Moment mal: Nicht sofort entscheiden (Mt 1,18–24) Augenblick mal – 7 Wochen ohne Sofort

Gelegentlich überrollt uns das Leben. Es ist nichts mehr wie es war, und wie es wird, wissen wir nicht. Schnell verlangt es uns trotz aller Unsicherheit nach einer konkreten Gewissheit, Aufklärung und Lösung, um irgendwie weiter machen zu können.

Fast jeder kennt diesen tragischen Moment, wenn eine Beziehung unerwartet von der Partnerin oder dem Partner beendet wird, und das, was gewesen ist, nur durch einen Moment in apokalyptischer Geschwindigkeit zerstört werden kann. Die Reaktionen auf solche drastischen Augenblicke sind verschieden. Liebeskummer, Depression, Verdrängung, Trotz, Zurückgezogenheit und Selbstschutz für die Zukunft. Doch haben alle Handlungen gemeinsam, dass das Vertrauen in sich selbst und in Andere massiv verletzt ist und nicht gewiss ist, auf wen oder was Verlass ist.

Gut, wenn dann ein Engel im Traum erscheint und für Klarheit sorgt. So geht es zumindest Josef, als er ernsthaft darüber nachdenkt Maria zu verlassen, da sie bereits schwanger war bevor die Beiden zusammengekommen sind. Der Engel spricht im Evangelium nach Matthäus zu Josef:

Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen, denn was sie empfangen hat, ist vom heiligen Geist. Sie wird einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk von ihren Sünden retten. Dies alles ist geschehen, damit in Erfüllung gehe, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Siehe, die Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn gebären, und man wird ihm den Namen Immanuel geben. Das heisst: ‹Gott mit uns›.

Bekanntlich vertraut Josef auf den Engel und nimmt seine Frau vollends zu sich. Durch Vertrauen und Glaube kann Josef den zweifelnden Moment überwinden.

Jetzt erscheint aber nicht jedem ein Engel, und selbst wenn ein Engel erscheinen würde, wäre man schnell dabei, dies als einen einfachen Traum abzutun. Was bleibt uns dennoch? Die Antwort „vertrau auf Gott“ hilft hier nicht weiter. Denn auch ein frommer und gerechter Josef ist kein Fatalist, sondern benötigt eine konkrete Erscheinung, um vertrauen und weiter machen zu können.

Ich glaube, dass solche Erscheinungen unsere Freundinnen und Freunde sowie unsere Familie sind. Menschen, die einen so nehmen wie man ist. Egal ob glücklich oder traurig, lustig oder deprimierend. Bei diesen Menschen zu sein, bedeutet: nicht entscheiden zu müssen. Erst mal sich selbst sein zu dürfen. Im Prinzip wie ein Neugeborenes von den Eltern nur durch seine Anwesenheit bedingungslos angenommen zu sein. Darauf aufbauend können wir uns später auf die Suche nach Lösungen für unsere Herausforderungen im Leben machen.

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