Moment mal: Nicht sofort aufgeben heißt weitermachen Gedanken über Lukas 13 und Feigenbäume zur Karwoche

7 Wochen ohne Sofort. Ein Fastenmotto, das einem auf den ersten Blick erstrebenswert erscheint: 7 Wochen ohne Sofort, 7 Wochen der fröhlichen Prokrastination, 7 Wochen Pizzaschachteln im Bett. Das fällt dem Menschen nicht schwer, so denkt man.
Aber „ohne Sofort“ bedeutet nicht nur Entspannung, „ohne Sofort“ bedeutet auch Warten. Das Nichtaufgeben, das Weitermachen, hat etwas mit „ohne Sofort“ zu tun.
Was Warten heißt, was Nichtaufgeben bedeutet, das finden wir beim Evangelisten Lukas, im 13.Kapitel in den Versen 6-9:

Er erzählte nun dieses Gleichnis: Ein Mensch hatte einen Feigenbaum, der in seinem Weinberg eingepflanzt war. Und er kam und suchte Frucht an ihm und fand keine.
Da sagte er zu dem Winzer: Es sind schon drei Jahre, dass ich komme und Frucht an diesem Feigenbaum suche und nicht finde. Grab ihn aus. Warum soll er noch die Erde auslaugen?
Doch der (Winzer) antwortete ihm: Herr lass ihn noch dieses Jahr bis ich um ihn herum gegraben und Dünger geworfen habe.
Wenn er künftig Frucht bringt (..) wenn nicht, wirst du ihn ausgraben.

Nicht sofort aufgeben. Wenn ich diese Passage lese, entsteht bei mir, wie bei vielen anderen Gleichnissen Jesu, der Gedanke: Warum schreibt der Evangelist nicht, wie die Geschichte ausging? Hat Jesus das Ende nicht erzählt, oder ist es unerheblich? Wie einfach wäre es, wenn wir wüssten, ob der Baum Früchte trägt, ob die Arbeit des Pächters sich gelohnt hat. Oder ob sie sich nicht gelohnt hat. Aber Lukas verrät uns kein Ende, und ich vermute, dass auch Jesus Christus dieser Geschichte kein Ende gab. Sie steht für sich. „Ohne Sofort“. In dem Gleichnis gibt es kein Sofort. Der Besitzer sucht drei Jahre lang erfolglos Frucht, drei Ernten lang vergebens. Eine lange Zeit. Und dann, als es immer noch keinen Ertrag gibt, bittet der Pächter um ein weiteres Jahr. Vertröstung statt Ertrag könnte man meinen. Kein schneller Gewinn, stattdessen die Hoffnung auf eine bessere Ernte. Lukas tut uns auch hier keinen Gefallen, denn wir wissen noch nicht einmal, ob der Besitzer auf dieses Angebot eingeht. Ob die Argumente des Pächters Gehör fanden wird nicht verraten.

Lukas platziert dieses Gleichnis an dieser Stelle – nicht ohne Grund. Als das Evangelium entstand gab es auch kein „Sofort“. Das Leben und Wirken Christi lag Jahrzehnte zurück. Das Kommen des Heilands schien nicht zum Greifen nah. Und auch politisch lag für die Adressaten des Evangeliums einiges im Argen. Warum erzählt Jesus diese Geschichte, die weder spannend, noch spektakulär, noch sofort eingängig ist? Weil es kein Sofort gibt an dieser Stelle. Wichtig dabei ist die Haltung des Pächters: Er gibt nicht auf. Er hofft, und vertraut auf seine Fähigkeiten als Weingärtner. Dieses Gleichnis, das als biedere „Bauernerzählung“ daherkommt, ist deshalb so wichtig, weil es nicht das „Sofort“ des Sieges bedarf, sondern der Hoffnung des Nichtaufgebens. Der Hoffnung auf Gnade, die im Weitermachen entsteht. Und genau deswegen passt dieses Gleichnis und das Weitermachen so gut zur Karwoche.

Der Palmsonntag kennt kein Sofort. Das Sofort, auf das die Zeitgenossen Jesu Christi am Palmsonntag gehofft hatten, es trat nicht ein. Ein Grund aufzuhören? Nein, ein Grund weiterzumachen. Weitermachen, wie es der Pächter im Gleichnis tut. Weitermachen, auch wenn der Triumph ausbleibt. Manchmal auch, wenn es sinnlos erscheint. Weitermachen lohnt, auch auf das Ende hin. Gerade dann lohnt es sich weiterzumachen.

Bertolt Brecht hat in seinem Gedicht „Karsamstagslegende“ in der dritten Strophe dieses „Weitermachen“ treffend beschrieben:

Und in den Blüten
abendgrau verhüllt
sang wunderleise
eine Drossel süß und mild
eine helle Weise.

In der Schöpfung sehen wir, wie ein Weitermachen aussehen kann. Es geschieht jeden Tag aufs neue.
In diesem Sinne wünsche ich Euch eine gesegnete Karwoche.

Übersetzung:Luise Schottrof

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