Moment mal: Alles hat seine Zeit (Koh 3,1–4) Moment – 7 Wochen ohne Sofort

Ich habe das „Moment mal“ im Titel dieser Montags-Kolumnen immer als empathischen Einspruch verstanden: Es gibt ein aktuelles Geschehen, das dringend bissig kommentiert werden möchte. Diese Texte waren nicht selten eindeutig (kirchen-) politisch, im Tonfall empört bis polemisch. Von Entschleunigung keine Spur.

Die Kaffeetasse in der Titelgrafik dieses Ressorts spricht eine andere Sprache. Es ist eine heimelige Gemütlichkeit, die von den aufsteigenden Duftkringeln ausgeht. Hier ist ein Ort zum innehalten, wo die Zeit für einen Augenblick stillsteht (und es gibt Kekse!). Auch von dieser Art gibt es nicht wenige „Moment mals“ in unserem Archiv. Kleine literarische Refugien vor den Stürmen des alltäglichen Montagmorgens.

Und in manchen Situationen scheint mir dieser Ansatz des Kommentars als Entschleunigung der viel „theologischere“ zu sein. Einen solchen Ansatz hatte immerhin auch der Verfasser des theologisch durchaus meinungsstarken Buchs Kohelet:

Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde: Geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit; pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit; töten hat seine Zeit, heilen hat seine Zeit; abbrechen hat seine Zeit, bauen hat seine Zeit; weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit.

„Alles hat seine Zeit“. Man kann das Konzept „Entschleunigung“ kaum treffender in Worte gießen. Was ich dabei bemerkenswert finde ist, dass Kohelet durchaus als politisches Buch gelesen werden kann. Der Prediger hat etwas zu sagen, er rüttelt an den Grundüberzeugungen der Theologie seiner Zeit! Aber er sagt es aus einer Position der Ruhe heraus. Seine Theologie steht auf einem Fundament, das von den kirchlichen Trends und Stimmungen seiner Zeit unberührt bleibt.

Von dieser Einstellung hätte ich einiges zu lernen. Oder vielleicht sollten wir zusehen, dass wir für diese Fastenzeit diesen Salomo-oder-wer-das-war als Kolumnist gewinnen?

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