Moment Mal: Kurz vor der Fastenzeit

Mit der Fastenzeit und mir ist das so eine Sache, ganz ähnlich wie mit den Neujahrsvorsätzen: Ich könnte doch, eigentlich wäre es ja eine gute Zeit, sollte ich vielleicht nicht auch mal (wieder), wollte ich das nicht schon immer mal erleben, wie das ist, am Ostermorgen den ersten Kaffee seit vierzig Tagen wieder erschmecken? Zum Ende des Jahres, wie auch in der Woche vor dem Aschermittwoch spule ich die Konjunktive ab. Könnte, wäre, sollte, wollte. Was ist mir so wichtig, dass ich mich auf das intensive Wiedersehen, -schmecken und -erleben nach vierzig Tagen richtig freuen möchte. Dabei schwingt immer die Frage mit, ob ich die Zeit des Verzichts wirklich – so pathetisch es auch klingen mag – in Kauf nehmen will und kann.
Zu kurz kommt bei den ganzen Konjunktiven und Verzichtspekulationen aber oft eine Frage: „Warum spiele ich eigentlich mit dem Gedanken zu fasten?“

Die Antwort schielt immer schon mit einem Auge auf den Ostersonntag, auf die Menschen, denen der auferstandene Jesus nach drei Tagen wiederbegegnet, auf ihr Erstaunen, das anfängliche es-gar-nicht-fassen-können, ihre Freude des Wiedersehens und Jesus neu Kennenlernens.

Schon jetzt, noch vor der Fastenzeit überwiegt die Vorfreude, die Sehnsucht auf Ostern, das große Fest. Und ich frage mich, warum jetzt noch drei Tage alle angebrochenen Schokoladentafeln schnell aufessen (sie könnten ja schlecht werden), Tasse um Tasse Kaffee trinken, weil es dann keinen gibt, den Beutel Tabak leer rauchen und die Feuerzeuge wegpacken? Nein, ich will lieber sieben Wochen mehr. Mehr vom jetzt schon freuen, auf Ostern und auf den gesamten Weg dorthin, inklusive Kartage. Mehr Fokus auf das, was schon Osterfreude erahnen lässt, obwohl sie noch Sehnsucht ist. Auf dass sie das, wovon vielleicht auch weniger gut wäre, mehr und mehr überstrahlt.

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