die den Menschen das eigene Leben kostet, aber sein innerstes Wesen verändert“ beruht auf der Kraft der Veränderung.

      Jene Veränderung steht wiedrum im Kontext von Theodizee und Tun-Ergehen-Zusammenhang :

      http://www.bibelwissenschaft.de/bibelkunde/themenkapitel-at/theodizee/

      https://de.wikipedia.org/wiki/Tun-Ergehen-Zusammenhang

      Das von Ihnen postulierte Dilemma steht dahingehend entweder in einer Glückssphäre oder in einer Unglückssphäre einer einzelnen Person. Aber wie es Bonhoeffer richtig sieht, so ist dies kein individuelles Problem, sondern ein Problem der Kirche.

      • Sebastian Schumacher

        Ich muss zugeben, dass ich den Punkt Ihrer Antwort nicht verstehe. Was bedeutet „Glückssphäre“ und „Unglückssphäre“? Worin besteht der Bezug zur Theodizee? Inwiefern ist das ein Problem der Kirche?

        Vielleicht bringe ich es mal auf ein Beispiel:
        Person A hat ein verbrecherischen Leben geführt, aber am Ende des Lebens, beispielsweise beim Weg zum elektrischen Stuhl echte Reue gezeigt.
        Person B hingegen hat ein tugendhaftes Leben geführt, war aber Atheist.

        Ich vermute, Luther hätte dem ersten das Himmelreich zugesprochen, dem zweiten nicht. Die moderne Theologie andererseits will zwar Person A das Himmelreich nicht absprechen, aber doch Person B ebensowenig.

        Ich könnte es sogar noch weiter treiben: Man stelle sich vor, ein Mensch verliert in Auschwitz den Glauben an Gott. Nachdem er in der Gaskammer ermordet wurde, kommt er in die Hölle. Sola fide, so einfach ist das?

        • Oliver

          Nach 1. Korinther 2,13 : “ …Geistliches durch Geistliches deuten.“
          Wie geht das denn genau ? „Denn wir wissen, dass das Gesetz geistlich ist, ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft.“ (Römer 7,14).
          Ihre Fragen lassen sich beantworten, indem Sie sich selber fragen und auch beantworten, was geistlich und was fleischlich ist.

          • Sebastian Schumacher

            So langsam fühle ich mich verschaukelt.
            Ich sage mit reinem Gewissen und ohne Hintergedanken, dass ich das Geistliche im hier gemeinten Sinne (Gott, Engel, Seele, Leben nach dem Tode) nicht als existent anerkennen kann. Es erscheint mir eine natürliche Schlußfolgerung aus allem was ich weiß, denke und fühle, dass diese geistlichen Dinge Erfindungen des Menschen sind, schöne und ehrbare Erfindungen, aber dennoch Erfindungen. Es gibt für mich nur sterblichen Geist und sterbliche Materie (höchstens), aber nichts drittes.
            Komme ich in nun die Hölle, falls ich eventuell doch falsch liege? Das ist eine einfache Frage.

            • Schmutzler

              Sehr geehrter Herr Schumacher!
              Eine klare, einfache Antwort ohne theologische Spitzfindigkeiten: Jesus Christus sagt: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater denn durch mich.
              Wenn Sie nicht an Jesus Christus glauben, dann kommen Sie nicht in den Himmel. Ob Sie dann einfach nicht mehr da sind, oder in der Hölle, weiß ich nicht, weil ich noch nicht tot bin.
              Wieso sollten Theologen Menschen irgendwie ein Leben nach dem Tod versprechen, wenn diese das gar nicht wollen?
              Das Angebot auf ewiges Leben steht für alle, die Bedingungen sind klar. Wer das will, kann es haben. Wer das nicht will, bekommt es nicht, ethisch einwandfreies Leben hin oder her.

  2. Sebastian Schumacher

    Danke, das ist mal eine klare Antwort. Klar, aber auch recht kurios. Ich habe nicht den Eindruck, Atheisten möchten nicht in den Himmel. Man kann ja nur annehmen oder ablehnen, was man zumindest für plausibel hält. Ich tue das nicht. Wenn man im Bild des Angebots bleibt, dann sehe ich dieses Angebot einfach nicht, kann es nicht als echtes Angebot wahrnehmen und erkennen. Aber trotzdem wäre es doch für mich und für andere Atheisten eine schöne Überraschung, wenn ich nach dem Tod im Himmel bin. Andererseits wäre ich doch sehr zornig in der Hölle zu landen, denn ein Gott, der Menschen wie mich in die Hölle schickt, wäre ein unfairer Gott. Nicht weil ich untadelig bin, sondern weil ich unendliche Verdammnis für endlichen Irrtum nicht gerecht finde.

    • Schmutzler

      Sehr geehrter Herr Schumacher,
      jetzt bin ich verwirrt. Ich gehe davon aus, dass Sie ein erwachsener Mann sind, der selbstbestimmt lebt. Sie treffen Entscheidungen für Ihr Leben.
      Sie haben die Entscheidung getroffen, „Gott, Engel, Seele, Leben nach dem Tode nicht als existent an[zu]erkennen“. Nun haben Sie (in meinen Augen berechtigte) Sorge, dass diese Entscheidung falsch ist, und Gott, den Sie als nicht existent anerkenne, soll Ihre Fehlentscheidung im Nachhinein korrigieren?
      Das ist mir nicht plausibel. Erklären Sie’s mir.

  3. Sebastian Schumacher

    Da liegt doch schon das Missverständnis vor. Ich habe mich nie dazu entschieden, nicht zu glauben. Ich war noch nie gläubig, also wann sollte ich diese Entscheidung getroffen haben? Wann haben Sie sich entschieden, nicht an Zeus zu glauben? Niemals, Sie haben es immer als selbstverständlich angesehen. Was, wenn Sie falsch liegen würden und Zeus Sie nicht ins Elysium lässt. Fänden Sie das nicht auch unfair. Wie hätten Sie es ahnen sollen? Ebenso geht s mir: Woher soll ich es ahnen oder warum soll
    ich den Christen glauben? Weil sie die
    beängstigendste Drohkulisse aufbauen? Soll ich aus Angst Christ werden?

    • Schmutzler

      Sehr geehrter Herr Schumacher,

      jetzt nehmen Sie mich auf den Arm. Aber ich erliege der Versuchung nicht, Ihnen zu erklären, dass jeder Ihrer Sätze Ihre Entscheidung atmet.
      Dafür erzähle ich Ihnen gerne, dass ich, als ich in der 5. Klasse war, die Sagen des klassischen Altertums von Gustav Schwab gelesen habe. Die fand ich unheimlich faszinierend und konnte alle beschriebenen Götter mit Namen, Attributen und Zuständigkeiten auswendig. Und trotzdem habe ich mich dagegen entschieden, an diese Götter zu glauben, von Ihnen Trost zu erbitten und Hilfe zu erwarten.
      Falls nach meinem Tod Zeus vor mir steht, dann war meine Entscheidung falsch und ich werde die Konsequenzen tragen. So einfach ist das.
      Sie sollten auf gar keinen Fall aus Angst Christ werden. Wenn Ihr Leben für Sie gut ist, so wie es ist (im Hinblick auf einen möglichen oder nichtexistenten Gott), dann leben Sie dieses Leben fröhlich und mit erhobenem Haupt bis zum Schluß.

      • Sebastian Schumacher

        Sie haben wirklich in Betracht gezogen, an die griechischen Götter zu glauben? Ich vermute eher, wir definieren das Wort „Entscheidung“ unterschiedlich. Für mich ist es nur eine Entscheidung, wenn beide Optionen subjektiv als Alternativen für mich im Raum stehen. Insbesondere finde ich es missverständlich, jede Tat die ich unterlasse, auch aus Unvermögen usw. als Entscheidung gegen etwas zu deuten. Wenn mir etwas gar nicht erst in den Sinn kommt, war es auch nicht Teil von Entscheidungen. Ich bin auch ein Sagenfan, aber der Gedanke im buchstäblichen Sinne an die Götter der Sagen zu glauben, kam mir nie. War es also eine Entscheidung? Dann fällt jeder in jedem Moment eine beliebige Zahl an Entscheidungen, die in beliebige noch kleinteiligere aufgeteilt werden könnten. Habe ich wirklich die Entscheidung getroffen, heute keinen Elefanten aus dem Zoo zu entführen oder im Clownskostüm einen Juwelenraub zu begehen? Was wäre damit interessantes gesagt?

        • Schmutzler

          Sehr geehrter Herr Schumacher,

          jetzt wirds albern. Sie weichen immer aus, vor allem, wenns spannend wird. Sie stellen Fragen, aber Sie stellen sich Ihren Fragen nicht.
          Deshalb nochmal die Antwort auf Ihre Ausgangsfrage klipp und klar, ohne Sophisterei. Ewiges Leben bei dem biblischen Gott alten und neuen Testaments gibt es nur mit und durch Jesus Christus; ohne Jesus Christus gibt es das nicht.

  4. Sebastian Schumacher

    Hier noch etwas amüsantes zum Nachdenken:

    Eskimo: „Wenn ich nichts von Gott und der Sünde wüsste, müsste ich dann in die Hölle gehen?“
    Missionar: „Nein, wenn Du nichts davon wüsstest, dann nicht.“
    Eskimo: „Warum erzählst Du es mir dann?“

  5. Sebastian Schumacher

    Jaja, das habe ich inzwischen begriffen. Ich sträube mich nur gegen die Deutung meiner Haltung als Entscheidung. Ich kann mich nicht gegen einen Gott entscheiden, der mir von Vornherein unvorstellbar erscheint. Diese empfundene Unvorstellbarkeit habe ich mir ja nicht ausgesucht. Ich hätte mich höchstens noch dafür entscheiden können, meine Urteilskraft und meinen gesunden Menschenverstand fahren zu lassen.

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