Moment Mal: Zusammen essen

Münster, Ende Januar 2017. Die WG, in der ich momentan lebe, hat einen relativ großen Küchentisch — zumindest im Verhältnis zur Gesamtgröße der restlichen Küche — und um ihn sitze ich mit sieben Freund_innen zum Abendessen. Es gibt Dampfnudeln, die ich immer nach einem Rezept von meiner Oma koche. Dass die letzten Gäste den Heimweg erst gegen Morgen wieder antreten, war abzusehen und ist trotzdem immer wieder schön.

Sizilien, Ende September 2016. Es ist Sonntagmorgen und nach knapp zwei Wochen vermisse ich frisches dunkles Brot. Ein paar Stunden später stehe ich in der Küche und backe. Abends sitzen vierzehn Menschen aus ganz Europa am Tisch und freuen sich über das Brot, von dem wir auch Tage später noch sprechen und auf das noch ein paar Laibe gefolgt sind.

Münster, Ende Januar 2017. Ein Hörsaal im repräsentativen Schloss-Bau der Uni. Vorne steht Jürgen Moltmann, der dort im Rahmen der Ökumenischen Gastvorlesung spricht. Der überfüllte Raum ist nicht die einzige Seltenheit für die Theologie, auch die konfessionelle Mischung ist, verglichen mit dem Vorlesungsalltag, selten. In einem Teil seines Vortrages spricht Moltmann auch über die Mahlgemeinschaft und über die Barrieren, die sie leider immer noch verhindern. „Nach dem Mahl spricht es sich doch viel leichter“, sagt er und sofort drängen sich mir die beiden oben beschriebenen Abende auf: Es ist so leicht, unter Freund_innen und Bekannten zu essen, ganz gleich ob es Mehlspeisen oder „nur“ Brot ist, vielmehr geht es doch letztendlich um das gemeinsam essen, Zeit miteinander verbringen, Tischgespräche und ihre Weiterführung nach dem Essen.
Noch im Hörsaal, zwischen Theologiestudent_innen und Professor_innen beider Konfessionen, Interessierten und sogar Student_innen von Jürgen Moltmann selbst frage ich mich wirklich: Ja, was wäre eigentlich, wenn wir erst zusammen Abendmahl halten, statt ständig das zu betonen, was wir für das Trennende halten? Was würde passieren, wenn wir zumindest versuchen würden, diesen Satz und unsere Alltagserfahrungen vom Essen mit Freund_innen aus einem überfüllten Hörsaal und unseren Küchen in unsere Kirchen und Gemeinden zu tragen, statt zuerst über die scheinbar vorhandenen Unterschiede zu streiten?

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