Moment Mal: Nicht sofort drauflosschaffen (Lk 10,38–42) Augenblick mal! 7 Wochen ohne Sofort

Da steht Martha vor Jesus, die Hände noch nicht trocken vom Tellerwaschen, an der Schürze klebt der Teig, aus dem das Brot gemacht ist, das sie nun nicht ohne Stolz der Männerrunde serviert. In der Küche wunderte sie sich, was Maria so lange trieb, warum sie ihr nicht half, aber viel Zeit zum Wundern hat Martha nicht, es gibt viel zu tun. Und da steht sie nun, froh, den Wanderrabbi mit seinen Nachfolgern in ihrem Haushalt zu bewirten. Ihre gute Laune bekommt einen Riss, als sie sieht, was Maria tut: nichts!

Das gehört sich nicht für eine Frau. Martha weiß das Recht und die gute Sitte auf ihrer Seite – sie möchte trotzdem von Jesus bestätigt werden. Das tut er nicht. Jesus schickt Maria nicht zurück in die Küche.

Ich habe Martha getroffen. Letztes Jahr, in einem evangelischen Kloster in der Schweiz. Martha war um die 70 Jahre alt, und wir kamen ins Gespräch, weil sie – wie ich auch – ihren schwäbischen Zungenschlag nicht verstecken konnte. Es dauerte nicht lang, da kam sie auf die Geschichte von Maria und Martha zu sprechen. Jeden Sonntag schaut sie vorsorglich ins Kirchenblatt, um zu sehen, ob zu Lukas 10 gepredigt wird. Falls ja, dann „sag ich dem Pfarrer, dass ich net komm bei dem saublöden Text.“ Warum?

Weil jede Predigt darauf hinausläuft, dass nur Maria das gute Teil erwählte und sich Zeit nahm für Jesus. Martha, die sich dienend für das Wohl der anderen aufopfert, steht doof da. Auch die schwäbische Martha opferte sich auf; die Mutter starb früh und sie übernahm den Haushalt für den Vater und ihre Brüder. Erst, als sie ins fünfte Lebensjahrzehnt kam und der Vater starb, heiratete sie. Davor lebte sie nicht für sich und ihre Wünsche, sondern für ihre Familie. Und nun stellt sich der Pfarrer auf die Kanzel und zeigt, dass auch Jesus die intellektuelle Beschäftigung für wichtiger hält als die Hausarbeit – und die biblische Verliererin heißt auch Martha.

Ich kann beide Marthas in ihrem Frust verstehen. Sie litten unter dem Rollenbild, das ihnen die Gesellschaft aufzwang; und schafften es kaum, sich in ihrer Rolle nicht zu verlieren. Wie höhnisch, wenn ihre Arbeit dann noch mit Bezug auf die Bibel abgewertet wird.

Deshalb, liebe Verantwortliche von „Sieben-Wochen-Ohne“: Anhand der Geschichte von Martha und Maria ließe sich zeigen, dass Jesus sich schützend vor eine Frau stellt, die aus ihrer Rolle fällt. Aber nicht, dass man sich eine „Lücke im Alltag“ gönnen soll. Die Marthas dieser Welt können darüber nur bitter lächeln. Wer kümmert sich, wer füllt die Lücke? Warum wählt ihr, liebe Verantwortliche von „Sieben-Wochen-Ohne“, zu diesem Thema nicht das Sabbatgebot?

Das Gebot zum Sabbat richtet sich nämlich nicht in erster Linie an Selbstoptimierer, die sich eine Pause gönnen müssen. Der Sabbat sollte verhindern, dass die Marthas unbemerkt und ununterbrochen ihrer ungeachteten Arbeit nachgehen.

Schlagwörter: , ,

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.