Luther und die Sache mit den zwei Reichen Eine Seminararbeit von Lina Neeb

Ihr kennt das: Da hat man wochenlang an einer Hausarbeit gesessen, obwohl sie wahrscheinlich niemals jemand außer dem Prüfer lesen wird. Deshalb gibt es jetzt auf theologiestudierende.de die Möglichkeit, eure wissenschaftlichen Arbeiten mit einer kurzen Vorstellung zu veröffentlichen. Hier nun die erste solche Vorstellung:


„Martin Luthers Verständnis von weltlichem Recht in seiner Schrift ‚Von weltlicher Obrigkeit'“ von Lina Neeb

Wir befinden uns im Jahr 2017, im „Lutherjahr“. Gleichzeitig leben wir in einer Zeit krasser politischer Umstürze und Verwerfungen. Da wird verständlicherweise schnell danach gefragt, was Luther eigentlich über Politik gesagt hat. Wie dachte Luther über das Verhältnis von Politik und Religion und über die Grundlagen und Grenzen staatlicher Gewalt? Vielen fällt dabei schnell die sogenannte Zwei-Reiche-Lehre ein, auch wenn es wohl nur wenige theologische Begriffe gibt, die häufiger missverstanden und missbraucht wurden.

Lina Neeb nimmt sich dazu passend in ihrer Seminararbeit die Schrift Luthers „Von weltlicher Obrigkeit, wie weit man ihr Gehorsam schuldig sei“ zur Brust und untersucht sie auf Luthers Rechtsverständnis hin.

Wie alle Theologie Luthers fußt auch die Obrigkeitsschrift auf exegetischen Überlegungen. Die Verfasserin versteht, diesen Überlegungen nachzugehen und sie kritisch zu kommentieren. Besonderes Interesse legt sie auf die Instanzen, bei denen Luther statt mit der Schrift mit der menschlichen Vernunft und, im dritten Abschnitt des Hauptteils, dem Naturrecht argumentiert.

Die Arbeit ist eloquent geschrieben und der Verfasserin gelingt es, bisweilen ihre eigene Position unaufdringlich zwischen den Zeilen abzubilden. Unorthodox aber toll sind die stichpunktartigen Zusammenfassungen am Ende jedes Kapitels.

Die Arbeit schließt mit der eher negativen Feststellung, dass sich das lutherische Rechtsverständnis „dem Versuch einer Systematisierung“ durch seine oft vagen Aussagen tendenziell entziehe. Trotzdem vermag Lina Neeb auf eine positive Note zu enden:

Der Gewinn der Untersuchung speziell des Rechtsverständnisses in der Obrigkeitsschrift besteht meiner Meinung nach in dem Raum, der hier einem interdisziplinären und interreligiösen Dialog durch die einheitliche Orientierung an Glaube und Liebe für ChristInnen eröffnet wird. […]

Die komplette Arbeit gibt es hier zum Nachlesen. (Bitte beachtet, dass die Arbeit ausschließlich unter den Bedingungen der Lizenz CC BY-SA 3.0 weiterverwendet werden darf.)

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.